KW 9: Amnesty International deckt Massaker in Tigray auf, Massenproteste gegen Regierung in Tunesien, Entführte Schülerinnen in Nigeria wieder frei

– NEWS –

Entführte Schülerinnen in Nigeria wieder frei: In Nigeria befinden sich 317 Schülerinnen, die am Freitag von entwaffneten Banden entführt worden sind, wieder in Freiheit. Bereits am Samstag wurden weitere 46 Personen freigelassen, die Mitte des Monats verschleppt wurden. Wer für die Taten verantwortlich zeichnet, ist derzeit noch unklar. Die Vereinten Nationen zeigten sich erleichtert über die Freilassung, verurteilten aber die häufigen Entführungen von insbesondere minderjährigen Menschen im Land. Auch der nigerianische Präsident Muhammadu Buhari sprach nach den jüngsten Entführungswellen von einer regelrechten „Entführungskrise“. Immer wieder kommt es im Land zu solchen Kidnappings durch bewaffnete Banden, die mit den generierten Lösegeldern ihre Kriege gegen die Zentralregierung finanzieren.
rnd.de

Amnesty International deckt Massaker in Tigray auf: Seit Monaten tobt der Krieg in der abtrünnigen äthiopischen Region Tigray. Dort kämpfen auf der einen Seite die Milizen der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), auf der anderen Seite das äthiopische Militär, von Präsident und Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed entsendet. An dessen Seite kämpfen auch Soldaten des Nachbarlandes Eritrea, die nun von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International für ein Massaker an der Bevölkerung der Stadt Axum in der Region Tigray Ende November verantwortlich gemacht werden. Laut Deprose Muchena, dem Leiter für Ostafrika und das südliche Afrika bei Amnesty International, hätten äthiopische und eritreische Truppen über zwei Tage hinweg mehr als 240 Zivilisten exekutiert. Die Nichtregierungsorganisation stützt sich auf Augenzeugenberichte von Überlebenden.
zeit.de

Massenproteste gegen Regierung in Tunesien: Im Ausgangsland des Arabischen Frühlings droht erneut eine politische Krise. Wiederholt gingen in der Hauptstadt Tunis tausende Menschen bei den größten Protesten seit Jahren gegen die Regierung auf die Straße. Sie richten sich gegen Präsident Kais Saied, der sich weigert, einer Umbildung des Kabinetts zuzustimmen, die Ministerpräsident Hichem Mechichi fordert. Zu den Protesten rief die regierende islamisch-konservativen Ennahda-Partei auf, die dem Präsidenten vorwirft, das Parlament und die Verfassung zu missachten. Tunesien befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise und verzeichnete 2020 einen Rückgang beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) um schätzungsweise 8,2 Prozent.
dw.com

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Gastronomie nach Corona: Ob Restaurant oder Hotel, das Gastgewerbe leidet stark unter der Coronakrise. Umso wichtiger ist es, sich heute schon Gedanken über den Neustart nach dem Lockdown zu machen: Wie müssen sich Betriebe neu aufstellen? Wann gilt es, das eigene Portfolio zu überarbeiten – und wie? Wir treffen Erich Nagl, den Leiter der ETL ADHOGA, der Expertin in Sachen Steuern, Recht und Unternehmensführung für Hoteliers und Gastronomie zum Gespräch. youtube.com

Corona in Afrika – ein Problem für die ganze Welt: Lange sah es so aus, als ob der afrikanische Kontinent von den schlimmsten Verheerungen der Corona-Pandemie verschont bleiben würde. Doch spätestens mit der erstmals in Südafrika aufgetretenen Virus-Mutation B.1.351 trifft die zweite Welle viele Länder des Kontinents hart. Nun kommt zum Tragen, was viele Experten von Anfang an befürchtet hatten – das Virus trifft auf Gesellschaften, die aufgrund finanzieller Probleme und hygienischer Standards kaum wirksame Schutzmaßnahmen organisieren können. Auch die Impfkampagne läuft nur schleppend an. So wurden in Afrika erst 0,16 Impfdosen pro 100 Einwohner verabreicht, eine Durchimpfung des Kontinents könnte erst 2024 abgeschlossen sein. Das liegt auch am mangelnden Willen vieler westlicher Staaten, die Impfstoffhersteller zur Herausgabe ihrer Patente zu bewegen.
nau.ch

