KW 44: Waffenstillstand in Libyen, Eskalierende Proteste in Nigeria, Tote nach Wahl in Guinea

– NEWS –

Rivalen in Libyen beschließen Waffenstillstand: Die Konfliktparteien im seit Jahren schwelenden libyschen Bürgerkrieg haben auf Verhandlungen in Genf einen Waffenstillstand vereinbart. Die amtierende UN-Beauftragte für Libyen, Stephanie Williams, sprach unmittelbar nach der Unterzeichnung von einer “historischen Errungenschaft”. An den Genfer Gesprächen, die Verhandlungen über die politische Zukunft des von Kämpfen und Chaos gezeichneten Landes im November vorbereiten sollen, nahmen je fünf Vertreter der international anerkannten Regierung in Tripolis und des abtrünnigen Generals Khalifa Haftar teil, der weite Teile des Landes im Süden und Osten kontrolliert. Williams forderte alle ausländischen Kämpfer auf, das Land binnen 90 Tagen zu verlassen. Beide Konfliktparteien werden von internationalen Söldnern unterstützt. Viele Söldner werden direkt von den jeweiligen ausländischen Unterstützern Haftars und der Tripolis-Regierung finanziert.
tagesschau.de

Proteste gegen Polizeigewalt in Nigeria eskalieren: Nach Schüssen auf Demonstranten gegen Polizeigewalt kommt Nigeria nicht mehr zur Ruhe. Seit Wochen gibt es Proteste gegen Polizeigewalt im Land. Die Demonstrationen entflammten landesweit, nachdem ein Video von der Tötung eines Zivilisten durch die Spezialeinheit “SARS” online aufgetaucht war. Am vergangenen Dienstag erschossen Sicherheitskräfte mehrere Menschen bei Demonstrationen in Lagos. Seitdem eskalieren die Proteste. Es kommt zu Brandstiftungen, Straßenblockaden und Plünderungen. Nigerias Staatschef Muhammadu Buhari richtete sich in einer Fernsehansprache an die Nation.
dw.com, faz.net

Ausschreitungen nach Wahl in Guinea: Nach der Präsidentenwahl in Guinea am 18. Oktober ist es zu Ausschreitungen und Polizeigewalt mit mehreren Toten gekommen. Bei der Wahl hatte sich der umstrittene 82-jährige Amtsinhaber Alpha Condé gegen den Oppositionskandidaten Cellou Dalein Diallo durchgesetzt. Letzterer erklärte sich noch vor Bekanntgabe der offiziellen Auszählung zum Wahlsieger. Noch am Wahlabend kam es zu drei Todesopfern, mutmaßlich Oppositionsanhänger. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International seien Sicherheitskräfte mit Gewalt gegen die Anhänger Diallos vorgegangen. Offiziellen Angaben zufolge gab es neun Tote, unter ihnen zwei Polizisten. Die Opposition spricht von deutlich mehr Opfern der Gewalt.
dw.com, deutschlandfunk.de

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Massenflucht nach Angriff auf Gefängnis im Kongo: Nach einem Angriff auf ein Gefängnis in Beni, einer Großstadt im Kriegsgebiet des Ostens der Demokratischen Republik Kongo, ist mindestens 1.300 Häftlingen die Flucht gelungen. Hintergrund ist der anhaltende Kampf der staatlichen Armee in der Region gegen die ursprünglich ugandische Rebellenarmee ADF (Allied Democratic Forces). Eine Stellungnahme der ADF erfolgte noch nicht, nach Angaben der kongolesischen Armee deutet die Organisation der Aktionäre aber auf die Rebellenmiliz hin. Lokalpolitiker aus Beni verweisen hingegen auf die bewaffneten Selbstverteidigungsmilizen in der Umgebung, die sogenannten Mayi-Mayi.
taz.de

Finanzier des Ruanda-Genozids nach Den Haag überstellt: Ein mutmaßlicher Drahtzieher des Völkermordes in Ruanda im Jahr 1994, Félicien Kabuga, ist vorläufig zu medizinischen Untersuchungen nach Den Haag überstellt worden. Danach droht ihm die Übergabe an ein UNO-Gericht in Arusha im ostafrikanischen Staat Tansania. Kabuga war 1997 in Abwesenheit vom Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda des Völkermordes bezichtigt und schuldig gesprochen worden. Mitte Mai wurde er in einem Pariser Vorort festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, eine Miliz unterstützt und finanziert haben, die 1994 für einen Großteil der Morde an mindestens 800.000 Tutsi und gemäßigten Hutu verantwortlich war. Kabuga gilt auch als Kopf des Radio- und TV-Senders RTLM, der zu Morden an Tutsi aufgerufen hatte.
spiegel.de

UN-Bericht: Afrika extrem von Klimawandel bedroht: Einem Bericht der Weltwetterorganisation (WMO) zufolge hat der Klimawandel schon jetzt gravierende Auswirkungen auf das Leben in Afrika und bedroht den Kontinent auch in Zukunft. Wie Filipe Lúcio, Leiter des Global Framework for Climate Services bei der WMO, erklärte, erwärme sich Afrika schneller als der globale Durchschnitt. Da 60 Prozent der Bevölkerung Afrikas im Landwirtschaftssektor beschäftigt seien, würden durch den Klimawandel drohende Dürren die Gefahr verbreiteter Unterernährung in sich bergen. Zudem sei deutlich häufiger mit extremen Wetterereignissen wie Zyklonen und Überschwemmungen zu rechnen. Der Kontinent leidet weitgehend unverschuldet unter den Folgen des menschengemachten Klimawandels. Afrika trägt nur etwa drei Prozent zum globalen CO2-Ausstoß bei, so Lúcio.
handelsblatt.com

