KW 51: Zwei-Klassen-Gesellschaft bei Zugang zu und Umgang mit Corona-Impfstoff, Hunderte Schüler bei Angriff in Nigeria verschleppt, Bürgerkrieg in Äthiopien: Einmarsch Eritreas in Krisenregion Tigray?

– NEWS –

Zwei-Klassen-Gesellschaft bei Zugang zu und Umgang mit Corona-Impfstoff: Während in Europa und den USA so langsam aber sicher die Impfungen gegen das Coronavirus beginnen könnte man in anderen Teilen der Welt den Eindruck gewinnen, endgültig aus dem Blick der „internationalen Gemeinschaft“ verschwunden zu sein. Denn während sich die Regierungen der Industrienationen gegenseitig darin überbieten, die wenigen verfügbaren Impfdosen zu sichern und sich Regierungen darin profilieren, den Zugang zum Impfstoff der weltweiten Konkurrenz vorzuenthalten, wird der globale Süden, so scheint es, vorerst mit der Pandemie alleingelassen. Zwar hat die WHO über einen Fonds zwei Milliarden US-Dollar gesammelt, das reicht aber gerade einmal zur Impfung von drei Prozent der Bevölkerung der südlichen Erdhalbkugel. Eine Initiative Südafrikas, das Patentrecht der Impfstoffe vorübergehend aufzuheben, wurde von den Industrienationen abgeschmettert. Darüber hinaus ist unklar, ob die entwickelten Vaccine überhaupt bei afrikanischen Bevölkerungsgruppen wirken. Von weltweit 44.000 Probanden des Biontech-Impfstoffes waren nur 1,8 Prozent afrikanischstämmig.
n-tv.de, derstandard.de

Hunderte Schüler bei Angriff in Nigeria verschleppt: Bei einem Angriff auf eine Schule im Norden Nigerias sind offenbar über 330 Jungen entführt worden. Augenzeugen berichteten von bewaffneten Männern, die die Jungenschule stürmten und zahlreiche Kinder verschleppten. Noch ist unbekannt, wer für die Tat verantwortlich zeichnet. Das Muster des Angriffs erinnert aber an einen ähnlichen Überfall der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram im Jahr 2014. Damals waren 276 Schulmädchen entführt worden, von denen noch immer 100 vermisst werden.
spiegel.de

Bürgerkrieg in Äthiopien: Einmarsch Eritreas in Krisenregion Tigray? Nach bislang unbestätigten Angaben des US-Außenministeriums sind Truppen des Nachbarlandes Eritrea in die abtrünnige äthiopische Region Tigray einmarschiert. Dies würde den seit Wochen tobenden Bürgerkrieg im ostafrikanischen Land weiter eskalieren. Ein Sprecher des US-Außenministeriums sprach von „glaubwürdigen Berichten“, die eine „besorgniserregende Entwicklung“ markierten. Die Soldaten müssten sofort abgezogen werden. Äthiopiens Präsident und Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed geht seit Anfang November mit voller Härte gegen die in Tigray regierende abtrünnige Volksbefreiungsfront TPLF vor. Diese hatte im Verlauf des Konfliktes wiederholt Raketen auf Eritrea abgefeuert.
zeit.de

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Wolfgang Kubicki trifft Deniz Yücel: Der Wert der Freiheit im Jahr 2020
LIVE vom Gendarmenmarkt‘ aus dem SKPlab von S-Kreditpartner

In Zeiten von Corona werden wesentliche Freiheiten infrage gestellt:
Was passiert mit unseren Freiheitsrechten in Zeiten einer Pandemie? In welchem Verhältnis stehen Sicherheit und Freiheit? Wieviel Freiheit genießt der gesellschaftliche Diskurs? Und wie kann eine offene und respektvolle Diskussion im Sinne unserer Demokratie stattfinden?