Chaos im Kongo nach Mord an italienischem Botschafter: Nach der Ermordung des italienischen Botschafters Luca Attanasio in der Demokratischen Republik Kongo schieben sich die Akteure im Land gegenseitig die Schuld zu. Attanasio war bei einem Angriff bewaffneter Männer auf einen UN-Konvoi 15 Kilometer nördlich der Stadt Goma getötet worden. Außer dem Botschafter kamen auch ein italienischer Militärpolizist und ein kongolesischer UN-Mitarbeiter zu Tode. Das kongolesische Innenministerium machte die Rebellenmiliz „Demokratischen Kräfte zur Befreiung Ruandas“ (FDLR) für den Angriff verantwortlich. Diese stritten jede Verantwortung ab und erklärten ihrerseits, die Attacke habe unweit einer Stellung der kongolesischen Armee und ruandischer Soldaten stattgefunden, weshalb diese die Verantwortung für die Morde zu tragen habe. Das Attentat ereignete sich in einer Region, die aufgrund ihres Rohstoffreichtums von zahlreichen Milizen durchtränkt ist.
jungewelt.de

Erneut hunderte Migranten in Seenot gerettet: Private Seenotretter, unter ihnen das deutsche Schiff „Sea Watch 3“, haben am Wochenende erneut mehrere hundert Menschen vor dem Ertrinken im Mittelmeer gerettet. Insgesamt haben Schiffe von NGO und die libysche Küstenwache rund 370 Flüchtende aufgenommen, die Sea-Watch 3 allein etwa 270 Menschen. Noch gelten 20 Personen als vermisst. Das deutsche Rettungsschiff patrouilliert vor der 24-Seemeilen-Zone Libyens und hat nach eigenen Angaben seit November 2017 mehr als 3.000 Menschen vor dem Ertrinken gerettet. In den vergangenen Jahren ist das Mittelmeer unter den Augen der Europäischen Union zum Massengrab geworden. Die Vereinten Nationen sprechen von über 20.000 Toten in den letzten sieben Jahren, allein 1.200 2020. Allein in diesem Jahr wurden über 3.700 Menschen zurück nach Libyen gebracht, wo sie oftmals in die Hände privater Milizen und Menschenhändler geraten.
zeit.de

Proteste wegen Wirtschaftskrise in Marokko halten an maghreb-post.de
Wegen Spionage für Ägypten angeklagter Ex-Mitarbeiter im Bundespresseamt kündigt Aussage an welt.de
Handel mit Droge Khat in Dschibuti boomt spiegel.de
Regierungskandidat Bazoum zum neuen Präsidenten im Niger gewählt dw.com

– BACKGROUND –

Studie stellt deutscher Sicherheitspolitik in Afrika schlechtes Zeugnis aus: Laut einer Studie des Politikwissenschaftlers Wolfram Lacher im Auftrag des Berliner Thinktanks Stiftung Wissenschaft und Politik kommt das deutsche und französische Engagement in der nordafrikanischen Krisenregionen Libyen und der Sahelzone einem Desaster gleich. Auch nach jahrelangem Einsatz inklusive Truppenpräsenz vor Ort würden die Länder Libyen, Mali, Niger und Burkina Faso scheinbar unaufhaltsam ins Chaos abgleiten. Die deutsche Libyenpolitik sei ein „Desaster“, der Einsatz in Mali „erfolglos“, so Lacher. In seiner Studie geht er vor allem hart mit dem strategischen Ansatz der Missionen ins Gericht. Es gehe Deutschland und Frankreich vor allem darum, öffentlichkeitswirksam den Kampf gegen den Terror zu führen, während eine nachhaltige Stabilisierung eher untergeordnetes Ziel sei. Zudem würden sich die beiden Führungsmächte der EU miserabel aufeinander abstimmen. Untätig die Deutschen, überaktiv die Franzosen – so fasst Lacher das Engagement in Afrika zusammen.
spiegel.de

