KW 34: Terroranschlag in Mogadischu, Gabun feiert 60 Jahre Unabhängigkeit, Extremisten bringen Hafen in Mosambik in ihre Gewalt

– NEWS –

Terroranschlag in Mogadischu: Vor einem Hotel in Somalias Hauptstadt Mogadischu wurde am Sonntag eine Autobombe gezündet. Später wurde das Hotel, welches bei Journalisten und Politikern beliebt ist, gestürmt. 17 Menschen verloren ihr Leben, mehr als 28 wurden verletzt. Neben Hotelmitarbeitern waren auch Sicherheitsleute, Regierungsmitarbeiter sowie Zivilisten unter den Toten. Auch die Attentäter wurden getötet, so die Polizei. Nach der Zündung der Autobombe verschaffen sich die Angreifer, die angeblich der islamistischen Al-Shabaab-Miliz angehört haben sollen, Zugang zum Hotel und wechselten sich einen stundenlangen Schusswechsel mit den Behörden. Es ist der zweite Anschlag in Mogadischu binnen weniger Wochen. Bereits am 8. August wurden bei einem Attentat sieben Personen getötet, als in der Nähe eines Militärstützpunktes eine Autobombe detonierte.
zeit.de, rnd.de, dw.com

Gabun feiert 60 Jahre Unabhängigkeit: Am 17. August 2020 feiert die Republik Gabun 60 Jahre Unabhängigkeit von Frankreich. Im Schatten der Corona-Pandemie wurde die traditionelle Parade anlässlich des Feiertags abgesagt. Am Rande der ebenfalls traditionellen Rede von Präsident Ali Bongo Ondimba fand stattdessen eine einfacher gehaltene Darbietung statt.
In seiner Rede adressierte der Präsident auch die Sorgen der Bevölkerung – seien es der Zustand der Straßen oder die Herausforderung bezüglich der Arbeitslosigkeit, dem Gesundheits- und Bildungssystem. Gabun ist nahezu vollständig auf Lebensmittel Importe angewiesen, was die Wirtschaft lähmt. In seiner Rede erwähnte er die ehemalige Kolonialmacht Frankreich kein einziges Mal. Frankreich kolonialisierte das Land im Jahr 1885, nachdem es 1960 in die Unabhängigkeit entlassen wurde, schuf Frankreich mit Gabun eine neue Dynamik, die teilweise durch den Uranreichtum der westafrikanischen Nation motiviert war – der Schlüssel zum französischen Atomprogramm.
africanews.com

Namibia lehnt deutsches Entschädigungsangebot ab: Namibia hat das Angebot der deutschen Bundesregierung für den Massenmord an Zehntausenden Ureinwohnern abgelehnt. Laut der Zeitung The Namibian halte Präsident Hage Geingob das Angebot – eine Zahlung von zehn Millionen Euro – weiterhin für “nicht akzeptabel”. Von 1884 bis 1915 besetzte das Deutsche Reich Namibia als Kolonialmacht. Zwischen 1904 und 1908 versuchte das Deutsche Reich, seine Herrschaft vor Ort zu festigen. So wurden Aufstände der Volksgruppen Nama und Herero brutalst niedergeschlagen. 65.000 der 80.000 Herero und 10.000 von 20.000 Nama wurden damals getötet. Einige Historiker haben das Blutvergießen als den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Seit Jahren beraten die Regierungen darüber, wie eine adäquate Wiedergutmachung aussehen könnte. Es scheint, als würden die Gespräche hierzu aber ins Stocken geraten.
theguardian.com, sueddeutsche.de

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Tansania schränkt Pressefreiheit ein: Kurz vor der nahenden Präsidentschaftswahl im Oktober hat die Regierung des ostafrikanischen Landes einen Erlass formuliert, der bestimmte Inlandsmedien dazu verpflichtet eine neue Zulassung zu beantragen, um Programme ausländischer Partnerfirmen ausstrahlen zu dürfen. Betroffene Medien wie die Deutsche Welle sprechen von einer fortschreitenden Aushöhlung der Pressefreiheit. In Zukunft sollen Inlandsmedien auch für Partnerprogramme haftbar gemacht werden können. Sonst drohen Verwarnungen, Bußgelder und die Zensur “unangemessener Inhalte”. Als Reaktion haben bereits erste Sender die Verbreitung ausländischer Programme ausgesetzt. Medienberichten zufolge habe ein BBC-Interview mit dem Oppositionskandidaten Tundu Lissu, das auf einem tansanischen Partnersender gezeigt wurde, die Regierung verärgert, weil ihr keine Möglichkeit eingeräumt worden sei, auf einen Vorwurf Lissus zu reagieren.
dw.com

