KW 38: Merkel und Kurz wollen mehr Kooperation mit Afrika, Kagame begnadigt Victoire Ingabire, Sudans Präsident Bashir löst Regierung auf

– NEWS –

Merkel und Kurz wollen mehr Kooperation mit Afrika: Österreich und Deutschland wollen ihre Afrika-Aktivitäten besser koordinieren. Österreichs Kanzler Kurz will im Rahmen der EU-Präsidentschaft im Dezember zu einem Afrika-Gipfel einladen, bereits im Oktober will Deutschland einen Afrika-Gipfel in Berlin abhalten. Dabei soll weniger die Migration, als die wirtschaftliche Zusammenarbeit im Zentrum stehen. Bezüglich der Grenzschutzagentur Frontex sei das Ziel, so zu arbeiten, dass Boote mit Flüchtlingen und Migranten gar nicht erst ablegen würden.
dw.com

Kagame begnadigt Victoire Ingabire: In Ruanda ist Oppositionsführerin Victoire Ingabire zusammen mit weiteren rund 2.000 Häftlingen überraschend per Gnadenerlass aus der Haft entlassen worden. „Das ist der Anfang der Öffnung des politischen Raums in Ruanda, wie ich hoffe“, so die Hutu-Politikerin. Ingabire wurde im Jahr 2012 wegen „Genozid-Ideologie“ und „Spaltung“ verurteilt. Sie hatte öffentlich die Regierungsversion zum Völkermord von 1994 angezweifelt. Präsident Paul Kagame folgt damit einem Urteil des Afrikanischen Gerichtshof aus dem November 2017, dass Ruanda Ingabires Recht auf freie Meinungsäußerung und eine ordnungsgemäße Verteidigung vor Gericht verletzt habe.
derstandard.at, taz.de

Sudans Präsident Bashir löst Regierung auf: Der sudanesische Präsident Omar Hassan al-Bashir hat in einer Fernsehansprache die Auflösung der Regierung bekannt gegeben. Er begründet den Schritt mit der anhaltenden Wirtschaftskrise. Ziel sei die Wiedererlangung wirtschaftlicher Stabilität und eine Verbesserung des Umfelds für Investitionen aus dem Ausland. Außerdem soll die Zahl der Ministerien aus Spargründen von 31 auf 21 verringert werden. Muatas Musa wird als neuer Regierungschef ernannt wie die Regierungspartei am späten Sonntag in einer Krisensitzung entschieden hat. Dem Sudan sind nach der Unabhängigkeit des Südens im Jahre 2011 ein Großteil der Öleinnahmen weggebrochen. US-Sanktionen zwischen 1997 und 2017 taten ihr Übriges. In dem Land herrscht eine hohe Inflation.
derstandard.at

Äthiopien und Eritrea öffnen ihre Grenze: Letzten Dienstag ist die Grenze zwischen Äthiopien und Eritrea nach 20 Jahren Konflikt und Krieg wieder geöffnet worden. Die Regierungschefs beider Länder, Abiy Ahmed und Isaias Afwerki, nahmen an der feierlichen Zeremonie teil. Ab sofort ist es für Menschen und Güter wieder möglich, die Grenze zu passieren. Nachdem sich Eritrea nach einem blutigen Bürgerkrieg 1993 von Äthiopien losgesagt hatte, kam es fünf Jahre später zu einem Grenzkrieg, bei dem zehntausende Menschen starben. Erst Anfang Juli wurde der Kriegszustand offiziell beendet, in beiden Ländern wurden Botschaften eröffnet.
dw.com

Betrug mit Börsengeschäften: Ägyptisches Gericht erlässt Haftbefehl gegen Mubaraks Söhne derstandard.at
Bonner Start-up SSC Industries will die Holzkohleproduktion in Afrika durch den Einsatz von Biomasse nachhaltiger machen biooekonomie.de
Französischer Demographieforscher: Bild einer massiven Migration aus Afrika ist falsch heise.de

