KW 03: Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Kongo, Krisengipfel zur Sahelzone, Waffenstillstand in Lybien gebrochen, Anschlag auf Brücke zwischen Nigeria und Kamerun

– NEWS –

UN sieht mögliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Kongo: Die Vereinten Nationen haben einen Bericht zum Konflikt zwischen den Volksgruppen Hema und Lendu veröffentlicht. So wurden in der Provinz Ituri von Dezember 2017 bis September 2019 mehr als 700 Menschen getötet. Vor allem die Hema-Gemeinschaften seien von der brutalen Gewalt betroffen. Ziel der Angriffe sei laut dem Bericht die Kontrolle über Land und Ressourcen. Die Vereinten Nationen forderten die Behörden dazu auf, die staatliche Präsenz in der Region zu verstärken und unabhängige Ermittlungen zuzulassen.
rp-online.de

Krisengipfel zur Sahelzone in Pau: Am Montag treffen sich die Staatschefs von Mali, Niger, Burkina Faso, Mauretanien und Tschad zusammen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und Vertretern der EU und der Afrikanischen Union, um über den Anti-Terror-Kampf in der Sahelzone zu beraten. Bei der Kooperation zwischen der Eingreiftruppe der fünf afrikanischen Staaten, den französischen Soldaten und den Truppen der Vereinten Nationen, die im Rahmen der Mission MINUSMA in Mali stationiert sind, kam es in der Vergangenheit oft zu Problemen. Für die EU ist die Sicherheit in der Sahelzone aufgrund der geographischen Nähe von großer Bedeutung. Unterdessen wächst in den westafrikanischen Staaten der politische Widerstand gegen die französische Militärpräsenz. Laut einem Vertreter der Zivilgesellschaft in Niger forderte Präsident Macron seine Partner im Sahel dazu auf, kritische Stimmen gegen die Militärmission zu verhindern.
dw.com

Waffenruhe in Lybien nach kurzer Zeit gebrochen: Nachdem es am Sonntagmorgen zunächst so schien, als hielte die zwischen General Khalifa Haftar und der lybischen Regierung vereinbarte Waffenruhe, werfen sich die beiden Konfliktparteien nun gegenseitig vor, dagegen verstoßen zu haben. Der Waffenstillstand wurde unter Vermittlung von Russland und der Türkei geschlossen. Die Türkei hatte eigene Truppen entsandt, um die Regierung in Tripolis zu unterstützen, während Haftar unter anderem von Russland unterstützt wird. Bundeskanzlerin Merkel will mit einer internationalen Konferenz auf eine politische Lösung setzen. Präsident Putin sagte ihr dafür bei einem Treffen am Mittwoch seine Unterstüzung zu.
sueddeutsche.de

Koloniale Tradition: Perücken in Afrikas Gerichtssälen: Viele Richter und Anwälte in den ehemaligen britischen Kolonien Afrikas tragen auch heute noch Perücken aus Pferdehaar im Gerichtssaal. So bestellte beispielsweise die Regierung Simbabwes kürzlich 64 neue Haarteile, die in einigen Ländern Afrikas aufgrund ihrer kolonialen Herkunft nicht unumstritten sind. In Malawi erlaubte das Verfassungsgericht nun den dortigen Juristen zumindest im Sommer auf die Perücken verzichten zu dürfen. Die Temperaturen dort stiegen zuletzt auf 45 Grad im Schatten.
fr.de

Viele Tote nach Anschlag auf Brücke zwischen Nigeria und Kamerun: Die Brücke El Beid, die zwei wichtige Handelsorte in Nigeria und Kamerun verbindet, wurde mutmaßlich von islamistischen Terroristen gesprengt. Dabei starben mindestens 30 Menschen. Ein Provinzgouverneur Kameruns sprach hingegen von Kindern, die eine Granate aufgehoben und versehentlich gezündet hätten. Bereits in der Vergangenheit sprengte die Terrororganisation Boko Haram gezielt wichtige Brücken. Die Region Gamboru, in der der jetzige Angriff geschah, wird von Boko Haram als Rückzugsort genutzt.
taz.de

