KW24: 350.000 Menschen in Äthiopien laut UN akut vom Hungertod bedroht, Proteste und Repressionen begleiten Parlamentswahl in Algerien, Macron kündigt Ende des französischen Militäreinsatzes in der Sahel-Zone an

– NEWS –

350.000 Menschen in Äthiopien laut UN akut vom Hungertod bedroht: In Äthiopien ist einer detaillierten Studie der Vereinten Nationen zufolge eine Hungerkatastrophe ausgebrochen. Mehr als 350.000 vor allem in der Bürgerkriegsprovinz Tigray, aber auch in zwei angrenzenden Provinzen lebende Menschen befinden sich inzwischen in „Phase 5“, der schlimmsten Kategorie einer von humanitären Organisationen benützten Klassifizierung, der „Integrated Food Security Phase Classification“. Sie bedeutet, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung an Hunger leidet und bereits Menschen verhungern. Die Situation könne sich zur „weltweit schlimmsten Hungersnot seit einem Jahrzehnt ausweiten“, kommentierte der UN-Koordinator für humanitäre Angelegenheiten, Mark Lowcock: Es sei damit zu rechnen, dass die Katastrophe „noch wesentlich schlimmer“ werde. Die jetzige Hungersnot ist die erste in Äthiopien seit der Katastrophe Mitte der 1980er-Jahre, der mehr als eine Million Menschen zum Opfer fielen, das Epizentrum der damaligen Hungersnot war ebenfalls Tigray.
derstandard.at

Proteste und Repressionen begleiten Parlamentswahl in Algerien: Kritiker werfen dem algerischen Regime vor, sich durch die Parlamentswahlen eine falsche Legitimität verschaffen zu wollen. Mit einem Massen-Boykott der Wahlen möchten die Hirak-Protestbewegung und Oppositionspolitiker diese Strategie durchkreuzen. Zwei Jahre sind in Algerien vergangen, seitdem der Langzeit-Machthaber, Ex-Präsident Abd al-Aziz Bouteflika durch wochenlange Proteste im April 2019 zum Rücktritt gezwungen wurde. Seitdem hat sich nicht viel verändert. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International gab bekannt, dass kurz vor der Wahl Oppositionelle und Journalisten verhaftet worden seien. Anfang des Jahres waren wieder zahlreiche Demonstranten der sog Hirak-Protestbewegung auf die Straße gegangen, nachdem ihr Protest aufgrund der Corona-Pandemie monatelang nur digital stattfinden konnte. Je näher der Wahltermin gerückt sei, desto härter habe das Regime durchgegriffen, beschrieb Journalist Drareni vor seiner Verhaftung.
deutschlandfunk.de

Macron kündigt Ende des französischen Militäreinsatzes in der Sahel-Zone an: Nach dem Putsch in Mali hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron das Ende des französischen Militäreinsatzes in der Sahelzone in seiner bisherigen Form angekündigt. Die Mission „Barkhane“ solle durch eine internationale Allianz gegen Islamisten abgelöst werden, sagte Macron am Donnerstag in Paris im Vorfeld der Gipfeltreffen der G-7- und der Nato-Staaten. Der Präsident kündigte die Schließung französischer Militärbasen in der Sahelzone an, einen konkreten Zeitplan für den französischen Teilabzug nannte er nicht. Künftig werde Frankreichs Fokus darauf liegen, in Kooperation mit anderen europäischen Ländern Spezialeinheiten zu entsenden. Nach dem jüngsten Militärputsch hatte Frankreich seine gemeinsamen militärischen Einsätze mit Mali zeitweise ausgesetzt und so den Druck auf den Krisenstaat verstärkt. Macron machte nun deutlich, dass die Zusicherungen aus Mali nicht ausreichten, um die gemeinsamen Einsätze mit Mali jetzt schon wieder aufzunehmen. Die internationale Gemeinschaft dringt darauf, dass Anfang 2022 eine demokratisch gewählte, zivile Regierung die Macht in Mali übernimmt.
welt.de

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Mit Schwung aus der Pandemie – Tipps und Tricks für den Onlinehandel: Die Corona-Pandemie sorgte für einen beispiellosen Boom beim Onlinehandel. Mittlerweile hat auch die kleine Boutique von nebenan den E-Commerce für sich entdeckt. Doch gerade wenn aus der vermeintlichen Notlösung plötzlich ein nachhaltiges Geschäftsmodell wird, ist professionelle Beratung unumgänglich. Welche steuerlichen Fallstricke es zu umgehen gilt, was sich durch die EU-weite Umsatzsteuerreform im Sommer für Onlinehändler verändert und was es mit dem One-Stop-Shop-System auf sich hat, darüber haben wir mit Nadja Müller und Saravanan Sundaram von fynax, dem Steuerfachberater für E-Commerce bei der ETL, gesprochen. youtube.com

