KW 42: Kamerun: Kamto erklärt sich zum Sieger, Ruandische Außenministerin wird Chefin der Internationalen Organisation der Frankophonie, Gerda-Henkel-Preis für Achille Mbembe

– NEWS –

Kamerun: Kamto erklärt sich zum Sieger: Noch vor der Veröffentlichung der offiziellen Wahlergebnisse hat sich der Oppositionspolitiker Maurice Kamto zum Sieger der Präsidentschaftswahl vom 07. Oktober in Kamerun erklärt. Er habe ein klares Mandat. Staatschef Paul Biya, der bereits seit 36 Jahren regiert, galt allerdings als klarer Favorit. „Ich wurde ausgewählt, um einen Elfmeter zu schießen, ich schoss und ich traf“, sagte Kamto bei einer Pressekonferenz. Es hätte zahlreiche Fälle von Wahlbetrug gegeben. Mit der aktuellen Regierung will er dennoch zusammenarbeiten. „Meine Arme bleiben ausgebreitet, damit wir uns gemeinsam für die nationale Wiedergeburt einsetzen.“ Klares Zahlenmaterial für seinen Sieg konnte Kamto allerdings nicht vorlegen. Das offizielle Wahlergebnis wird spätestens in einer Woche vom Verfassungsrat verkündet, in dem Vertraute Biyas sitzen.
derstandard.at

Ruandische Außenministerin wird Chefin der Internationalen Organisation der Frankophonie: Louise Mushi­kiwabo, Außenministerin aus Ruanda, wird Generalsekretärin der Internationalen Organisation der Frankophonie (OIF). Das ist vor allem deswegen kurios, weil das Land Französisch als Amtssprache gerade erst abgeschafft hat. Vor allem die Unterstützung durch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sicherte ihr den Sieg. Kanada hatte zuvor ihre Unterstützung für Amtsinhaberin Michaëlle Jean aus Québec zurückgezogen. Die 27 afrikanischen Staaten, der 54 Länder fassenden Vereinigung standen ohnehin hinter Mushi­kiwabo. Für Ruanda, das bereits die Afrikanische Union führt, ist die Übernahme der OIF ein weiterer diplomatischer Triumph – vor allem im Streit mit Frankreich, um dessen Verantwortung beim Völkermord von 1994.
taz.de

Gerda-Henkel-Preis für Achille Mbembe: Der in Johannesburg lehrende und in Kamerun geborene Historiker und Politikwissenschaftler Achille Mbembe hat den Gerda-Henkel-Preis entgegengenommen. die Auszeichnung zählt zu den wichtigsten Preisen für historische Geisteswissenschaften überhaupt. In seiner Preisrede sprach Mbembe über die Restitution afrikanischer Artefakte. „Restitution ist nicht Willkür und Güte. Restitution ist Verpflichtung“, sprach er über das Ausmaß ihres Verlustes. Jede authentische Restitutionspolitik sei „untrennbar mit einer Wahrheitsfähigkeit verbunden, wobei Respekt vor der Wahrheit und Wiederherstellung der Welt eben dadurch zum unumgänglichen Fundament einer neuen Verbindung und einer neuen Beziehung“ würden. Spätestens seit den frühen 2000er-Jahren gehört Achille Mbembe zu den wichtigsten Denkern des afrikanischen Kontinents. Vor allem Bücher wie „Kritik der schwarzen Vernunft“ (2013) und „Ausgang aus der langen Nacht“ (2016) machten ihn einer breiten Öffentlichkeit bekannt.
dw.com

Südafrikas Finanzminister Nene tritt zurück: Südafrikas Finanzminister Nhlanhla Nene ist zurückgetreten. Präsident Cyril Ramaphosa akzeptierte nach einem Tag Bedenken letzten Dienstag dessen Gesuch. „Er hat angeboten, zurückzutreten, obwohl er nichts Falsches getan hat. Das ist ein Ausdruck seines Charakters und seiner Verpflichtung unserem Land gegenüber“, lobte Ramaphosa den Schritt. Hintergrund des Rücktritts ist ein Korruptionsskandal. Vor einer Untersuchungskommission hatte Nene zugegeben, die umstrittene Unternehmerfamilie Gupta zwischen 2009 und 2014 sechsmal in ihrem Haus in Johannesburg getroffen zu haben. Zunächst hatte Nene das aber abgestritten.
dw.com