Museum in Kamerun: Wahrung des kulturellen Erbes: Im Museum Blacktitude in Kameruns Hauptstadt Youndé lassen sich über 1000 Exponate betrachten, die zum Großteil von dortigen Volksgruppen stammen. Das Museum verkauft seine Ausstellungsstücke prinzipiell nicht. Ausgeliehen werden die Objekte aber beispielsweise an Volksgruppen, damit diese sie für rituelle Zwecke nutzen können. Museumsdirektor Christian Nana Tschuisseu setzt sich für die Rückgabe von Objekten ein, die bislang in westlichen Museen verweilen. Doch es gibt in Kamerun auch Stimmen wie Chembifon Muna von der Muna-Kunst-Stiftung, die das wachsende Interesse an afrikanischer Kunst im Ausland positiv sehen und den afrikanischen Kunstexport fördern möchten.
deutschlandfunkkultur.de

Nach langer Trockenheit: Heftige Unwetter in Angola nzz.ch
Nach Angriff auf Luftwaffenstützpunkt: USA verlegen weitere Truppen nach Kenia de.reuters.com
Mehr als ein Dutzen Blauhelmsoldaten bei Angriff in Mali verletzt spiegel.de
Sadio Mané wird Afrikas Fussballer des Jahres sueddeutsche.de

– BACKGROUND –

Awra Amba: Kommune in Äthiopien: Die Gemeinde Awra Amba im Norden Äthiopiens existiert seit über 40 Jahren. Deren Mitglieder, bestehend aus etwa 144 Familien, wollen dort demokratisch über die Verteilung des Einkommens der Gemeinde bestimmen sowie Geschlechterrollen und religiöse Grenzen überwinden. Der Gründer der Gemeinde, Zumra Nuru, war lange Wanderprediger und musste im Bürgerkrieg fliehen, bevor er die Siedlung etablieren konnte. Heute ist Awra Amba dank einer Molkerei, einer Kornmühle und drei Lebensmittelgeschäften wirtschaftlich erfolgreich und kann unter anderem eine Schule und eine Bibliothek vorweisen. Inzwischen gibt es sogar ein eigenes Hostel, das von Touristen aus dem Ausland gebucht werden kann.
sueddeutsche.de

Kinderhandel in Nigeria: In Nigeria betreibt ein ganzer Geschäftszweig den Handel mit Kindern. Dabei werden nicht nur Babys entführt, oft werden auch schwangere Frauen gefangengehalten. Die jungen Frauen werden dabei oftmals mit dem Versprechen auf Arbeit in die Großstadt geholt und daraufhin gekidnappt und geschwängert. Nach der Geburt werden die Babys dann vor allem an kinderlose Paare verkauft. In Südnigeria wurden seit 2006 etwa 300 Frauen aus solchen ‘Babyfabriken’ befreit. Einer nigerianischen Aktivistin zufolge herrsche auf verheiratete, kinderlose Frauen ein hoher sozialer Druck, der die illegale Adoption von Kindern verstärke.
n-tv.de

Bobi Wine: Vom Rapper zum Politiker: Der ugandische Rapper Bobi Wine stellt eine Bedrohung für die herrschende politische Elite Ugandas dar. Mehr als zwei Millionen Menschen folgen ihm in den sozialen Medien, wo er sich immer wieder für soziale Gerechtigkeit und gegen Korruption und Jugendarbeitslosigkeit einsetzt. Damit ist er vor allem bei den Jugendlichen des Landes beliebt. 2019 kündigte Bobi Wine dann an, für die Präsidentschaft kandidieren zu wollen. Wegen seiner politischen Tätigkeit wird Bobi Wine immer wieder verhaftet, auch starb bereits sein Fahrer, als auf seinen Konvoi geschossen wurde. Trotzdem gelang es ihm, mit 80 Prozent der Stimmen seines Wahlbezirks in das Parlament einzuziehen.
sueddeutsche.de

– ANGEZÄHLT –

Mehr als 6000 Menschen sind im Kongo innerhalb eines Jahres an Masern gestorben.
spiegel.de

– ZITAT –

“Die EU darf Afrika nicht länger nur als Absatzmarkt für subventionierte billige Agrarprodukte behandeln.”
Entwicklungsminister Gerd Müller über den geplanten EU-Afrika Pakt.
handelsblatt.com

– ZULETZT –

Tradition und Algorithmen: Modedesign im Senegal: Die senegalesische Modedesignerin Diarra Bousso ist studierte Mathematikern und arbeitete bereits mit 22 Jahren an der Wall Street in New York. Sie entschied sich jedoch gegen eine Karriere in der Welt der Banken und kehrte zurück in den Senegal um dort Kleider zu entwerfen. Inzwischen lebt sie wieder in den USA, um dort weiter Mathematik zu studieren. Die Muster ihrer Kleider designt sie heute mit Hilfe von Algorithmen. So verbindet sie die Tradition des Kunsthandwerks mit modernen Mitteln.
nzz.ch

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