KW 45: Aufstände in Äthiopien, Haft für kongolesischen Rebellenführer, China stoppt Eisenbahnfinanzierung in Kenia, Gelbfieber in Nigeria, Apps hilft Landwirten

– NEWS –

Ministerpräsident Abiy Ahmed droht Aufständischen mit Vernichtung: Der frischgebackene Friedensnobelpreisträger und Ministerpräsident Äthiopiens Abiy Ahmed kämpft gegen die Aufstände im eigenen Land. In den vergangenen Wochen kam es bei Ausschreitungen zu Todesfällen und massenweisen Verhaftungen. Abiy Ahmed irritiert in einer Pressemitteilung mit radikalen Worten: “Wir werden weiterhin das Unkraut ausreißen und den Weizen pflegen. Und wir werden den Weizen nicht aufgeben zu Gunsten des Unkrauts”, heißt es. Im Vielvölkerstaat gibt es Spannungen über die Dominanz unter den unterschiedlichen Gruppen. Aus seiner eigenen Volksgruppe der Oromo richten sich zunehmend mehr Menschen gegen den Politiker – nämlich die radikalen Qeerroo. Diese hatten sich bessere Lebensbedingungen erhofft und sind wütend über fehlende Fortschritte für ihre Gruppe. Gegen die Aufständischen geht Ahmed mit harter Faust vor.
spiegel.de

30 Jahre haft für Bosco Ntaganda: Der Internationale Strafgerichtshof hat den kongolesischen Rebellenführer Bosco Ntaganda zu einer 30-jährigen Haftstrafe verurteilt. Der 46-jährige Warlord hat eine Reihe von Kriegsverbrechen begangen, dazu gehören: Morde, Vergewaltigungen, die zwangsweise Rekrutierung von Kindersoldaten, sexuelle Ausbeutung, Verschleppung. Zwischen 2002 und 2003 soll der damalige stellvertretende Stabschef des Militärflügels der „Union der kongolesischen Patrioten“ den Befehl für ein Massaker an den Lendu gegeben haben. Der Stamm wollte sein Vieh und Land gegen die Verdrängung schützen – es ging um Bodenschätze wie Diamanten. Das verhängte Strafmaß kann noch angefochten werden, auch über die Höhe der Entschädigungen ist noch kein finales Urteil gesprochen.
faz.net

China stoppt Finanzierung für großes Infrastrukturprojekte in Kenia: Eine Eisenbahnstrecke von China bis nach Uganda hätte von chinesischen Investoren getragen werden sollen – die Geldgeber steigen nun vorzeitig aus dem Projekt aus. Der Grund dafür ist die vermutete geringe Wirtschaftlichkeit sowie Widerstand seitens der Bevölkerung. Die Chinesen hatten zuvor eine Strecke von Kenias Hauptstadt Nairobi bis zur Küstenstadt Mombasa bauen lassen – in fünf Stunden erreichten Passiere die Städte. Für manche Reisende ist dies noch nicht schnell genug, da sie über die Schnellzüge in China und Europa wissen. Zudem wurde der Nachtzug gestrichen – eine beliebte Alternative. Das Projekt zwischen Nairobi und Mombasa hatte die Investoren 3,2 Milliarden Euro gekostet. Die Erlöse aus den Fahrkartenverkäufen sind bisher nicht zufriedenstellend. Kenia sucht derweil nach anderen Investoren für die neue Strecke nach Uganda, jedoch warnt die Weltbank vor der bereits hohen Staatsverschuldung.
deutschlandfunk.de

Tödliche Gelbfieberfälle in Nigeria gemeldet: Im Nordosten Nigerias sind jüngsten Pressemeldungen zufolge 29 Personen an Gelbfieber ums Leben gekommen. Bereits im September waren 224 Verdachtsfälle registriert. Der Bezirk Bezirk Alkaleri im Bundesstaat Bauchi ist am stärksten betroffen. Gelbfieber wird durch Mückenstiche verbreitet. Die Virusinfektion tötet statistisch 20 Prozent der Betroffenen.

Afrikanische Länder halten an fossilen Energien fest: Auf der Africa Oil Week in Kapstadt in der vergangenen Woche zeigten Politiker aus mehreren afrikanischen Staaten ihre Entschlossenheit an fossilen Energien festzuhalten. 600 Millionen Menschen seien auf dem Kontinent ohne Zugang zu Strom, dies könne sich nur mit günstigen Versorgungsmöglichkeiten ändern. Der kleinen Schar von Umweltaktivisten, die die Konferenz begleiteten, entgegnete man, dass die Alternative zu fossilen Energien die Dunkelheit sei. Die Politiker sehen die Notwendigkeit für Strom als einen der Hauptfaktoren bei den Wachstumsprozessen. Gabriel Obiang Lima, Energieminister von Äquatorialguinea, klagte zudem an, dass der Druck Ölfelder nicht zu erschließen unfair sei – man müsse Arbeitsplätze schaffen und die Volkswirtschaften ankurbeln.
berliner-zeitung.de