Extremisten bringen Hafen in Mosambik in ihre Gewalt: Das mosambikanische Militär hat eine Offensive eingeleitet, um den Hafen Mocímboa da Praia wieder zurückzuerobern. Islamistische Terroristen hatten den wichtigen Verkehrsknotenpunkt am Mittwoch nach tagelangen Kämpfen eingenommen. Aufgrund seiner Gasvorkommen ist der Norden des Landes hart umkämpft. Im Kampf gegen die Terroristen setzt die Regierung des ostafrikanischen Landes verstärkt auf internationale Hilfe. Die Lage in der rund 30.000-Einwohner-Stadt Mocímboa da Praia sei wie vielerorts absolut außer Kontrolle geraten. Die Regionen gleichen Bürgerkriegsgebieten, viele Dörfer seien nahezu ausgelöscht worden. Laut den Vereinten Nationen sind in den letzten drei Jahren eintausend Menschen durch den Krieg gestorben, rund 250.000 Menschen sind auf der Flucht.
dw.com, de.euronews.com

Havarierter Frachter vor Mauritius zerbrochen: Kurz sah es noch nach “Glück im Unglück” aus. Nachdem der japanische Frachter “Wakashio” am 25. Juli über einem Korallenriff vor der Insel Mauritius havariert war und rund 1.000 Liter Erdöl ins Meer flossen, verkündete der mauritische Premierminister Pravind Jugnauth am vergangenen Mittwochabend, dass “fast das gesamte verbliebene Öl” abgepumpt worden sei. Doch am Samstag ist der Frachter in zwei Teile gebrochen, die Wrackteile treiben nun auf der See rund 30 Meter voneinander entfernt umher. Rund 40 Tonnen Öl konnten nicht abgepumpt werden. Erste nicht-abpumpbare Ölreste waren bereits am Freitag ausgetreten. Es droht eine große Naturkatastrophe. Schon in der letzten Woche rief Mauritius aufgrund der Havarie den Umweltnotstand aus. Umweltschützer der Organisation Greenpeace fordern eine Untersuchung des Unfalls.
zeit.de

Human Rights Watch kritisiert Haftbedingungen von Oppositionellen und Journalisten in Äthiopien deutschlandfunk.de
Wie Umweltgerichte Afrika helfen können dw.com
Ägypten und Sudan zeigen sich optimistisch bezüglich der Staudamm-Gespräche mit Äthiopien africanews.com
Burundi will von Deutschland und Belgien Entschädigungen für Kolonialherrschaft deutschlandfunk.de

– BACKGROUND –

Heuschrecken weiter auf dem Vormarsch: Schon bald könnten Heuschreckenschwärme aus der Sahel-Zone bis in den Westen Afrikas gelangen. Obwohl Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung ergriffen wurden, sprechen Experten von der größten Heuschreckenplage seit Jahrzehnten. Und sie ist noch lange nicht vorbei: Immer größere Schwärme von Wüstenheuschrecken werden wohl noch lange Zeit über den afrikanischen und den asiatischen Kontinent hinwegfegen. Derzeit ist neben Iran, Pakistan und Indien vor allem der Nordosten Afrikas betroffen. Die Insekten waren im letzten Herbst von der Arabischen Halbinsel nach Afrika geflogen. Insbesondere in Somalia konnten sie sich gut fortpflanzen und gelangten in den Folgemonaten nach Äthiopien, Kenya, Uganda und Tansania. Damals sorgten die Tiere noch nicht für Ernteausfälle, da die Ernte größtenteils bereits eingefahren wurde. Doch zwischenzeitlich vermehrten sich die Heuschrecken munter weiter. Unter günstigen Bedingungen entsteht alle drei Monate eine neue, stets noch einmal bis zu zwanzig Mal größere Generation. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) warnte Ende Juli vor einer möglichen “großen Ernährungskrise in Ostafrika”. Durch die Heuschreckenplage, die Corona-Pandemie und den schweren Überschwemmungen der vergangenen Monaten sei die Bevölkerung einer Dreifachbedrohung ausgesetzt.
nzz.ch

