KW 15: Berichte über neue Massaker in Tigray, Angriff auf UNO-Hilfszentrum in Nigeria, Amtierender Präsident im Tschad vor Wiederwahl

– NEWS –

Berichte über neue Massaker in Tigray: In der aufständischen Region Tigray im Norden Äthiopiens sollen Truppen der Zentralregierung im Verbund mit Soldaten aus dem Nachbarland Eritrea weitere Gräuel an der Zivilbevölkerung begangen haben. Seit Monaten häufen sich Berichte über Massaker. Während BBC und CNN nun in einem Video Massenexekutionen von äthiopischen Regierungstruppen nahe des Dorfes Mahibere Dego zeigen, häufen sich Meldungen über ethnischen Säuberungen aus dem Westen der Provinz. Nach aktuellen UN-Angaben befinden sich drei Viertel der Bevölkerung in einer Hungersnot. Nun hat ein Team der belgischen Universität Ghent systematisch die Namen von 2.000 Menschen ermittelt, die bei mehr als 150 Massakern getötet worden seien. Dadurch soll der Druck auf den Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed erhöht werden, der als Präsident Äthiopiens für die Eskalation verantwortlich zeichnet.
tagesspiegel.de

Angriff auf UNO-Hilfszentrum in Nigeria: Im Nordosten Nigerias sollen Dutzende Kämpfer in die Stadt Damasak im Bundesstaat Borno eingedrungen sein. Sie hätten nach Beobachterinformationen das örtliche Zentrum der Vereinten Nationen (UNO) und eine Polizeiwache in Brand gesetzt. Dabei sollen laut der französischen Nachrichtenagentur AFP ein Soldat sowie mindestens drei Frauen getötet worden sein. Mittlerweile habe sich die Lage wieder beruhigt. Den Angriff reklamieren islamistische Milizen für sich, die sich dem „Islamischen Staat“ angeschlossen haben. Immer wieder kommt es im Nordosten des Landes zu bewaffneten Überfällen und Entführungen.
spiegel.de

Amtierender Präsident im Tschad vor Wiederwahl: Der seit 30 Jahren regierende Präsident des Tschad, Idriss Déby Itno, hat sich erneut zur Wiederwahl gestellt. Ernsthafte Gegenkandidaten hat der autoritär regierende Machthaber nicht. Der wahlweise „Feldwebel“ oder „Boss im Sahel“ genannte Regierungschef ist im Land weitgehend konkurrenzlos – auch weil er eine Schlüsselrolle im Kampf gegen islamistische Gruppen vor Ort einnimmt und dafür von Frankreich tatkräftige Unterstützung erhält. Menschenrechtsaktivisten werfen Déby Einschüchterung der Opposition und Intransparenz vor.
tagesschau.de

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Mit Schwung aus der Pandemie – Tipps und Tricks für den Onlinehandel: Die Corona-Pandemie sorgte für einen beispiellosen Boom beim Onlinehandel. Mittlerweile hat auch die kleine Boutique von nebenan den E-Commerce für sich entdeckt. Doch gerade wenn aus der vermeintlichen Notlösung plötzlich ein nachhaltiges Geschäftsmodell wird, ist professionelle Beratung unumgänglich. Welche steuerlichen Fallstricke es zu umgehen gilt, was sich durch die EU-weite Umsatzsteuerreform im Sommer für Onlinehändler verändert und was es mit dem One-Stop-Shop-System auf sich hat, darüber haben wir mit Nadja Müller und Saravanan Sundaram von fynax, dem Steuerfachberater für E-Commerce bei der ETL, gesprochen. youtube.com

Amtsinhaber Favorit bei Wahlen in Benin: Auch im einstigen westafrikanischen Vorzeigeland Benin wurde in dieser Woche gewählt. Am Montag stand die endgültige Auszählung noch aus. Alle Prognosen sahen aber Amtsinhaber Patrice Talon vorn. Der Präsident war 2016 überraschend gewählt worden und wollte sein Amt eigentlich nach fünf Jahren niederlegen, um nicht „selbstgefällig“ zu werden, wie es heißt. Doch Talon stellte sich erneut zur Wahl. Dabei hat der Präsident in einigen Regionen im Norden und Zentrum des Landes den Rückhalt verloren. Gegen Oppositionelle geht Talon allerdings zunehmend autoritär vor. Im Vorfeld der Abstimmung am Sonntag setzte das Militär Tränengas gegen Gegner ein, mindestens ein Demonstrant kam ums Leben.
faz.net