Südafrika: ehemaliger Außenminister Pik Botha ist tot derstandard.at
Angola schiebt mehr als 180.000 Kongolesen ab dw.com
Engagement in Libyen und Algerien: Putin umwirbt den Maghreb nzz.ch

– BACKGROUND –

Welthunger-Index 2018: Die Deutsche Welthungerhilfe hat an diesem Donnerstag den Welthunger-Index (WHI) für 2018 vorgestellt, der WHI weist für 51 Länder eine „ernste“ oder „sehr ernste“ Lage aus. Für die Zentralafrikanische Republik gilt sogar die Einschätzung „gravierende Hungersituation“. Der Bericht 2018 stellt den Zusammenhang zwischen Hunger, Flucht und Vertreibung ins Zentrum der Analyse. Etwa 124 Millionen Menschen weltweit leiden laut Welthungerhilfe unter akutem Hunger. Das sei ein deutlicher Anstieg gegenüber den 80 Millionen Hungernden vor zwei Jahren. Besonders besorgniserregend ist die Lage in Südasien und in Afrika südlich der Sahara. In beiden Regionen gilt die Lage laut WHI als „ernst“. Als „unannehmbar hoch“ stuft der WHI dort die Werte für Unterernährung und Wachstumsverzögerung ein, wobei starke Wachstumsverzögerung und Auszehrung vor allem für Südasien gelte, hohe Unterernährung und Kindersterblichkeit stärker Afrika südlich der Sahara beträfen. Als sehr ernst wird die Lage im Tschad, in Haiti, Madagaskar, Sierra Leone, im Jemen und in Sambia eingestuft.
tagesspiegel.de

Erst „Bring back our girls“, jetzt Präsidentin?: Oby Ezekwesili ist vor allem dafür bekannt, im April 2014 zusammen mit einer Reihe anderer Aktivistinnen die Kampagne #BringBackOurGirls (#BBOG) ins Leben gerufen zu haben. Jeden Tag trafen sie sich um 16 Uhr am Brunnen der Einheit und forderten die unverzügliche Befreiung der 276 Mädchen von Chibok, die von der Terrorgruppe Boko Haram entführt worden waren – die Bewegung gibt es bis heute. Nigerias Mächtige, ob unter Goodluck Jonathan oder Nachfolger Muhammadu Buhari gefielen die Proteste weniger und immer wieder war Ezekwesili selbst Repressalien ausgesetzt. Gebracht hat es wenig, Ezekwesili erlangte internationale Berühmtheit und war sogar für den Friedensnobelpreis im Gespräch. Und Ezekwesili will nicht aufhören, Stachel im Fleische der Mächtigen zu sein, denn jetzt will sie bei den Wahlen im Februar 2019 als Präsidentin kandidieren, als Kämpferin gegen Korruption und für Menschenrechte – Nigerias Sektion von Amnesty International hat sie mit gegründet. Ihre Chancen sind allerdings gering, denn sie kandidiert für keine der großen Parteien, die Nigerias Politik unter sich aufteilen.
taz.de

– ANGEZÄHLT –

62.700 Beschwerden wegen Folter und politischer Gewalt sind innerhalb von vier Jahren bei der tunesischen Wahrheitskommission eingegangen.
derstandard.at

– ZITAT –

„Tunesien ist eine Pflanze der Hoffnung, nicht nur in der arabischen Welt, auch auf dem afrikanischen Kontinent. Wenn die Demokratiedividende in Form von Arbeit und Zukunftsperspektiven nicht eintritt, kann es einen Rückfall in autoritäre Strukturen geben.“
Bundesentwicklungsminister Müller (CSU) fordert in Tunesien eine Öffnung Europas zum Maghreb.
taz.de

– ZULETZT –

Der große Bankraub: Die südafrikanische Genossenschaftsbank VBS ist von einer Gruppe ihrer Mitarbeiter um 112 Millionen Euro erleichtert worden. Dies geht aus einem Untersuchungsbericht der südafrikanischen Zentralbank mit dem Titel „Der große Bankraub“ hervor. So hatten insgesamt 53 leitende Angestellte, darunter auch der Finanzchef und Aufsichtsratsmitglieder, Zahlungen ohne eine Gegenleistung kassiert. Auch unter dem Gesichtspunkt, dass die Bank in ihrem letzten Geschäftsbericht nur 87 Beschäftigte aufwies, eine bemerkenswerte Leistung.
spiegel.de

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