Mögliche Einzäunung des Nairobi-Nationalparks verärgert Massai und Naturschützer: Der älteste Nationalpark Kenias steht im Zentrum eines neuen Streits. Der Park mit einer Fläche von rund 117 Quadratkilometern verzeichnete in den letzten 40 Jahren bei einigen Tierarten einen Rückgang von bis zu siebzig Prozent. Der Kenya Wildlife Service (KWS), der den Nationalpark verwaltet, hat nun einen Zehn-Jahres-Plan vorgelegt, um den Nairobi-Nationalpark im Angesicht von schwindenden Tier- und auch Besucherzahlen schützen soll. Teil dieses Plans ist auch die Einzäunung riesiger Landflächen am südlichen Rand des Parks. Im Osten, Norden und Westen ist der Park bereits eingezäunt, da er dort direkt an dicht besiedelte Stadtrandgebiete angrenzt. Doch die neuerliche Einzäunung im Süden erzürnt Massai wie auch Naturschützer gleichermaßen. Im Süden des Parks befindet sich die letzte Wanderroute für die Tiere, man könne nicht hinnehmen, dass die Tiere weder eingeschränkt noch die Massai von den Tieren getrennt werden dürften. Deren Lebensweise stehe tief im Einklang mit dem Schutz der Wildtiere, Zäune könnten dazu beitragen, dass Tiere außerhalb des Schutzgebietes nicht versorgt werden könnten. Auch Naturschützer wie Dr. Paula Kahumbu, Geschäftsführerin von Wildlife Direct, melden sich zu Wort und plädieren für die freien Wanderkorridore. Sie seien der einzige Grund, warum es in Kenia überhaupt noch frei umherstreifende Wildtiere gibt. In Botswana, wo Zäune aufgestellt wurden, um zu verhindern, dass Wildtiere auf Nutztiere Krankheiten übertragen, hatten sich viele Wildtiere auf der Suche nach Wasser in den Zäunen verfangen und waren verendet.
theguardian.com

Mauritius steht nicht nur vor einer Umwelt, sondern auch vor einer Wirtschaftskrise: Nach der Havarie eines japanischen Frachters vor der Inselgruppe Maritius wächst die Kritik an der mauritischen Regierung. Vor allem, dass so lange mit dem Abpumpen des Schweröls gewartet wurde, löst international Unverständnis aus. Zu lange habe man die japanische Firma, der das Boot gehört gewähren lassen. Doch alle Versuche, das Schiff wieder manövrierfähig zu machen und auf das offene Meer zu ziehen, scheiterten. Die Regierung schlug erst Alarm, als am Wrack Risse sichtbar wurden und das Öl auszutreten begann. Doch die Havarie wird nicht nur bei der Umwelt bleibende Schäden hinterlassen, auch die mauritische Wirtschaft wird noch lange brauchen, um sich zu erholen. Sowohl der Tourismus, aber insbesondere den Fischern wurde durch die Zerstörung der Lagune die Existenzgrundlage genommen. Die Havarie bestärkt abermals die seit Jahren aufkeimenden Forderungen nach einer um die Inselgruppe zu errichtenden Sperrzone für große Schiffe.
nzz.ch

– ANGEZÄHLT –

112 US-Dollar pro Tag.
So viel kostet der tägliche Sauerstoffbedarf zur Versorgung eines erwachsenen Covid-Patienten in Guinea. Nirgendwo auf der Welt ist der für Covid 19-Patienten bitter benötigte Sauerstoff so teuer wie in Afrika. Zwei Herstellerfirmen haben sich den afrikanischen Markt aufgeteilt und verlangen dort rund fünf Mal mehr als in den Industrienationen, wie der Tagesspiegel unter Berufung auf das Londoner Büro für Investigativen Journalismus berichtet.
tagesspiegel.de

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Ihre Botschaft gut hörbar: Podcasts führen Ihren Siegeszug fort und bieten für Unternehmen, Medienhäuser und Privatpersonen eine neue Bandbreite an Möglichkeiten Menschen zu erreichen. In unserem Podcast-Studio in Berlin-Mitte können Sie Ihre eigenen Audio-Formate aufzeichnen. Gerne unterstützen wir Sie von der Konzeption bis zur Postproduktion und dem Vertrieb. Kommen wir in Kontakt: podcastproduktion.berlin

– ZITAT –

“Wenn wir auf die letzten fünf Monate zurückblicken, deutet alles darauf hin, dass Südafrika den Höhepunkt erreicht und den Wendepunkt der Kurve überschritten hat.”
Der Präsident der Republik Südafrika, Cyril Ramaphosa, zur aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie in Südafrika.
bbc.com

– ZULETZT –

Erste afrikaweite Pride-Parade: Beim ersten afrikaweiten Pride am vergangenen Wochenende demonstrierten die meisten Aktivisten wegen der Pandemie nur virtuell für ihre Menschenrechte. Drei Tage lang konnten Interessierte digital die Musik-, Kunst- und Diskussionsbeiträge verfolgen. Der ehemalige südafrikanische Präsident Kgalema Motlanthe eröffnete das Event mit einer Grußbotschaft, in der er auch auf die anhakende Intoleranz und Diskriminierung, unter der LGBTQs in Afrika leiden, adressierte. So steht allein Homosexualität in vielen afrikanischen Ländern noch immer unter Strafe.
bild.de

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