Geschichte: Als die kolonialen Träume Italiens platzten: Am 1. März 1896 endete der italienische Traum von der Kolonialmacht in Afrika. An diesem Tag zerrieben äthiopische Freiheitskämpfer die italienischen Truppen bei der Schlacht von Adua und sorgten für eine in dieser Dimension einmalige Niederlage in der Geschichte des europäischen Kolonialismus. Die Italiener fielen als Invasoren 1895 in die äthiopische Provinz Tigray ein, was den äthiopischen Kaiser dazu verleitete, den Kolonialisten den Krieg zu erklären. Dabei setzten die äthiopischen Truppen ganz auf fortschrittliche Waffentechnik und überraschten den europäischen Feind damit ein ums andere mal. Bei der Schlacht um Adua warfen die äthiopischen Truppen die italienischen Invasoren für vier Jahrzehnte aus dem Land.
deutschlandfunk.de

Hoffnungsträger China: Afrikas Hauptpartner im Kampf gegen Corona: Beim derzeitigen Impftempo und der globalen Verteilung der Impfstoffe auf die Länder würde der afrikanische Kontinent Prognosen zufolge frühestens 2023 durchgeimpft. Während die meisten Staaten Europas und die USA durch Vorverträge mit den westlichen Herstellern den Löwenanteil an Impfstoff unter sich verteilen, hat das Impfen in einigen Ländern Afrikas noch nicht einmal begonnen. Ausgerechnet China scheint diese Leerstelle mehr und mehr zu füllen. Die Volksrepublik verteilt den Großteil der eigenen Impfstoffe ans Ausland – ein Schwerpunkt sind afrikanische Länder. Peking inszeniert sich damit erfolgreich als weltweiter Retter in der Not. Für die von China belieferten Staaten, darunter Algerien, Simbabwe, Marokko und Uganda, spielt die Diplomatie allerdings eine untergeordnete Rolle. Für sie zählt allein das Prinzip Hoffnung im Kampf gegen das Virus.
fr.de

Ehemaliger Piratenhotspot wieder sicher? Jahrelang galt das Horn von Afrika bei Somalia als Hotspot der Piraterie. Bis 2011 stieg die Zahl von Raubüberfällen auf internationale Handelsschiffe im viel befahrenen Golf von Aden kontinuierlich auf bis zu 237 pro Jahr an. Doch seit 2018 erfolgte kein einziger Angriff mehr in den Gewässern vor Ostafrika. Grund dafür dürfte die europäische Atalanta-Mission sein. Seit 2008 sind mehrere europäische Staaten, darunter Deutschland, vor Ort im Marineeinsatz. Durch regelmäßige Küstenpatrouillen scheint das Problem Piraterie dort im Griff zu sein – und könnte als Beispiel für den neuen Hotspot im Golf von Guinea dienen.
deutschlandfunk.de

– ANGEZÄHLT –

Südafrika meldet im Kampf gegen Corona einen Rückgang der 7-Tage-Inzidenz auf weniger als 1.200 Neuinfektionen. Noch im Januar hatte der Wert bei über 20.000 gelegen.
faz.net

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Wie gestalten die mächtigen Frauen die Welt?
Auf female-leader.net gibt es mehr als Klischees.

– ZITAT –

„Wir sind in einer Situation, die militärisch, mit Blick auf Menschenrechte und humanitär völlig außer Kontrolle ist.“
Finnlands Außenminister Pekka Haavisto über den Konflikt um die Krisenregion Tigray, nachdem er im Auftrag der EU zu Gesprächen mit der äthiopischen Führung gereist war.
dw.com

– ZULETZT –

Wieder Fußball in Libyen: Seit mehr als sieben Jahren durfte im Bürgerkriegsland Libyen aufgrund der Sicherheitslage kein Fußball mehr gespielt werden. Nun allerdings gab eine Delegation des afrikanischen Verbandes (CAF) nach einem Besuch im nordafrikanischen Land grünes Licht. Nach derzeitigen Plänen sollen ab dem 15. März die ersten Spiele im Benina-Märtyrer-Stadion in Benghasi, welches bis 2011 nach dem verstorbenen venezolanischen Staatspräsidenten Hugo Chavez benannt war, ausgetragen werden.
blog.derbund.ch

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