KW 06: Wie der Coronavirus Afrika träfe, Libyen-Konflikt: Heiko Maas fordert Sanktionen, Oxfam: EU bekämpft Migration statt Armut

– NEWS –

Wie der Coronavirus Afrika träfe: Bisher wurde auf dem afrikanischen Kontinent noch niemand ermittelt, der mit dem Coronavirus infiziert ist. Damit ist Afrika bisher als einziger Kontinent verschont geblieben. Allerdings gab es schon ein paar Verdachtsfälle, die zeigen wie nervös die Behörden sind. Die Behörden in Addis Abeba stellten vier Studierende unter Quarantäne. Zwei von ihnen waren zuvor mit grippeähnlichen Symptomen aus der chinesischen Millionenmetropole Wuhan eingereist, dem Ort in Zentralostchina mit den bislang meisten Todesopfern. Auch das Gesundheitsministerium der Elfenbeinküste meldete einen ersten Verdachtsfall. Die Gesundheitssysteme der meisten afrikanischen Länder wären für eine Epidemie extrem anfällig. Nur die wenigsten haben entwickelte Frühwarnsysteme in den letzten Jahren installieren können. 2014 kursierte in Westafrika der Ebola-Virus und forderte mehr als 10.000 Todesopfer.
taz.de

Libyen-Konflikt: Heiko Maas fordert Sanktionen: Bei einem Treffen mit dem neuen EU-Außenbeauftragten Josep Borrell forderte Heiko Maas Sanktionen gegen Verstöße des auf der Libyen-Konferenz in Berlin ausgehandelten Waffenembargos. Borrell schlug eine zweites Treffen zum Thema Libyen im Zuge der Münchner Sicherheitskonferenz vor. Gleichzeitig regte er an, die EU-Marinemission “Sophia” wieder aufleben zu lassen, um das Waffenembargo zu überwachen. Die Mission wurde auf die Ausbildung der libyschen Küstenwache beschränkt, da sich die beteiligten EU-Staaten nicht auf die Verteilung von während der Mission geretteten Geflüchteten einigen konnten. Die Seenotrettung gehörte zwar nicht zum Mandat der Mission, wurde aber dennoch geleistet. So wurden im Jahr 2019 über 50.000 Menschen gerettet. Einige Unionspolitiker äußerten sich bereits kritisch gegenüber dem Vorschlag, “Sophia” wiederzubeleben. Fraktionsvizechef Thorsten Frei nannte die Seenotrettung einen der Hauptgründe für die Migration über die Mittelmeerroute.
welt.de, faz.net

Oxfam: EU bekämpft Migration statt Armut: Die Menschenrechtsorganisation Oxfam kritisiert die EU für ihre Entwicklungspolitik. Demnach gäbe Brüssel immer mehr Geld dafür aus, Grenzen zu schließen, Migration zu erschweren und Abschiebungen nach Afrika zu erleichtern. Dadurch würden Armut und Not „verschärft, statt diese zu lindern“, heißt es in dem Bericht „Trapped between Aid Policy and Migration Politics“. Dieser befasst sich vor allem mit dem sogenannten EU-Treuhandfonds für Afrika (EUTF). Nach Zählung von Oxfam hat der EUTF für Projekte, deren Ziel es sei, „Migration zu verhindern“, über eine Milliarde ausgegeben. Das ist mehr als ein Viertel des bislang ausgegebenen Gesamtvolumens. Lediglich 1,5 Prozent (56 Millionen Euro) seien für sichere und legale Zugangswege für Flüchtende und Migranten vorgesehen. Innerhalb der EU werde der Erfolg von Entwicklungsprojekten zunehmend danach bemessen, ob sie Migrationsbewegungen reduzieren − und nicht mehr an dem Entwicklungsnutzen, den das Projekt für die Menschen vor Ort hat, kritisiert Oxfam.
taz.de

Mehr Aufmerksamkeit für Klimakrise in Afrika: Greta Thunberg hat gefordert, den Ländern Afrikas mehr Aufmerksamkeit bei der Bewältigung der Klimakrise zukommen zu lassen. Afrika ist bereits heute am stärksten durch den Klimawandel betroffen. In der medialen Aufmerksamkeit in der westlichen Welt kommt das aber oft zu kurz. Besonders für Empörung sorgte ein Bild auf dem vier weiße Klimaaktivisten zu sehen waren, darunter Luisa Neubauer und Greta Thunberg. Aufgenommen wurde das Bild in Davos. Ursprünglich auch darauf zu sehen, war Vanessa Nakate aus Uganda. Die Nachrichtenagentur AP schnitt sie jedoch einfach aus dem Bild. Später musste sich die Agentur dafür entschuldigen.
rnd.de, welt.de

Unicef fordert mehr Hilfe für Kinder im Sahel: Fast fünf Millionen Kinder brauchen nach Angaben von Unicef humanitäre Hilfe. Grund dafür seien Anschläge, Entführungen und Zwangsrekrutierungen durch bewaffnete Gruppen, erklärte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Jungen und Mädchen in den Ländern Mali, Burkina Faso und Niger litten besonders unter der Gewalt. Im vergangenen Jahr seinen hunderttausende gezwungen gewesen, ihre Heimat zu verlassen. Unicef ruft die Staaten auf, dringend umgerechnet rund 190 Millionen Euro für Hilfe in der Region bereitzustellen.
deutschlandfunk.de