Politisches Klima in Sambia vor Wahlen angeheizt: Sambia, eigentlich eines der stabilsten Länder Afrikas, steht am Rande des Chaos kurz vor den Wahlen am 12. August. Auslöser der Eskalation ist das Wahlkampfverbot, das Präsident Edgar Lungu am Mittwoch vergangener Woche wegen der Covid-19-Pandemie verhängte. Oppositionsführer Hakainde Hichilema von der UPND (United Party for National Development) nannte das eine „Mickey-Maus-Entscheidung“ und warf Lungu vor, seine Gegner am Kontakt mit der Öffentlichkeit hindern zu wollen. Am Sonntag organisierte die Opposition trotz Versammlungsverbot eine Kundgebung im Rahmen eines Gottesdienstes in Sambias zweitgrößter Stadt Chingola. Als Hichilemas Autokonvoi ankam, setzte die Polizei Tränengas ein und eröffnete das Feuer mit scharfer Munition. Das sei ein „klarer Mordversuch“ auf Anweisung des Präsidenten gewesen, sagte daraufhin UPND-Allianzvorsitzender Charles Milupi und warnte, die Opposition werde sich so etwas nicht länger bieten lassen. Dass beide großen Parteien nun direkt an Sambias 18 Millionen Einwohner appellieren, gegen den Gegner in Aktion zu treten, ist ein schlechtes Zeichen. Berichten zufolge erwägt die Regierung inzwischen, die Wahl zu verschieben. Derweil hat die Polizei Fahrzeugkontrollen intensiviert, um die Verbreitung von Schusswaffen in Vorbereitung auf mögliche Unruhen zu stoppen.
taz.de

Marokko: Prozess gegen Journalisten erneut verschoben: Seit mehr als einem Jahr sitzt Soulaiman Raissouni in Marokko im Gefängnis. Das Verfahren gegen den regimekritischen Journalisten im Hungerstreik wurde jetzt erneut vertagt. Sein Zustand ist lebensbedrohlich schlecht. Nachdem seine Forderung auf vorzeitige Entlassung im April verweigert wurde, trat er in einen Hungerstreik, der nunmehr seit 64 Tagen andauert. Nach Angaben seiner Anwälte in einem lebensgefährlich schlechten Gesundheitszustand. „Ihr könnt mich aus dem Gefängnis freilassen, aber ich allein entscheide, ob ich im Gefängnis sterbe“, sagte Raissouni. Souad Brahma, einer seiner Anwälte, forderte die sofortige Einweisung seines Mandanten in ein Krankenhaus. Soulaiman Raissouni war Chefredakteur der letzten unabhängigen Tageszeitung in Marokko, Akhbar al-Youm. Im Mai 2020 wurde er wegen angeblicher Körperverletzung festgenommen. Er hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Menschenrechtler bewerteten seine Festnahme als politisch motiviert. Es kam zu Solidaritätskundgebungen innerhalb und außerhalb Marokkos.
dw.com

Gescheitertes Agrarprojekt-Falsches Versprechen für Afrikas Bauern: Über eine Milliarde Dollar sammelten die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung und die Rockefeller-Stiftung bisher für ihre Agrarallianz AGRA (Allianz für eine grüne Revolution in Afrika) ein, die vor 15 Jahren gegründet wurde. Bis 2020 wollte man die Erträge und die Einkommen von 30 Millionen kleinbäuerlichen Haushalten verdoppeln, so sollten der Hunger und die Armut in 20 afrikanischen Ländern halbiert werden. Gemessen an dem großen Versprechen sind die Erfolge dürftig: Um gerade mal 77 Dollar stieg das Einkommen der von AGRA geförderten Maisbauern in Tansania jährlich, in Ghana waren es nur 36 Dollar. Die Zahlen stammen von AGRA selbst. Länger hatte sich die Organisation geziert, sie zu veröffentlichen. Nachdem verschiedene NGOs Druck gemacht hatten und in den USA bereits ein Auskunftsgesuch nach dem »Freedom of Information Act« lief, veröffentlichte AGRA die Evaluierungen vor wenigen Monaten auf ihrer Website. Kritiker fällen darüber ein vernichtendes Urteil, das westliche Modell der industrialisierten Landwirtschaft mit ihren Kollateralschäden für Böden, Tiere und das Klima auf Afrika zu übertragen, sei ein Irrweg. Stig Tanzmann, Landwirtschaftsexperte von Brot für die Welt, kritisiert zudem den politischen Einfluss, den AGRA auf Düngemittel- und Saatgutgesetzgebungen in den Partnerländern nehme.
spiegel.de

Präsident Buhari: Regierungskritische Proteste in Nigeria zeit.de
Dem. Republik Kongo verschiebt Lumumba Tribute aufgrund steigender Covid-Fallzahlen africanews.com
Ghana: Menschen pflanzen Millionen von Bäumen an einem Tag deutschlandfunknova.de
Massensterben bei Menschenaffen in Afrika befürchtet faz.net

