KW 22: Opposition in Burundi wirft Regierung Wahlbetrug vor, Lesothos Premier tritt zurück, Afrika als internationaler Drogenumschlagplatz

– NEWS –

Drohnen für Medizin-Versorgung in Malawi: Um die medizinische Versorgung in afrikanischen Ländern zu verbessern, will der Darmstädter Hersteller Wingcopter Drohnen einsetzen. Dafür erhält das Unternehmen als einer der Gewinner des Hackathons “#SmartDevelopmentHack” drei Millionen Euro vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). In den nächsten zwei Jahren sollen zehn Drohnen in Malawi eingesetzt werden, die Medikamente in abgelegene und schwer zu erreichende Gebiete transportieren. Zu dem Programm gehört auch die Schulung von 170 örtlichen Mitarbeitern.
tagesspiegel.de

Opposition in Burundi wirft Regierung Wahlbetrug vor: Die burundische Oppositionspartei CNL wirft der Regierungspartei Betrug bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen vor. “An einigen Orten haben wir beobachtet, dass die Urnen mit gefälschten Wahlzetteln gefüllt wurden”, so ein Vertreter der CNL. Auch hätten Bürger teilweise nicht geheim abstimmen dürfen. Wahlbeobachter der CNL seien laut der Organisation iBurundi zum Teil verhaftet worden. Berichten zufolge soll es sogar zu Besetzungen von Wahllokalen durch die regierungsnahe Imbonerakure-Miliz gekommen sein. Doudou Diène der Präsident der Burundi-Untersuchungskommission der Vereinten Nationen, sagte: “die Grundfreiheiten, die freie, unabhängige und glaubwürdige Wahlen garantieren sollen, werden nicht respektiert: Es gibt Verletzungen des Rechts auf Leben, Freiheit, körperliche Unversehrtheit, Verletzungen der bürgerlichen Freiheiten, Verletzungen der wirtschaftlichen und sozialen Rechte”. Für die Regierungspartei tritt Évariste Ndayishimiye an, der als Verbündeter des langjährigen Präsidenten Pierre Nkurunziza gilt.
dw.com

Dutzende tote Elefanten in Botswana: Im botswanischen Okavangodelta wurden innerhalb weniger Wochen insgesamt 56 tote Elefanten entdeckt. Die Todesursache der Tiere ist bislang unklar. Eine Vergiftung der Tiere schließt der Koordinator für regionale Wildlife-Fragen, Dimakatso Ntshebe, aus, denn andere Wildtiere seien nicht gestorben. Wilderei als Grund für den Tod der Elefanten kann mit großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden: Keinem der toten Tiere hätten die Stoßzähne gefehlt.
rnd.de

Hauptverantwortlicher des Völkermords in Ruanda für tot erklärt: Der Chefankläger des UN-Tribunals zu Ruanda, Serge Brammertz, gab bekannt, dass einer der Hauptverantwortlichen des Genozids im Jahr 1994 seit rund 20 Jahren tot ist. Bei dem Mann, dessen Leiche in einem Grab im Kongo gefunden wurde, handelt es sich um den früheren Verteidigungsminister Augustin Bizimana. Ihm wurde vorgeworfen, unter anderem für die Ermordung der Ministerpräsidentin Agathe Uwilingiyimana und zehn belgischer UN-Friedenssoldaten verantwortlich gewesen zu sein. Bizimanas Leiche wurde von internationalen forensischen Experten identifiziert. Erst kürzlich wurde in Paris ein weiterer Verantwortlicher für den Völkermord in Ruanda festgenommen. Félicien Kabuga soll den Genozid maßgeblich finanziert haben. Er soll sich nun vor dem UN-Tribunal in Den Haag verantworten müssen.
zeit.de

Lesothos Premier tritt zurück: Lesothos Premierminister Thomas Thabane ist von seinem Posten zurückgetreten. Thabane wird vorgeworfen, an der Ermordung seiner Ex-Frau im Jahr 2017 beteiligt gewesen zu sein. Seine jetzige Frau Maesaiah wurde deshalb bereits im Februar angeklagt. Der derzeitige Finanzminister Moeketsi Majoro wird voraussichtlich auf Thabane folgen und soll nach eigener Aussage am Dienstag im Königspalast seinen Amtseid ablegen. Noch vor rund einem Monat versuchte Thabane vergeblich, Lesothos Polizeichef abzusetzen. Zwischenzeitlich wurde das Militär in der Hauptstadt Maseru aufgefahren.
spiegel.de

Ghana treibt neue Staatsairline trotz Corona-Krise voran aerotelegraph.com
Währung CFA soll in ehemaligen afrikanischen Kolonien abgeschafft werden deutschlandfunk.de
Terrorangriff auf Streitkräfte im Niger dw.com
Viel Lob für afrikanische Corona-Politik – aber auch viele Zweifel an den Zahlen derstandard.de

– BACKGROUND –

Stillstand von Ethiopian Airlines führt zu Zwangsisolation vieler Staaten: Die Ethiopian Airlines ist wie alle Fluggesellschaften weltweit stark von der Krise betroffen. Der CEO der größten Airline Afrikas, Tewolde Gebremariam, warnte schon vor einigen Wochen: “In den vier Monaten bis Ende April haben wir Gewinneinbußen von umgerechnet mehr als 500 Millionen Euro verzeichnet. Ethiopian Airlines befindet sich in einer ernsthaften betrieblichen, finanziellen und kommerziellen Krise.” Dabei lief es vor der Krise erstaunlich gut für die Airline. Als einzige afrikanische Fluglinie konnte sie Gewinne einfahren. Nun steht ein Großteil der 125 Flugzeuge still. Insgesamt könnten die afrikanischen Airlines sechs Milliarden US-Dollar an Passagiereinnahmen verlieren, sagt Katherine Kaczynska von der Internationalen Luftverkehrs-Vereinigung IATA. Es droht ein massiver Stellenabbau, der bis zu 3,1 Millionen Menschen ihre Jobs kosten könnte. Zwar müssen bei Ethiopian Airlines noch keine Stellen gestrichen werden, die Folgen des Stillstands sind aber trotzdem spürbar. Insbesondere kleinere afrikanische Staaten wie Burkina Faso oder Äquatorial-Guinea befinden sich in der Zwangsisolation. Ethiopian Airlines ist in vielen Ländern die einzige afrikanische Fluglinie, die diese Staaten anfliegt. Davon hängt unter anderem auch der Postverkehr ab, der mit der Aussetzung der Flüge weitgehend eingestellt wurde, erklärt David Dodge vom Weltpostverein.
deutschlandfunk.de