Deutschland will in großem Stil Wasserstoff aus Afrika importieren industriemagazin.at
Mbodj: “In Afrika gibt es mehr Smartphones als in den USA und in Europa zusammen” wienerzeitung.at
Europas koloniales Erbe in Afrika deutschlandfunk.de
Infantino schlägt Änderungen beim Afrika-Cup vor weltfussball.de

– BACKGROUND –

Äthiopien auf dem Weg ins All: Äthiopien hat vor einem Monat seinen ersten Satelliten in die Erdumlaufbahn geschossen. Entworfen wurde der Satellit von äthiopischen und chinesischen Ingenieuren. Den Großteil der Kosten übernahmen dabei die Chinesen. Damit ist Äthiopien das elfte Land aus Subsahara-Afrika, das einen eigenen Satelliten im All hat. Auch Nigeria kooperiert in Sachen Weltraumabenteuer mit den Chinesen. Bis 2030 soll ein Astronaut ins All geschossen werden. China nutzen diese Kooperationen auch politisch und wirtschaftlich. Die ohnehin schon stark ausgeprägten Partnerschaften können durch derartige Prestigeprojekt noch verstärkt werden.
dw.com

Die Unentschlossenheit Europas in Libyen: Die Libyen-Konferenz in Berlin nutzt vor allen Dingen den Akteuren, die bereits militärisch involviert waren. Europa habe es nicht geschafft, eine gemeinsame Politik zu entwickeln und es so den Vereinigten Arabischen Emiraten, vor allen Dingen jedoch Russland und der Türkei ermöglicht, jeweils eine Seite des Konflikts zu unterstützen. Die Unentschlossenheit der EU führte dann dazu, dass die international anerkannte Regierung Libyens um türkische militärische Unterstützung bat und Europa zunehmend vom Friedensprozess ausschloss. So weigerte sich Ministerpräsident Sarradsch, sich mit dem italienischen Ministerpräsidenten zu treffen. Die EU habe sich unwillig gezeigt, General Haftar Einhalt zu gebieten, auch weil Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate zu wichtigen Unterstützern Haftars zählen. Diese wiederum will Europa nicht verärgern. In letzter Konsequenz könnte die Berliner Konferenz die Eskalation des Libyen-Konflikts sogar verstärken, da Europa zu wenig Druck auf Haftar, die Türkei und Russland ausübt.
ipg-journal.de

Immer mehr islamisitsche Anschläge: In Afrika sind 2019 mehr als doppelt so viele Anschläge durch islamistische Gruppierungen verzeichnet worden wie vor acht Jahren. Das ist das Ergebnis einer Erhebung von Acled, einer amerikanischen NGO. Demnach gab es im vergangenen Jahr insgesamt 3471 gewaltsame Angriffe auf dem Kontinent, die auf Islamisten zurückzuführen waren – 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei kamen über 10 000 Personen ums Leben. Grund für den deutlichen Anstieg sind die jüngsten Entwicklungen im Sahel sowie in der Region um den Tschadsee. In Somalia dagegen, lange der wichtigste Hotspot der religiös motivierten Gewalt auf dem Kontinent, hat sich die Lage leicht verbessert: Die Zahl der Angriffe ging hier in den letzten zwei Jahren um 40 Prozent zurück. Weiterhin werden aber rund 38 Prozent aller Anschläge in Afrika hier verzeichnet.
nzz.ch

– ANGEZÄHLT –

20 Menschen sind in Tansania bei einem Freiluftgottesdienst eines evangelikalen Predigers in dem Gedränge getötet worden. Darunter fünf Kinder.
derstandard.at

– ZITAT –

“Ich habe geweint, weil es so traurig war, nicht nur, weil es rassistisch war, sondern auch wegen der Menschen aus Afrika. Es zeigte, wie wir wertgeschätzt werden. Das hat mir sehr wehgetan. Es ist das Schlimmste, was ich je in meinem Leben erlebt habe.”
Klimaaktivistin Vanessa Nakate darüber, dass sie aus einem Bild einfach herausgeschnitten wurde, so dass nur noch vier weiße Köpfe zu sehen waren.
welt.de

– ZULETZT –

Neandertalergene im südlichen Afrika entdeckt: Ein Team der Princeton University (New Jersey, USA) hat erstmals genetische Belege für Neandertalergene bei modernen Afrikanern entdeckt. Die Studie widerspricht damit bisherige Annahmen über die Verbreitung der unterschiedlichen menschlichen Spezies in großen Teilen. Erbgut des Neandertalers ist bei heutigen Europäern, Amerikanern, Asiaten und Australiern in Bereichen zwischen 1,8 und vier Prozent zu messen. In Ländern des südlichen Afrikas war man bisher davon ausgegangen, dass es ob der Distanzen nicht zu einer Vermischung zwischen europäischen Neandertaler und afrikanischem Homo Sapiens kam. Die nun erstellen Analysen ergaben jedoch, dass das Erbgut der untersuchten Afrikaner im Schnitt 0,3 Prozent Neandertaler-DNA enthielt.
derstandard.at

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