Sensation: Archäologen finden 3.000 Jahre alte Stadt in Luxor: In der ägyptischen Stadt Luxor haben Archäologen eine 3000 Jahre alte Stadt entdeckt. Es handele sich dabei um die größte antike Stadt, die jemals in Ägypten gefunden wurde, so der Leiter der Ausgrabungsmission Sahi Hauass. Die Existenz der Stadt war bislang von Forschern nur vermutet worden. Laut Betsy Brian, Professorin für Ägyptologie an der Johns-Hopkins-Universität in den USA, sei der Fund „die zweitwichtigste archäologische Entdeckung seit dem Grab von Tutanchamun“. Nach Schätzungen soll die Siedlung aus der Zeit des Königs Amenophis III. stammen, der von etwa 1391 bis 1353 v. Chr. im Alten Ägypten die Geschicke leitete.
rnd.de

Sorge über Lage in Mosambik: Nach wochenlangen Angriffen von islamistischen Milizen auf die Stadt Palma im Norden von Mosambik haben sich die Staats- und Regierungschefs der Staatengemeinschaft des südlichen Afrika (SADC) zu einer Konferenz in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo getroffen, um über die Lage zu beraten. Dabei äußerten die sechs Amtsträger ihre tiefe Besorgnis angesichts der islamistischen Bedrohung. Zehn Tage lang hatten Gruppen, die sich dem „Islamischen Staat“ zugehörig fühlen, die Hafenstadt Palma belagert. Die SADC-Staatschefs behielten sich eine Reaktion auf die Ereignisse ausdrücklich vor, machten jedoch keine Angaben über Details.
deutschlandfunk.de

Marokko an Spitze afrikanischer Impfkampagne nzz.ch
Literatur: Bénédicte Savoy mit Untersuchung über „Afrikas Kampf um seine Kunst“ deutschlandfunkkultur.de
Architekturführer über die Vielfalt des Bauens in 49 Ländern von Subsahara-Afrika dw.com
Mehr als 40 Tote bei brennendem Bus im Kongo spiegel.de

– BACKGROUND –

G20 kündigen Schuldenerlass „light“ für arme Länder an: Die Finanzminister der 19 wichtigsten Wirtschaftsnationen der Welt und der Europäische Union haben sich auf einer Konferenz anlässlich der Herausforderungen der Corona-Pandemie auf einen Schuldenerlass für arme Länder geeinigt. Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) sollen weitere 650 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt werden, um die Corona-bedingte Rezession in zahlreichen Entwicklungs- und Schwellenländern mit Hilfsprogrammen und Krediten zu bekämpfen. Darüber hinaus einigten sich die Versammelten darauf, dass die betreffenden Staaten die Zinsen ihrer Schulden bis Ende des Jahres nicht zurückzahlen müssen. Während sich Finanzminister Olaf Scholz zufrieden mit dem Ergebnis zeigte, kritisieren afrikanische Ökonomen und viele Entwicklungshilfeorganisationen, es bräuchte einen echten Schuldenerlass, der über eine Stundung der Zinszahlungen hinausgehe.
euractiv.de

Djibuti zwischen geostrategischer Relevanz und ökonomischer Krise: Das kleine Land Djibuti am Horn von Afrika zählt trotz seiner geringen Einwohnerzahl von nur einer Million zu den wichtigsten Staaten für Militärstrategen und Sicherheitspolitiker der Welt. Durch seine Lage an der Einfahrt zum Roten Meer, direkt an der Meerenge Bab al-Mandab, kurz vorm Suezkanal, unterhalten derzeit die USA, Frankreich, China und Japan Militärbasen im Land. Künftig könnten noch Saudi-Arabien und Indien hinzukommen. Zudem gilt das Land als Stabilitätsanker in einer äußerst unruhigen Region. Auch China entdeckt den Staat zunehmend für sich und liefert u.a. bevorzugt Corona-Impfstoffe nach Djibuti. Währenddessen ist das Leben der Bevölkerung von großer Armut geprägt. Eine Staatsverschuldung von 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts macht wenig Hoffnung auf Besserung.
dw.com

