KW 21: Studie kritisiert den Einsatz gefährlicher Pestizide in Afrika, Facebook will zehntausende Kilometer Internet-Kabel um Afrika verlegen, Sinkende Ölpreise und Corona setzen Angola zu

– NEWS –

Studie kritisiert den Einsatz gefährlicher Pestizide in Afrika: Einer Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Misereor und dem Inkota-Netzwerk kommen in einigen afrikanischen Staaten Pestizide der Hersteller BASF und Bayer zum Einsatz, die in der EU nicht zugelassen sind. “Bayer und BASF verweisen stets auf die vermeintliche Sicherheit ihrer Produkte, aber das ist ein Mythos”, so Jan Urhahn, Mitautor der Studie. Die Nachfrage für Pestizide ist in Afrika in den letzten Jahren stark gestiegen. Die deutschen Konzerne würden davon laut Studie profitieren. Deutschland ist der zweitgrößte Lieferant von Pestiziden weltweit.
dw.com

Facebook will zehntausende Kilometer Internet-Kabel um Afrika verlegen: Ein Konsortium, das vom Internetkonzern Facebook geführt wird, plant unter dem Namen “2Africa” bis spätestens 2024 ein großes Netz von Untersee-Internet-Kabeln rund um Afrika zu verlegen. Mit rund 37.000 Kilometern wäre das Netz fast dreimal so groß wie alle bisher verlegten Untersee-Kabel in Afrika zusammen. Neben Facebook finden sich in dem Konsortium lokale Unternehmen, die südafrikanische Firma MTN, China Mobile, der französische Konzern Orange sowie Vodafone. Die Medienwissenschaftlerin Payal Arora mahnt, dem Internetkonzern sei vor allem an den Märkten in Afrika gelegen. Man müsse aufpassen, dass Firmen wie Facebook nicht an zu viel Macht gelangen: “Die Digitalunternehmen sind reicher als so mancher Staat und sehen sich selbst als autonome Akteure.”
faz.net

Spezielle Corona-App in Südafrika entwickelt: Ein südafrikanisches Team hat eine Corona-Tracing-App mit dem Namen Covi-ID entwickelt, die speziell auf Schwellenländer ausgerichtet ist. Über eine Webanwendung können sich Nutzer registrieren und den persönlichen Infektionsstatus eintragen. Ein QR-Code, der entweder aufs Smartphone geschickt oder auf Papier ausgedruckt wird, soll dann ermöglichen, den Status abzufragen. “Wenn du früh zur Arbeit gehst, kann der QR-Code eingescannt werden: beim Einsteigen in den Bus, von einem Sicherheitsmitarbeiter, im Supermarkt”, so Co-Pierre Georg, der an der Entwicklung der App maßgeblich beteiligt ist.
dw.com

Eritreer klagen EU an: Eine Gruppe von Exil-Eritreern aus den Niederlanden hat Klage gegen die EU eingereicht. Sie werfen der Europäischen Union die Unterstützung von Zwangsarbeit bei einem Straßenbauprojekt vor. Das Projekt wird im Rahmen des Trust Fund for Africa von der EU mit 80 Millionen Euro unterstützt. Laut der Klage der Gruppe würden bei dem Projekt Sträflinge und zeitlich unbegrenzt wehrpflichtige Eritreer eingesetzt. Bereits vor einem Jahr wies die EU die Aufforderung der Stiftung Menschenrechte für Eritreer (FHRE), die Finanzierung des Projekts einzustellen, zurück. Eine Antwort der Europäischen Union auf die neue Klage wird für Ende Juni erwartet.
derstandard.de