– BACKGROUND –

Europas Plan für Afrika: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat bei seiner Rede zur Lage der Union „einen neuen Pakt mit Afrika“ angekündigt. So soll in der nächsten Haushaltsperiode das EU-Budget für Afrika auf 40 Milliarden Euro erhöht werden. Privaten Investoren sollen mit Risikogarantien Investitionen leichter gemacht werden. Auch sollen die Investitionsbanken der EU-Mitglieder und der Europäischen Investitionsbank (EIB) eingebunden werden. So stellt die EIB bis 2020 sechs Milliarden Euro zur Verfügung, die Investitionen in Höhe von 35 Milliarden Euro auslösen sollen. In den nächsten fünf Jahren will die sogenannte Allianz für Afrika zehn Millionen Jobs schaffen, 750.000 Menschen sollen eine Berufsausbildung erhalten, über 100.000 Studenten vom Austauschprogramm Erasmus profitieren.
dw.com

Mehr deutsches Engagement gefordert: Deutsche Unternehmen investieren nach Ansicht der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft DEG noch immer zu zögerlich in Afrika. „Wir können deutsche Unternehmen nur begleiten, wenn sie die Entscheidung treffen, in einem Entwicklungsland zu investieren“, sagte Christiane Laibach, seit Juli Sprecherin der Geschäftsführung bei der hundertprozentigen Kfw-Tochter. „Die deutschen Firmen sind im Export in andere EU-Staaten oder nach China recht gut aufgestellt. Der Druck, auch in Afrika tätig zu werden, ist für sie nicht groß genug.“ Der Kontinent biete große Chancen, die müsse man aufzeigen. Dabei sei auch die Politik gefragt. Außerdem müsse sich bei der Besteuerung etwas tun. „Von mehr als 50 afrikanischen Ländern hat Deutschland gerade mal mit 13 Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen“, sagte Laibach. Investiert eine deutsche Firma in einem afrikanischen Land, wird sie deshalb sowohl dort wie hierzulande besteuert.
tagesspiegel.de

– ANGEZÄHLT –

Nur ein Viertel der Menschen in Afrika trinken Alkohol – oft wegen einem muslimischen Hintergrund. Für internationale Alkoholkonzerne gilt Afrika deswegen als Markt der Zukunft – vor allem seitdem in Europa und den USA der Absatz stagniert.
deutschlandfunkkultur.de

– ZITAT –

„Afrika ist bis heute, neben Indien, der am wenigsten entwickelte Biermarkt weltweit. Das Glas ist sozusagen erst halb voll. Das heißt: Afrika und Indien werden langfristig immer wichtiger für Heineken.“
Heineken-Chef Jean Francois van Boxmeer gerät angesichts der Möglichkeiten auf dem afrikanischen Markt ins Schwärmen.
deutschlandfunkkultur.de

– ZULETZT –

Afrikas Schulen brauchen mehr Unterricht in lokalen Sprachen: 2.000 verschiedene Sprachen gibt es südlich der Sahara. Doch im Schulunterricht herrschen immer noch die Sprachen der Kolonialzeit vor. Oft verstehen die Schüler ihre Lehrer beim Schuleintritt nicht. „Wenn Sie eine Maßnahme suchen, um Kinder vom Lernen abzuhalten, dann haben Sie diese bereits gefunden: Durch das Unterrichten in einer Sprache, die sie in ihrem Umfeld nicht hören“, sagt die norwegische Bildungsforscherin Birgit Brock-Unte, die derzeit an der Witwatersrand-Universität in Südafrika unterrichtet.  Der „Global Education Monitoring Report 2016“ der UNESCO belegt, dass Kinder mindestens sechs Jahre in ihrer Muttersprachen unterrichtet werden sollen, sonst würden sie nur langsam oder lückenhaft lernen. Doch Veränderungen entstehen nur langsam. In Nigeria gibt es um die 500 Sprachen – doch der Unterricht findet meist auf Englisch statt. Ein Pilotprojekt versucht jetzt, die verbreitetsten Lokalsprachen Haussa, Yoruba und Igbo im Unterricht zu fördern.
dw.com

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