Weiterhin enorme Unterschiede im globalen Impftempo: Während in den meisten europäischen Ländern, Nordamerika und Teilen Asiens und Lateinamerikas die Impfkampagnen längst Fahrt aufgenommen haben, sind große Teile des afrikanischen Kontinents noch immer weiße Flecke auf den „Impfkarten“ der WHO. Länder wie Libyen oder Botswana sind noch nicht einmal aufgeführt in den Impf-Datensätzen der WHO. Zwar hätten bereits vierundvierzig Länder in Afrika Impfstoffe erhalten, so Clemens Schwanhold, politischer Referent bei der Nichtregierungsorganisation ONE, allerdings bedeute dies im Umkehrschluss, dass zehn Staaten noch nicht eine Spritze verabreicht hätten. Darunter seien zwar Länder wie Burundi. Tansania, Madagaskar und Eritrea, deren Regierungen nicht so recht an die Wirkung der Impfstoffe respektive die Gefahr des Virus glauben mögen, doch auch Länder, die sich mehr Tempo wünschten, leiden weiter unter der ungleichen globalen Verteilung. Daran ändert auch die mit großer Hoffnung gestartete globale „Covax-Initiative“ nichts. Währenddessen verhängen Länder wie die USA und Indien Exportstopps für die dringend benötigten Vakzine, und auch die EU denkt über entsprechende Maßnahmen nach.
dw.com

Vom Boom zum Sorgenkind – Afrikas Luftfahrt in der Krise: Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie galt die Luftfahrt als Wachstumsbranche auf dem afrikanischen Kontinent. Das hat sich gründlich erledigt. Afrikas Airlines leiden stark unter der Corona-Krise. Touristen und Firmenreisende fallen fast vollständig aus. Während 2019 rund mehr als 110 Millionen Flugreisende von, nach und innerhalb von Afrika geflogen sind, waren es im letzten Jahr weniger als halb so viele. Die Airlines verzeichneten aufsummiert rund 8,6 Milliarden Euro Verlust. Es ist eine Krise, deren Ende derzeit noch nicht in Sicht ist. Lediglich der Aufschwung im Frachttransport ist ein kleiner Hoffnungsschimmer.
dw.com

– ANGEZÄHLT –

Laut WHO sind an die 1,3 Milliarden Menschen in Afrika bisher weniger als zwei Prozent aller weltweit ausgelieferten Corona-Impfdosen verabreicht worden.
deutschlandfunk.de

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Auf female-leader.net gibt es mehr als Klischees.

– ZITAT –

„Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Abiy Ahmed war ein Fehler“
Der Politikwissenschafter Tobias Hagmann ist überzeugt, dass der äthiopische Präsident Abiy Ahmed große Verantwortung für den eskalierten Konflikt in der abtrünnigen Provinz Tigray trage.
nzz.ch

– ZULETZT –

Französischem Starphilosophen Foucault wird Missbrauch tunesischer Jungen vorgeworfen: Der 1984 verstorbene Michel Foucault ist zweifellos einer der wichtigsten Intellektuellen der letzten 100 Jahre. Nun allerdings wird dem Denker der Missbrauch mehrerer minderjähriger Jungen während seiner Zeit in Tunesien Ende der 1960er Jahre vorgeworfen. Urheber der Gerüchte ist der französisch-amerikanische Publizist Guy Norman, der sich allerdings selbst nur auf Gerüchte stützt. Dennoch stürzen sich vor allem Rechte im Netz auf den vermeintlichen Skandal. Schließlich handelt es sich um eine willkommene Gelegenheit, dem bei postmodernen Linken beliebten Philosophen neben der Homosexualität auch Pädophilie vorzuwerfen. Derzeit deutet allerdings nichts darauf hin, dass an den Verdächtigungen etwas dran ist. So meint der an der Sorbonne lehrende Literaturwissenschaftler Jürgen Ritte, es klinge „alles sehr, sehr unwahrscheinlich“.
deutschlandfunk.de

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