Nigeria schließt Grenzen dw.com
Intellektueller Aufbruch in Afrika sueddeutsche.de
Ausbildung in Eritrea nzz.ch
Westafrika wird wieder von Terror überzogen derstandard.de

– BACKGROUND –

Afrikanisches Leben in Guangzhou: In der südchinesischen Stadt Guangzhou haben sich mindestens 15.000 Afrikaner niedergelassen und versuchen sich professionell weiterzuentwickeln. Der mitunter starke Rassismus ist eine Hürde, dennoch schaffen es viele sich ein stabiles Leben zu etablieren. Auch für Kreative ist China ein attraktiver alternativer Markt zu Europa und Nordamerika. Musiker verdienen mehr als in ihren Heimatländern und versorgen ihre Familien mit dem Geld. Dennoch sind Ausweiskontrollen und Gängelungen im öffentlichen Leben die Regel – China hat mit 0,7 Prozent (2015) die niedrigste Einwanderungsquote der Welt. Das Land ist nicht geübt in multikulturellem Zusammenleben.
spiegel.de

EU-Migrationspolitik weitet sich in Afrika aus: Die EU verhandelt ihr Budget neu und mit Hinblick auf Migration ist die Linie klar – es soll mehr gegen die Fluchtbewegung aus Afrika über das Mittelmeer geschehen. In Kooperation mit internationalen Organisation und Staaten versucht die EU durch Entwicklungshilfe eine Strategie aufzubauen, um den Migrationsdruck zu reduzieren bevor die Geflüchteten in die gefährlichen Boote steigen. Dabei wird die Sahara zunehmend tödlicher – auf dem Weg nach Europa sterben viele Menschen dort unter den harten Bedingungen der Wüste. Die EU will derweil Staaten wie Niger in der Kooperation unterstützen und finanziert Flüchtlingslager und Bürokratie vor Ort. Die EU sieht deshalb vor den Entwicklungsfonds abzuschaffen und setzt stattdessen auf den weiter gefächerten Fonds für Nachbarschaft, Entwicklung und Internationale Kooperation. Dieser soll mit 93 Milliarden Euro ausgestattet werden.
taz.de

Apps unterstützt Bauern: Mehr als 170 Millionen Afrikaner kultivieren ihr Land mit grundlegenden Werkzeugen und ohne vertieftes Wissen. Dass die Gewinne aus der Landwirtschaft dabei kaum zum Leben reichen, stellt für die Bauern eine große Herausforderung dar. Eine neue App soll nun Abhilfe schaffen – FBS Innova heißt die Anwendung, die vom ghanaeschen Staat und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) betrieben wird. Sie erklärt durch ein Sprachmodul wie Bauern ihr Land besser bewirten können, welche Getreide- und Gemüsesorten zu welcher Jahreszeit welche Pflege brauchen und wie sich die Erträge besser kontrollieren lassen.
deutschlandfunk.de

Der Mauerfall hatte auch einen Einfluss auf Afrika: Anlässlich des 30. Jubiläums des Mauerfalls, reflektiert der letzte DDR-Außenminister Markus Meckel: “Für alle Partnerländer der DDR hatte der Mauerfall immense Konsequenzen, vor allem für afrikanische Staaten wie Mosambik, Angola oder auch Äthiopien.”
Auch für die rund 20.000 afrikanische Studenten und Vertragsarbeiter in Ostdeutschland aus den sozialistischen “Bruderstaaten” der DDR änderte sich mit dem Fall der Mauer alles – viele mussten das Land verlassen. Meckel konstatiert, dass in der Partnerschaft des Sozialismus ein großes Interesse über allem schwebte: der ideologische Export für Stellvertreterkriege zwischen Ost und West jenseits der eigentlichen Territorien. Mit dem Zusammenbruch der sozialistischen Seite spürten die Staaten, die technische Hilfe aus sozialistischen Staaten erhielten, wie ein Vakuum entstand, das noch über Jahre bestehen blieb.
dw.com

– ANGEZÄHLT –

95 Luxusautos ließ der König von Eswatini, Mswati III., importieren und sorgt damit für Unruhen. Der Lebensstil für ihn und seine 14 Ehefrauen sei ein Schlag für die Bevölkerung, von der zwei Drittel unter der Armutsgrenze leben.
dw.com

– ZULETZT –

Jubiläumsjahr der Literaturreihe “Stimmen Afrikas”: Im zehnten Jahr der Literaturreihe “Stimmen Afrikas”, sind viele Ziele für die erhöhte Sichtbarkeit afrikanischer Autoren noch nicht erreicht. Christa Morgenrath, Leiterin des Festivals „Stimmen Afrikas“, hofft auf einen afrikanischen Literaturnobelpreisträger in naher Zukunft sowie die Aufnahme afrikanischer Literatur in Standardkanons. Beim Kölner Festival sei es besonders wichtig die Vielfalt der afrikanischen Intellektuellen zu zeigen und eine andere Perspektive auf den Kolonialismus und die Geschichte zu generieren.
deutschlandfunkkultur.de

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