– BACKGROUND –

„Addis Powerhouse“-Digitalmagazin will weiter für Frauenrechte kämpfen: Mit Themen wie Abtreibung und Prostitution will das Digitalmagazin „Addis Powerhouse“ in Äthiopien Tabus brechen. Auch aktuelle politische Themen zur bevorstehenden Parlamentswahl werden offen thematisiert. Ein „Powerhouse“, ein Kraftwerk solle das Angebot sein, wo Frauen Energie tanken könnten, so Hannah Lemma, Mitgründerin und Herausgeberin, „addis“ ist nicht nur die Kurzform für die Hauptstadt Addis-Abeba, sondern bedeutet auf Amharisch „neu“. Und tatsächlich ist das monatlich erscheinende Digitalmagazin etwas Neues in Äthiopien. Auch nach den von Ministerpräsident Abiy Ahmed 2018 angestoßenen Reformen bleibt Äthiopien eine stark patriarchal strukturierte Gesellschaft-mit eng definierten Geschlechterrollen. „Addis Powerhouse“ wird von sechs Frauen seit 15 Monaten in ihrer Freizeit betrieben, die Frauenrechte weiter vorantreiben wollen. Mit Ausnahme eines Artikels auf Amharisch sind alle Beiträge auf Englisch verfasst. Dies soll sich bald ändern. „Für die Zukunft planen wir, inklusiver zu sein und unseren Fokus mehr auf amharische Inhalte zu richten“, sagt Hannah Lemmah, Mitgründerin und Herausgeberin. Diskutiert wird bei Addis Powerhouse auch über die weithin berichteten Vergewaltigungen von Frauen in Tigray. Der äthiopischen Regierung wird vorgeworfen, in der Konfliktregion im Norden Äthiopiens sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe zu benutzen. In ihrer Mai-Ausgabe machte das Magazin nun auf das Thema aufmerksam. Auch wollen sie allen Religionsgruppen die Möglichkeit bieten, sich untereinander auszutauschen. Es gebe viel Redebedarf, um frauenspezifische Probleme zu besprechen und so einen Wandel anzuregen.
dw.com

Afrikanisches Theater setzt auf eigene Tradition: Schauspieler und Regisseure in Togo vermischen Einflüsse der ehemaligen Kolonialmacht Deutschlands und ihre eigene Tradition, um Theater zu machen. Die Theatermacher, die mit minimalem Budget auskommen müssen, bewegen sich zwischen zwei Bezugssystemen: Der traditionellen togolesischen Kultur und der europäischen Dramatik. In der Schule lernten sie William Shakespeare und Jean Racine kennen. Deutsche Missionare hatten überdies die Werke Johann Wolfgang Goethes oder Friedrich Schillers in die in Togo verwendeten Sprachen übersetzt. Durch Dichter und Denker der einstigen Kolonialmacht angeregt, idealisierten Theatermacher wie Ramses die deutsche Kultur. Sie suchen hier nach Anknüpfungspunkten für die Theaterarbeit in ihrer Gegenwart. In Togo lebt das Theater von der Hand in den Mund. Folglich arbeiten die Spieler als Nachtwächter oder Lehrer, als Putzfrauen oder Kindermädchen. Die prekären Bedingungen haben junge Dramatiker in den letzten Jahren aber nicht vom Schreiben aktueller Stücke abgehalten. Theater muss auch in Afrika aus lokalem Interesse und Engagement hervorgehen. Es braucht afrikanische Initiatoren und angepasste Infrastrukturen. Zu oft aber ist die soziale Situation aussichtslos, so dass an ein Theater nicht gedacht werden kann und eigene Begabungen und Talente ungenutzt bleiben. In keinem Land der Subsahara wird Theater von Regierungen oder staatlichen Stellen finanziert. Das Budget des Kulturministeriums reicht in der Regel gerade für die Bezahlung des eigenen Beamtenapparates. Wenn Ramses Alfa sagt, die Arbeiter des 21. Jahrhunderts fänden sich unter den Schwarzafrikanern, knüpft er an die Tradition von Frantz Fanon an, um die „Verdammten dieser Erde“ auf die Weltbühne zu bringen und der Welt zu zeigen: Es ist an der Zeit, dass wir unser eigenes afrikanisches Theater machen und euch den Spiegel vorhalten.
nzz.ch

– ANGEZÄHLT –

5000 illegal produzierte Waffen in Kenia verbrannt.
africanews.com

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Wie gestalten die mächtigen Frauen die Welt?
Auf female-leader.net gibt es mehr als Klischees.

– ZITAT –

„Mehr Länder sollten Twitter und Facebook verbannen, weil sie keine freie und offene Meinungsäußerung zulassen-alle Stimmen sollten gehört werden. Vielleicht hätte ich es auch tun sollen, als ich Präsident war.“
Ex US-Spräsident Donald Trump zur Twitter-Sperre in Nigeria.
n-tv.de

– ZULETZT –

Südafrikanische Frau bringt Zehnlinge zur Welt: Ein südafrikanischer Beamter bestätigte gegenüber BBC die Geburten, ein anderer sagte jedoch, dass sie die Babys noch nicht gesehen hätten. „Es sind sieben Jungen und drei Mädchen. Ich bin glücklich. Ich bin emotional. Ich kann nicht viel reden“, sagt Gosiame Thamara Sithole’s Ehemann nach der Geburt Pretoria News. Die Frau soll bei guter Gesundheit sein, nachdem sie am Montagabend in Pretoria per Kaiserschnitt entbunden hatte
oe24.at

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