Südafrika will tausende Gefangene entlassen: In Südafrika sollen in den kommenden Wochen rund 19.000 Menschen auf Bewährung aus den Gefängnissen entlassen werden, um die Verbreitung des Coronavirus in den Strafanstalten zu verhindern. Bislang soll es zu rund 200 Infektionsfällen in südafrikanischen Gefängnissen gekommen sein. Albert Fritz, Mitglied der liberalen Demokratischen Allianz (DA) und Sicherheitsminister in der Provinz Western Cape, kritisierte die geplante Maßnahme: “Oft sehen wir die auf Bewährung Entlassenen mittellos durch die Städte irren”. Die Menschen hätten oft kein Zuhause und würden schnell wieder kriminell werden. Südafrika hat eine der höchsten Kriminalitätsraten der Welt.
faz.net

Bundeswehr engagiert sich stärker in Mali: Die Bundeswehr wird den Einsatz in Mali künftig näher an den Hotspots des Landes durchführen. Zwar wird die Bundeswehr weiterhin nicht an Kampfeinsätzen teilnehmen, sondern malische Soldaten ausbilden. Die deutschen Soldatinnen und Soldaten könnten künftig jedoch einer größeren Gefahr ausgesetzt und in mehr Gefechte verwickelt sein, auch, um malische Kameraden zu unterstützen. Das Kontingent der Bundeswehr in Mali soll deshalb mit bis zu 450 Soldatinnen und Soldaten deutlich steigen. Auch Spezialkräfte könnten künftig zum Einsatz kommen. Derzeit befinden sich in Mali aufgrund der Corona-Pandemie nur 60 Angehörige der Bundeswehr.
rp-online.de

Welttag des Lichts: Misereor für mehr Solaranlagen in Afrikadeutschlandfunk.de
Blauhelm-Soldaten bei Anschlag in Mali getötet swr.de
Boko-Haram-Kämpfer im Niger und in Nigeria getötet dw.com
Zwei Berggorilla-Babys im Bwindi-Regenwald geboren spiegel.de

– BACKGROUND –

Besonderheiten der Corona-Pandemie in Afrika: Weltweit laufen dem Unternehmen Cytel zufolge derzeit 1072 klinische Studien zum Coronavirus. Die meisten davon in China, den USA und Europa. In Afrika werden momentan nur 31 solcher Studien durchgeführt. Um afrikanische Staaten besser an die Forschung anzuschließen, führt die WHO in der Studie “Solidarity” weltweit Informationen von rund 70 Institutionen und 30 Staaten zusammen. Auf die Bedingungen und Umstände in strukturschwachen Regionen der Welt müsse anders reagiert werden, so Philippe Guérin, der das Projekt mitinitiiert hat: “Der Großteil der Forschungsanstrengungen konzentriert sich heute darauf, die Sterblichkeit von Patienten zu verringern, die sich in einer sehr schweren Phase der Erkrankung befinden. Aber in Ländern mit begrenzten Ressourcen gibt es nur wenige Reanimationskapazitäten. Hier wäre es wichtig, herauszufinden, wie wir verhindern können, dass Patienten von einem leichten zu einem schweren klinischen Krankheitsstadium übergehen.” Der Expertin Helen Rees zufolge gäbe es außerdem Medikamente und Impfstoffe, die bei einigen Bevölkerungen besser funktionieren würden als bei anderen: “Das könnte mit der Verbreitung anderer Krankheiten zu tun haben oder sogar mit anderen Bedingungen wie zum Beispiel der Ernährung.” Es sei deshalb wichtig, die Situation auf dem afrikanischen Kontinent nicht zu vernachlässigen.
dw.com