Wir freuen uns am Dienstag, 15. Dezember, ab 19 Uhr mit Wolfgang Kubicki und Deniz Yücel diskutieren zu können. Das Gespräch wird live aus dem SKPlab gestreamt. Ihre Fragen können Sie digital während des Events stellen.
skplab.de

Trump erkennt Anspruch Marokkos auf Westsahara an: US-Präsident Donald Trump hat am internationalen Tag der Menschenrechte den Anspruch Marokkos auf die widerständige Region Westsahara anerkannt. Im Austausch dafür verpflichtete sich das nordafrikanische Königreich, diplomatische Beziehungen zu Israel aufzunehmen. Die Einmischung Trumps markiert eine Verletzung des Völkerrechts und von Resolutionen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen. Diese sehen für die ehemalige spanische Kolonie Westsahara Unabhängigkeit vom nördlichen Nachbarn Marokko vor. Rabat hatte sich die Region nach Abzug der spanischen Truppen einverleibt. Damit könnte der schwelende Konflikt um das Land eskalieren. Schließlich hatte die westsaharische Widerstandsbewegung Polisario bereits im November ein seit 1991 geltendes Waffenstillstandsabkommen mit Marokko aufgekündigt.
heise.de

Ägypten erhält chinesischen Corona-Impfstoff: Ägypten hat in der vergangenen Woche bekannt gegeben, als erster afrikanischer Staat den chinesischen Corona-Impfstoff erhalten zu haben. Kairo habe das Mittel als Geschenk der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) erhalten, die ein offizielles Abkommen mit China bezüglich des Impfstoffes abgeschlossen haben. Wie Ge­sund­heits­mi­nis­terin Hala Sajid erklärte, werde dieser nun der Bevölkerung kostenlos zur Verfügung gestellt. Die VAE haben dem chinesischen Mittel eine Wirksamkeit von 86 Prozent bescheinigt.
aerzteblatt.de

Griechenland wirft Türkei vor, Flüchtende aus Somalia in EU zu schleusen: Die griechische Regierung hat der Türkei vorgeworfen, gezielt somalische Migranten in die EU zu schleusen. Athen stützt sich dabei auf Bilder, die zeigen sollen, wie die türkische Küstenwache ein Boot mit 34 Flüchtenden in Richtung griechische Gewässer „pusht“. Dabei seien zwei Frauen gestorben. Außerdem veröffentlichte Athen Aufnahmen, die somalische Migranten zeigen sollen, die angeben, von Ankara gezielt mit Visa ausgestattet worden zu sein um dann in die EU geschickt zu werden. Die Echtheit der Dokumente ist nicht nachprüfbar.
de.euronews.com

Machtkampf innerhalb der politischen Elite im Kongo fr.de
Sierra Leone sieht sich durch Erfahrung für Corona gewappnet faz.net
Erneute Heuschreckenplage in Kenia tagesschau.de
Äthiopien gibt Beschuss von UNO-Mitarbeitern zu spiegel.de

– BACKGROUND –

Moskau vereinbart Einrichtung eines Marinestützpunktes im Sudan: Russlands Präsident Wladimir Putin hat bekannt gegeben, ein Abkommen mit dem Premier der sudanesischen Übergangsregierung Abdalla Hamdok über die Einrichtung eines Marinestützpunktes im ostafrikanischen Land abgeschlossen zu haben. Der Vertrag sichere Moskau den Bau und das mindestens 25-jährige Betreiben eines Logistik-Zentrums am Roten Meer. Putin wirbt seit Jahren bei afrikanischen Staaten um Einfluss und die dauerhafte militärische Verankerung in der Region. Offiziell dient das russisch-sudanesische Abkommen dem Kampf gegen die Piraterie vor Ort. Wie der ehemalige Stabschef der russischen Marine, Viktor Krawtschenko, feststellte, wird damit aber vor allem die „russische Präsenz in Afrika und die operativen Möglichkeiten der Flotte“ verstärkt.
sueddeutsche.de

Sport als Mittel der Kolonisation und Dekolonialisierung: Im Rahmen der Deutschlandradio Denkfabrik hat der renommierte Autor Ronny Blaschke die Bedeutung des Sports für den Prozess der Kolonisierung und Dekolonialisierung des afrikanischen Kontinents untersucht. Demnach seien die globalen Sportarten im 19. Jahrhundert gezielt von Großbritannien aus in die Kolonien verbreitet worden, um mittels dieser „britische Werte“ zu vermitteln. Auch die Kolonialmächte Portugal und Frankreich hätten den Sport aktiv als politisches Instrument eingesetzt. Gleichzeitig habe insbesondere die Popularität des Fußballs eine wichtige Rolle beim antikolonialen Befreiungskampf der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts gespielt. Nationalmannschaften und/oder nationale Delegationen dienten afrikanischen Staaten als Botschafter des Wunsches nach Unabhängigkeit und Befreiung, so Blaschke.
deutschlandfunk.de