UN: Afrika weiter Müllhalde für europäische Gebrauchtwagen automobilwoche.de
Geberländer sagen Milliardenhilfe für Sahelzone zu deutschlandfunk.de
Sudan und Israel normalisieren Beziehungen n-tv.de
Sechs tote Kinder nach Angriff auf Schule in Kamerun nzz.ch

– BACKGROUND –

Gipfeltreffen der anti-türkischen Koalition im Gasstreit: Die Widersacher der türkischen Ansprüche auf Gebiete im Mittelmeer, in denen hohe Gasvorkommen vermutet werden, haben sich bei einem Gipfeltreffen in der zypriotischen Hauptstadt Nikosia über das weitere Vorgehen im schwelenden Konflikt beraten. Griechenland, Zypern und Ägypten vereinbarten dabei eine verstärkte Kooperation im östlichen Mittelmeer. Diese wende sich gegen keinen anderen Staat der Region, erklärte Zyperns Präsident Nikos Anastasiades mit Blick auf die Türkei. Anfang des Jahres hatte die Türkei mit der libyschen Regierung in Tripolis ein Abkommen über die Erschließung der Gebiete, in denen zahlreiche griechische Inseln liegen, geschlossen. Zypern und Griechenland zogen darauf in gleichlautenden Verträgen mit Ägypten nach. Seitdem tobt ein wortgewaltig ausgetragener Konflikt mit erheblichem Eskalationspotential.
zeit.de, rnd.de

Engere europäisch-afrikanische Kooperation durch Covid-19? In einem Debattenbeitrag im Journal für Internationale Politik und Gesellschaft (IPG) haben deutsche Afrika-Experten eine engere ökonomische Kooperation zwischen Europa und Afrika empfohlen, um sich unabhängiger von der chinesischen Ökonomie und asiatischen Lieferketten zu machen. Darin heißt es: “Ziel wäre ein solidarischer Multilateralismus, der eine gerechte sozioökologische Transformation im globalen Süden unterstützt”. Darin werden die gemeinsamen Herausforderungen und Interessen der Kontinente betont und der Hoffnung Ausdruck verliehen, “eine Partnerschaft zwischen der EU und Afrika könne ein Initialmoment für die Stärkung eines solidarischen Multilateralismus und für einen globalen Post-Corona Sozialvertrag sein”.
ipg-journal.de

WHO will Corona-Dunkelziffer durch Schnelltests ermitteln: Angesichts der zu vermutenden hohen Dunkelziffer an Corona-Infizierten auf dem afrikanischen Kontinent setzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf die großflächige Einführung von Corona-Schnelltests. Diese sollen helfen, “den riesigen unerfüllten Testbedarf in Afrika zu decken”, so die WHO-Generaldirektorin für Afrika, Matshidiso Moeti, in einer Online-Konferenz. Entgegen des globalen Trends hatte die WHO zwischen Juli und September in Afrika einen Rückgang der Neuinfektionen verzeichnet. Dies wird auf geringe Testkapazitäten in vielen Ländern des Kontinents zurückgeführt.
rnd.de

Experten beraten über Lehren aus Heuschreckenplage im Osten Afrikas: Seit Monaten tobt im Osten Afrikas eine Heuschreckenplage, die jetzt auf den Süden übergreifen zu droht. Namibia, Botswana, Simbabwe, Sambia und Angola vermeldeten zuletzt Probleme mit den Tieren, die kilometerweise Weideland und Felder vernichten. Bald seien 45 Millionen Menschen im Süden des Kontinents von Nahrungsmittelknappheit bedroht, heißt es in einer Einschätzung der südlichen Entwicklungsgemeinschaft SADC. Eine Lehre aus den Heuschreckenplagen in ostafrikanischen Staaten: Oftmals fehlt es an Insektiziden in wenig bewohnten Regionen, die sich zu Hotspots der Heuschreckenbedrohung entwickeln.
dw.com

– ANGEZÄHLT –

Nach Angaben des China Africa Research Initiative (CARI) an der School of Advanced International Studies (SAIS) der Johns Hopkins University sind die Länder südlich der Sahara mit 80 Milliarden US-Dollar beim chinesischen Staat verschuldet.
jungewelt.de

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– ZITAT –

“Die heutige Friedensvereinbarung wird die Sicherheit Israels stärken und die lange Isolation des Sudans von der Welt beenden.”
US-Präsident Donald Trump über die angekündigte Normalisierung der Beziehungen zwischen dem Sudan und Israel, durch den die USA den Sudan von der berüchtigten hauseigenen Liste staatlicher Unterstützer von Terroristen streichen wollen.
n-tv.de

– ZULETZT –

Künstlerkollektiv stiehlt Kunstwerk als “Akt der Restitution”: Ein Künstlerkollektiv hat bei der Ausstellung “Verschmutzung. Körperzustände. Faschismus. Christoph Schlingensief und die Kunst” im Theater Oberhausen die Capri-Batterie gestohlen. Dabei handelt es sich um ein Multiple, ein minimalistisches Kunstobjekt, bestehend aus einer gelben Glühbirne und einer Zitrone. Die Täter meldeten sich nach dem Raub per Mail und erklärten, das Objekt ins Museum Iringa Boma nach Tansania bringen zu wollen. Die Aktion steht im Zeichen der “Restitution”. Dabei sollen aus Afrika geraubte Artefakte der Kolonialzeit aus deutschen Museen wieder in ihre Ursprungsregionen überführt werden.
faz.net

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