KW 46: Friedensgespräche für Libyen starten, Bürgerkrieg in Äthiopien droht, Bundesregierung genehmigt Kriegsschiffe an Ägypten

– NEWS –

Friedensgespräche für Libyen starten: In der tunesischen Hauptstadt Tunis haben am Montag die Gespräche über einen dauerhaften Friedensprozess für das Bürgerkriegsland Libyen begonnen. Die Gespräche zwischen der international anerkannten Regierung in Tripolis und dem abtrünnigen General Khalifa Haftar finden unter der Regie der Vereinten Nationen statt. Bereits vor drei Wochen hatten Militärs der libyschen Konfliktparteien ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet, nun soll über Wahlen verhandelt werden. Allerdings gibt es erhebliche Zweifel, ob der Friedensprozess nachhaltig gestaltet werden kann. Nicht nur der Zugriff auf die Ölressourcen des Landes ist umstritten, auch die Loyalität der innerlibyschen Milizen zu ihren jeweiligen Befehlshabern ist wechselhaft. Dazu kommen tausende ausländische Söldner, die für handfeste Interessen der internationalen Interventionsparteien wie der Türkei, aber auch Russland und Ägypten kämpfen.
faz.net

Bürgerkrieg in Äthiopien droht: Im ostafrikanischen Äthiopien droht weiter ein handfester Bürgerkrieg. Äthiopiens Ministerpräsident Abiy setzt bislang auf Härte gegen die aufständische Regionalregierung der “Volksbefreiungsfront” TPLF in der Provinz Tigray. Seit der vergangenen Woche lässt die Zentralregierung Luftangriffe auf vermeintliche Militärstandorte der Aufständischen fliegen. Diese befürchten einen Einmarsch der Armee in die Provinz. Vermittlungsangebote der Afrikanischen Union ignorierte Abi bislang.
deutschlandfunk.de

Bundesregierung genehmigt Kriegsschiffe an Ägypten: Die Bundesregierung hat die Ausfuhr von neun Patrouillenbooten und einem Küstenschutzboot an Ägypten genehmigt. Die von der Lürssen-Gruppe in der Peene-Werft in Wolgast hergestellten Boote sollen ursprünglich für Saudi-Arabien bestimmt gewesen sein, obwohl die Golfmonarchie seit Jahren eine verhängnisvolle Seeblockade über den Jemen verhängt. Seit zwei Jahren herrscht ein Ausfuhrverbot nach Saudi-Arabien, weshalb die Lürssen-Boote nun an Ägyptens Marine geliefert werden. Gegen das Geschäft hagelte es Kritik von der Opposition. Auch Ägypten ist aktiv am Jemen-Krieg beteiligt und nach wie vor in den libyschen Bürgerkrieg verstrickt.
butenunbinnen.de

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Verringertes Wachstum des Berggorilla-Bestandes in Ostafrika: Wissenschaftler des Dian Fossey Gorilla Fund und der University of California haben in einer Studie Alarm geschlagen. Bei einer Studie zur Entwicklung einer Berggorilla-Population im Virunga-Massiv an der Grenze von Ruanda, Uganda und dem Kongo sei aufgefallen, dass sich zwar die Population der Gorillas seit 40 Jahren vergrößert, ihr Lebensraum jedoch nicht. Durch die Enge komme es häufiger zu gewalttätigem Kontakt der Populationen und somit zu einem verringerten Wachstum des Bestandes insgesamt. Livia Wittinger, Referentin des WWF für Afrika und das Kongobecken plädiert angesichts dessen für eine Ausweitung des Schutzgebietes. Dieses wird aber landwirtschaftlich genutzt.
t-online.de

UN verurteilen Angriffe auf Schulen in Kamerun: Die Vereinten Nationen (UN) haben mehrere Angriffe bewaffneter Gruppen auf Bildungseinrichtungen und -personal in Kamerun verurteilt. In der vergangenen Woche griffen bewaffnete Männer am Dienstag eine Grundschule in Kumbo in der Region Nordwest an und entführten elf Lehrer. Am Tag darauf erfolgte ein Angriff auf eine Schule in Limbe in der Region Südwest. Auch im Oktober kam es zu schweren Angriffen, bei denen acht Kinder einer Schule in Kumba in Südwest getötet und 15 Schüler in Bamenda in Nordwest entführt wurden. Kameruns Kommunikationsminister René Sadi machte Separatisten in den Regionen für die Bluttaten verantwortlich. Dort kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen der frankophonen Mehrheit und der englischsprachigen Minderheit. Letztere hatte 2016 angekündigt, sich abspalten und einen Staat gründen zu wollen.
greenpeace-magazin.de

Umstrittener Präsident Ouattara gewinnt Wahl in Elfenbeinküste: In der Elfenbeinküste tritt Alassane Ouattara seine dritte Amtszeit als Präsident des Landes an. Nach offiziellen Angaben erzielte der 78-Jährige ein überwältigendes Ergebnis von 94,27 Prozent der Stimmen. Seine Herausforderer Henri Konan Bédié und Pascal Affi N’Guessan erhielten demnach nur 1,66 Prozent und 0,99 Prozent. Aussichtsreichere Kandidaten wurden nicht zur Wahl zugelassen. Anders als das Ergebnis vermittelt gilt Ouattara in der Bevölkerung als umstritten. Bereits im Vorfeld kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, bei denen Human Rights Watch zufolge mehr als 20 Menschen durch politische Gewalt oder Gewalt zwischen Bevölkerungsgruppen ums Leben kamen. Kritik entzündet sich an der Frage, ob die Verfassung Outtara eine dritte Amtszeit überhaupt erlaubt.
spiegel.de