Afrikas Politiker zeigen Engagement in der Krise: Die Berichterstattung westlicher Medien über afrikanische Politiker bedient sich oft eines gewissen Stereotypus des korrupten und eigenwilligen Autokraten. In der Corona-Krise zeigt sich jedoch, wie engagiert und effektiv die afrikanische Politik in vielen Ländern derzeit arbeitet. So beispielsweise Hassan Ali Joho, der Gouverneur der kenianischen Stadt Mombasa. Als es Ende März zu Fällen von Polizeigewalt gegen Pendler in Mombasa, die sich nach der Ausgangssperre auf den Straßen aufhielten, kam, verurteilte Joho dies. “Unsere Sicherheitskräfte müssen verstehen, dass die Menschen Hilfe und keine Strafen brauchen”, so der Gouverneur. Für seine Maßnahmen wie die Verteilung von kostenlosem Desinfektionsspray bekommt Joho viel Lob. 2022 wird der Politiker voraussichtlich für die Präsidentschaftswahl antreten. Der ghanaische Präsident Nana Akufo-Addo beschloss noch vor den ersten Corona-Fällen des Landes, ein wirtschaftliches Hilfspaket. Kurz nach den ersten Fällen ging das Land in den Lockdown. Anfang April wurde in Ghana beschlossen, die Strom- und Wasserrechnungen der Bürger für drei Monate zu übernehmen. Seitdem in Ghana die Beschränkungen wieder gelockert wurden, führen die medizinischen Einrichtungen groß angelegte Corona-Tests durch. Laut Akufo-Addo sei Ghana “Nummer eins in Afrika, was Tests pro Millionen Einwohner angeht”.
tagesspiegel.de

Sinkende Ölpreise und Corona setzen Angola zu: Angola leidet nicht nur unter den direkten Folgen der Corona-Pandemie, sondern auch unter den gefallenen Ölpreisen. Laut dem Experten Jakkie Cilliers sei das Land ” komplett von den Rohöl-Exporten abhängig. Sinkende Einnahmen wirken sich also direkt negativ auf den Staatshaushalt und damit auch die Lebensumstände der Bevölkerung aus.” In den nächsten Jahren werde sich die Situation in Angola vermutlich noch verschlechtern, so Cilliers. “Nicht nur, was weiter wachsende Armut, sondern auch die soziale Stabilität angeht. Wir rechnen mit erheblichen Turbulenzen. Auch Lebensmittel-Aufstände sind im Verlauf des Jahres möglich.” Zwar scheint Angolas Präsident João Lourenço, der 2017 gewählt wurde, sich um Reformen zu bemühen, die die Situation im Land verbessern könnten. Thomas Keller, der Leiter des Büros der Konrad Adenauer Stiftung für Namibia und Angola, betont jedoch, wie korrupt das System in Angola sei. Dieses System zu zerschlagen, könne weitreichende Folgen haben, so Keller. “Und deswegen ist es eher die Politik der kleineren Schritte”. Derzeit werden die meisten Ressourcen in Angola verwendet, um die Pandemie zu bekämpfen. Hinzu kommt die hohe Verschuldung bei China, das dort in Infrastrukturprojekte investiert hat.
deutschlandfunk.de

– ANGEZÄHLT –

Mehr als 5600 Schwarze Nashörner wurden in Afrika 2018 gezählt. Dies entspricht einem Zuwachs von 2,5 Prozent zwischen 2012 und 2018.
rnd.de

– ZITAT –

“Die Sahelregion ist für die Entwicklung West- und Nordafrikas von entscheidender Bedeutung. Gelingt es den dortigen Regierungen nicht, den Terrorismus in den Griff zu bekommen und die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Länder voranzubringen, wird es zu erheblichen Verwerfungen in der Region und über den Kontinent hinaus kommen.”
Jürgen Hardt, der außenpolitische Sprecher der CDU, setzt sich für ein stärkeres Engagement Deutschlands in der Sahelzone ein.
dw.com

– ZULETZT –

Rauchverbot in Südafrika: Neben dem Verkauf von alkoholischen Getränken ist in Südafrika für die Zeit der Pandemie auch der Handel mit Zigaretten untersagt. Der Tabakkonzern British American Tobacco Südafrika (BAT) drohte bereits, gegen das Rauchverbot zu klagen, sollte die Regierung es nicht bald von selbst aufheben, zog die Drohung dann jedoch wieder zurück. Das südafrikanische Verbot von Zigaretten wird einerseits mit der Schädlichkeit für die Lunge begründet. Andererseits würden sich viele Menschen Zigaretten teilen und somit zu einer Verbreitung des Virus beitragen.
faz.net

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