10 Jahre arabischer Frühling – eine problematische Bilanz: Ende des Jahres 2010 wird die Selbstverbrennung des tunesischen Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi zum Fanal für eine soziale und demokratische Protestbewegung, die von Tunesien aus in zahlreiche arabische Staaten überschwappte und scheinbar zementierte autoritäre Herrscher und Herrschaftsstrukturen radikal infrage stellte. Doch nicht nur in Tunesien ist ein Jahrzehnt später die Bilanz maximal durchwachsen. Zwar gibt es seitdem regelmäßige Wahlen im nordafrikanischen Land, Presse- und Meinungsfreiheit sind formal gegeben und es haben sich zahlreiche koalitionsfähige Parteien gebildet. Gleichzeitig läuft die reale politische und ökonomische Situation den hohen Erwartungen der arabischen Protestbewegung von damals weit hinterher. Längst ist nicht mehr sicher, dass der proklamierte demokratische Übergang noch zu retten ist.
deutschlandfunk.de

Forscher: Afrika Teil eines globalen mittelalterlichen Handelsnetzes: Archäologen der Universität Genf haben anhand der Untersuchung von Glasperlen aus Mali und dem Senegal nachgewiesen, dass der afrikanische Kontinent zwischen dem 7. und 13. Jahrhundert bereits Teil eines globalen Handelsnetzwerkes gewesen ist. Über den Grad der Einbindung Afrikas in ein solches Netz war bislang wenig bekannt. Die Analyse der Artefakte ergab nun, dass die Glasperlen ursprünglich aus Ägypten, dem östlichen Mittelmeerraum und dem Nahen Osten stammen und ihren Weg in die damals abgelegenen Regionen Malis und des Senegal fanden. Somit widersprechen die Forscher der populären westlichen Vorstellung, wonach das subsaharische Afrika im Mittelalter von der westlichen Welt abgeschnitten gewesen sei. derstandard.de

– ANGEZÄHLT –

Bei der Präsidentenwahl im westafrikanischen Ghana erhielt der 76-jährige Amtsinhaber Nana Akufo-Addo 52 Prozent der Stimmen.
dw.com

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Africa Talks #8: Arts and Culture: How does COVID- 19 affect sector and living culture?
COVID-19 hat das tägliche Leben auf der ganzen Welt durcheinander gebracht, auch für das von Künstlern, Musikern und anderen Kreativen. Die Kreativ- und Kulturindustrie ist einer der Wirtschaftssektoren, die am stärksten von der Krise betroffen ist. Insbesondere habe die Pandemie die strukturelle Anfälligkeit einiger Akteure in dem Sektor deutlich gemacht, wie die internationale Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hervorhebt. Aber, wie so oft, sorgen große Herausforderungen auch für große Inspiration. Wie haben Künstler und andere Kreative auf die Pandemie reagiert und sich von ihr beeinflussen lassen, oder haben sie ihre Kunst als Mittel der Positivität und zur Aufmunterung der Stimmung eingesetzt? Was wäre nötig, um die Krise zu überwinden?
facebook.com

– ZITAT –

„Wenn die Benin-Bronzen zurückgefordert werden, dann müssen sie zurückgegeben werden. Daran gibt es für mich keinen Zweifel.“
Berlins Linken-Kultursenator Klaus Lederer gegenüber dem Tagesspiegel über die offizielle Forderung des nigerianischen Botschafters in Deutschland, Yusuf Tuggar, die im Berliner Humboldt-Forum ausgestellten Kunstschätze an Nigeria zurückzugeben.
tagesspiegel.de

– ZULETZT –

Welttourismusforum will Tschad für Millionen Touristen öffnen: Landschaftlich bietet der zentralafrikanische Tschad mehr als genug Gründe, Touristen aus aller Welt anzulocken. Allerdings haben die Tragödien der vergangenen Jahre, Bürgerkrieg, Terroranschläge, Entführungen, Dürre und Armut einen Tourismus-Boom bislang verhindert. Das soll sich nun ändern: Binnen fünf Jahren will das Welttourismusforum vier Millionen Reisende in das Land locken. Dazu werde man insgesamt rund eine Milliarde Dollar in die Infrastruktur des Landes investieren. Damit wird es aber bei Weitem nicht getan sein: Schließlich warnt das Auswärtige Amt derzeit noch vor Reisen an den Tschadsee sowie in die Grenzregionen nach Kamerun, Libyen und zur Zentralafrikanischen Republik. Ohne eine politische und ökonomische Perspektive bleiben die Tourismus-Träumereien wohl unerfüllt.
reisereporter.de

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