Wie ein Corona-Impfstoff nach Afrika kommen soll background.tagesspiegel.de
Sesam: Exportschlager aus dem “Failed-State” Somalia dw.com
460 politische Gefangene in Ägypten freigelassen rnd.de
Südafrika leidet unter den sozialen Folgen der Corona-Pandemie neues-deutschland.de

– BACKGROUND –

Corona: Afrika hat aus früheren Epidemien gelernt: Während Europa und Amerika noch oder wieder unter enormen Corona-Infektionszahlen leiden, ist Afrika bislang vergleichsweise glimpflich durch die Pandemie gekommen. Die vielen düsteren Prognosen über die Pandemiefolgen für den Kontinent sind bislang nicht eingetreten. Als Grund wird vielfach die enorme Dunkelziffer genannt, die durch unzureichende Testkapazitäten die echte Verbreitung des Virus verschleiere. In der Forschung existieren aber auch alternative Erklärungen: So könnte es sein, dass viele Menschen in Afrika besser mit dem SARS-CoV-2 Virus zurechtkommen könnten, da Wurmerkrankungen ihr Immunsystem dämpfen und überschießende Immunreaktionen daher seltener sind. Auch Erfahrungen durch vergangene Epidemien könnten nun von Vorteil sein. Marcus Bachmann von “Ärzte ohne Grenzen” geht davon aus, dass vergangene Katastrophen die afrikanischen Länder darauf vorbereitet hätten, rasch zu handeln und nicht abzuwarten.
science.orf.at

Terrorangriff in Nizza hat Verbindungen nach Tunesien: Der Terrorangriff in der Basilika von Nizza, der drei Todesopfer forderte, hat Verbindungen ins nordafrikanische Tunesien. Beim Täter handelt sich um den 1999 in Sfax geborenen Tunesier Brahim A., über dessen Hintergrund tunesische Medien in der vergangenen Woche ausführlich berichteten. So berichtete die französischsprachige tunesische Wochenzeitung Réalités, Brahim A. komme aus einfachen Verhältnissen, einer Familie mit elf Kindern in einem ärmeren Vorort von Sfax. Bereits im Alter von 11 Jahren habe er an ­einer Versammlung der salafistisch-jihadistischen Gruppe Ansar al-Sharia teilgenommen, die mittlerweile Teil des Terrornetzwerkes Al-Kaida ist. Zur Tat in Nizza bekannt habe sich aber eine auf tunesischem Staatsgebiet aktive kleinere jihadistische Gruppierung namens “al-Mahdi”.
jungle.world

Dröhnendes Schweigen der EU zu Westafrikas neuen Krisen: Tote bei Protesten gegen Polizeigewalt in Nigeria, dazu umstrittene Wahlen in der Elfenbeinküste und Guinea – und die EU? Die hält sich derzeit merklich zurück bei der Bewertung der neuen potenziellen Krisenherde Westafrikas. Zur Wahl in der Elfenbeinküste heißt es lediglich, man nehme die Ergebnisse zur Kenntnis: Dazu Appelle an alle Beteiligten, die Lage zu beruhigen und den Dialog wieder aufzunehmen. Beobachter sehen darin eine Strategie, die darauf setzt, das lokale und regionale Kräfte eigenständig zu Problemlösungen gelangen. Ist das öffentliche Schweigen der EU-Institutionen also als strikte Nichteinmischung in innenafrikanische Angelegenheiten zu interpretieren? Thilo Schöne, Landesvertreter der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in der Elfenbeinküste, widerspricht dem Eindruck. Hinter den Kulissen gehöre die EU zu den entscheidenden Akteuren.
dw.com

– ANGEZÄHLT –

Laut einer Prognose der Weltbank wird Afrikas Wirtschaft in diesem jähr um 3,3 Prozent schrumpfen – zum ersten Mal seit 25 Jahren.
rnz.de

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Ihre Botschaft gut hörbar: Podcasts führen Ihren Siegeszug fort und bieten für Unternehmen, Medienhäuser und Privatpersonen eine neue Bandbreite an Möglichkeiten Menschen zu erreichen. In unserem Podcast-Studio in Berlin-Mitte können Sie Ihre eigenen Audio-Formate aufzeichnen. Gerne unterstützen wir Sie von der Konzeption bis zur Postproduktion und dem Vertrieb. Kommen wir in Kontakt: podcastproduktion.berlin

– ZITAT –

“Vor allem die Privatisierung der Minen hatte schreckliche Auswirkungen, und viele Familien haben sich bis heute nicht davon erholt”
Womba Nkanza, Mitglied des Sekretariats der Socialist Party Zambia, im Interview mit der Tageszeitung Junge Welt über die anhaltenden Folgen der großen Privatisierungswelle in Sambia vor rund 20 Jahren.
jungewelt.de

– ZULETZT –

Ghanaischer Film “African Kung-Fu Nazis” sorgt für Kopfschütteln: Seit letzter Woche können Cineasten den Film “African Kung-Fu Nazis” bei Amazon Prime, iTunes und Google Video als Video-on-Demand und Blu-Ray schauen. Das Machwerk stammt vom deutschen Low-Budget-Regisseur Sebastian Stein, produziert wurde er in Ghana. Inhaltlich verspricht der Titel nicht zu viel und nicht zu wenig: Im Plot flieht Hitler nach dem Zweiten Weltkrieg samt japanischer Verbündeter nach Ghana und baut dort eine Armee aus gehirngewaschenen Ghanaern auf. Gekämpft wird im Kung-Fu-Stil. Das Ganze ist als Satire gedacht und auch handwerklich deutlich als Low-Budget-Streifen erkennbar. Ob die Welt den Film wirklich gebraucht hätte, steht auf einem anderen Blatt.
zeit.de

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