Afrikanische Intellektuelle fordern Entlassung von Felix Klein: Einige afrikanische Intellektuelle, unter ihnen der senegalesische Sozialwissenschaftler Felwine Sarr und der Soziologe Jean Bernard Ouedraogo aus Burkina Faso, wenden sich in einem offenen Brief, der einer Petition angehängt ist, an Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Sie verurteilen den Vorwurf des Antisemitismus, der dem Historiker und Philosophen Achille Mbembe angelastet wird. In dem Brief wird gefordert, den Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein, zu entlassen. Aus dem Kampf gegen den Antisemitismus habe er “ein Instrument zur Förderung von Rassismus und gesellschaftlicher Spaltung gemacht und das Image Deutschlands in Afrika zutiefst beschädigt”. Klein hatte im April gefordert, Mbembe von der Ruhrtriennale auszuladen, auf der dieser als Redner hätte auftreten sollen. Mbembe bediene sich in seiner Theorie antisemitischer Argumentationen und sei der umstrittenen Bewegung BDS nahe, die zum Boykott israelischer Künstler und Wissenschaftler aufruft. In einem seiner Bücher vergleicht Mbembe die Siedlungspolitik Israels mit dem Apartheidsregime Südafrikas. Das Festival wurde wegen der Corona-Pandemie zwar ohnehin abgesagt, die Diskussion um Mbembe war damit jedoch losgetreten. Abgesehen von dem neuesten Brief solidarisierten sich international viele Wissenschaftler mit Mbembe und kritisierten die Bundesregierung. In dem offenen Brief heißt es “das Grundrecht auf Kritik, auf Gedanken- und Meinungsfreiheit, auf akademische und künstlerische Freiheit und auf Gewissensfreiheit” sei gefährdet.
spiegel.de

Afrika als internationaler Drogenumschlagplatz: Nicht nur die legalen Lieferketten sind wegen der Corona-Pandemie zum Teil unterbrochen, auch die Lieferungen von Drogen wie Kokain werden gestört. Per Schiff oder Flugzeug kommt das Kokain normalerweise an den westlichen Grenzen Afrikas, die als schlecht bewacht gelten, an. Korrupte Zollbehörden, die mangelnde Transparenz der Banken sowie schlechte Geldwäschegesetze machen es den Drogenkartellen leicht, ihre Ware abzusetzen oder Geld zu tauschen. Als größter Ort für den Kokainhandel in Afrika gilt Guinea-Bissau. Aus Westafrika nimmt das Kokain seinen Weg über die Sahara nach Europa. Drogen sind dabei nicht das einzige, das geschmuggelt wird. Auch Schlepper und Waffenhändler nutzen diese Route. Dabei werden von der nigerianischen Mafia oft Geflüchtete genutzt, um illegale Waren zu transportieren. Die nigerianische Mafia arbeitet inzwischen in einem internationalen Netzwerk unter anderem mit südamerikanischen Drogenhändlern zusammen. Nigerias Präsident Muhammadu Buhari erklärte deshalb bereits den Kampf gegen den Drogenhandel zur Priorität. Inzwischen verlagert sich der Handel mit Drogen zunehmend nach Ostafrika in Länder wie Uganda. Dort hat man wegen der Corona-Krise bereits vorgesorgt. “Wir haben die Schließung des Flughafens und die Ausgangssperre kommen sehen und vorher große Mengen Vorräte angelegt”, sagt ein anonymer Drogenhändler aus Kampala.
taz.de

– ANGEZÄHLT –

Mehr als 100.000 Menschen haben sich in Afrika nachweislich mit dem Coronavirus infiziert.
rnd.de

– ZITAT –

“Es rächt sich, dass viele Länder in den 1990er Jahren aufgrund ihrer Überschuldung vom Internationalen Währungsfonds einen strengen Sparkurs verordnet bekamen und ihre schwachen Gesundheitssysteme nicht ausgebaut haben.”
Der Wirtschaftswissenschaftler Robert Kappel über die schlechte Gesundheitsversorgung vieler afrikanischer Staaten.
zdf.de

– ZULETZT –

Lebensmittelpakete für kenianische Läufer in der Corona-Krise: Kenianische Läuferinnen und Läufer leiden darunter, dass wegen der Corona-Krise die großen Sportveranstaltungen dieser Welt abgesagt oder verschoben wurden. Mit Nahrungsmittelpaketen will Sportministerin Amina Mohamed deshalb die Sportler unterstützen. Der Olympiasieger Eliud Kipchoge, der als schnellster Mann der Welt gilt, unterstützt diese Initiative mit seiner Stiftung. “Bis zu achtzig Prozent von ihnen leben von Rennen in Europa, Asien und anderen Teilen der Welt”, sagt Kipchoge. “Sie brauchen Rennen, um Essen auf den Tisch zu bekommen, und das ist schwierig geworden, da die gesamte Saison abgesagt wurde.”
faz.net

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