KW 29: Folter in Kamerun, Kongos Oppositionsführer wird Prozess gemacht, Was trägt zu unserem verzerrten Afrikabild bei?

– NEWS –

Folter in Kamerun: Der Bericht „Kameruns geheime Folterkammern“ von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) zeigt Angehörige der US-Armee auf einer Militärbasis in Kamerun, in der Mitglieder der Terrororganisation Boko Haram lange und systematisch gefoltert wurden. Durch über 140 Interviews konnten die Foltervorwürfe bekräftigt werden. Dass hohe Militärs vor Ort davon nichts wussten, scheint ausgeschlossen. Inwieweit die US-Streitkräfte Kenntnis hatten, lässt sich zum momentanen Zeitpunkt nicht sagen. AI forderte die USA, aber auch Länder wie Frankreich oder Deutschland auf, Druck auszuüben und ihre Unterstützung für den Kampf gegen die Boko Haram von der Einhaltung der Menschenrechte abhängig zu machen.
taz.de

Kongos Oppositionsführer wird Prozess gemacht: In der Demokratischen Republik Kongo wird es in diesem Jahr keine Wahlen mehr geben. Präsident Joseph Kabila bleibt im Amt, obwohl seine Amtszeit 2016 ablief. Stattdessen wird dem aussichtsreichsten Oppositionsführer der Prozess gemacht. Der 52-jährige Moise Katumbi lebt seit einem Jahr in Europa im Exil. Am Mittwoch begann im südkongolesischen Lubumbashi ein Prozess in Abwesenheit. Ihm wird eine ausländische Verschwörung vorgeworfen. Am Donnerstag gaben die Richter aber einen Antrag Katumbis statt. Das Oberste Gericht soll zuerst die Rechtmäßigkeit des Verfahrens prüfen.
taz.de

UN besorgt wegen Misshandlungen in Libyen: Die Vereinten Nationen zeigen sich besorgt wegen Hinrichtungen und Folter in Libyen. Mitglieder der Libyschen Nationalen Armee (LNA) hätten Gefangene gefoltert mindestens zehn Menschen getötet. Ein Sprecher des UN-Hochkommissars für Menschenrechte forderte Untersuchungen. Ein Video von den Misshandlungen kursiert auch im Netz. Die LNA kontrolliert unter dem Kommando des Einflussreichen Generals Khalifa Haftar weite Teile im Osten des Landes. In Libyen konkurrieren drei Regierungen um die Macht. Haftar steht der inoffiziellen Führung im Osten nahe. Die international anerkannte Übergangsregierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarraj, die im westlichen Tripolis sitzt, hatte am Samstag Neuwahlen für Präsident und Parlament für März 2018 angekündigt.
derstandard.at

NRW-Integrationsminister fordert schnellen „Marshallplan für Afrika“: Nordrhein-Westfalens Integrations- und Flüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP) hat vor einer neuen Flüchtlingsbewegung gewarnt. Die EU müsse daher den „Marshallplan für Afrika“ ganz oben auf die Prioritätenliste setzen. Wenn man jetzt nicht Milliarden investiere, werde man in zehn Jahren „regelrecht überrannt“. Außerdem forderte er eine schnellere und strengere Rückführung von straffälligen Personen aus Nordafrika.
epochtimes.de

Afrika-Cup zieht in den Sommer: Der Afrika-Cup wird reformiert. Das Exekutivkomitee des afrikanischen Fußballverbands CAF hat in Rabat, Marokko, Veränderungen beschlossen. Das Turnier wird in den Sommer verlegt und soll ähnlich wie WM- oder EM-Turniere im Juni/ Juli und nicht mehr im Januar/ Februar ausgetragen werden. Außerdem wird der Teilnehmerkreis von bislang 16 auf dann 24 Mannschaften erhöht. Die Veränderungen greifen beim Afrika-Cup 2019 in Kamerun.
kicker.de, spiegel.de

Zahlreiche Verletzte bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften im Norden Marokkos derstandard.at
Kenia verteilt Gratisbinden damit Mädchen häufiger am Schulunterricht teilnehmen können taz.de
Ugandas 72-jähriger Präsident Yoweri Museveni will das Alterslimit aufheben und bei der Wahl 2021 wieder antreten nzz.ch

– BACKGROUND –

Was trägt zu unserem verzerrten Afrikabild bei?: Journalisten, die nach Afrika reisen, suchen immer weider die gleichen Geschichten: Armut, Hunger, Gewalt, Naturkatastrophen. Der Konkurrenzkampf zwischen den einheimischen Kollegen, die als Übersetzer und Organisatoren für die ausländischen Journalisten arbeiten, ist hoch. Um den Auftrag zu bekommen und dem Markt zu gefallen, würden Geschichten aufgebauscht und manchmal auch erfunden. So ist vieles, was den Weg in unsere Zeitungen und Fernsehsender findet, passend zu unserem Bild und eine gute Story, aber oft einfach auch nicht war. Lesen Sie eine haarsträubende Schilderung von einem postkolonialem Missverständnis:
tagesspiegel.de

Blockchain und Internet der Dinge als Chance: Das Internet der intelligenten Dinge könnte eine neue Infrastruktur für ökonomische Entwicklungen in Afrika ermöglichen. Sart-up-Messen zeigen ein enormes kreatives Potential. Der afrikanische Markt ist offener für Innovation und Improvisation. Senegals Banque Regionale de Marches hat Ende 2016 für die Länder westafrikanischen Währungsunion eine eigene Kryptowährung eingeführt, den eCFA Franc. Dabei könnte die Blockchain-Technologie nach Meinung der Autoren Don und Alex Tapscott der Fixpunkt für alles sein. Kleine- und mittlere Unternehmen kommen dann auch einfacher zu Krediten. Für Ökonom Hernando de Soto eine „Revolution der Besitzrechte“.
freitag.de

Binnenflucht im Kongo: Die Zahl der Flüchtlinge in der Demokratischen Republik Kongo erreicht einen neuen Höchststand. Innerhalb eines Jahres hat sie sich auf 3,8 Millionen Binnenflüchtlinge verdoppelt. Hintergrund für die Zunahme sind bewaffnete Konflikte. In der zentralen Kasai-Region sind 1,4 Millionen Menschen auf der Flucht. Hier kämpft die Armee gegen oppositionelle Milizen. Der Zustand der Flüchtlinge ist dramatisch. Viele leiden an Hunger, haben Verletzungen durch Schusswaffen oder Machetenhiebe. Während die Zahl der Betroffenen ansteigt, werden die Hilfsmittel weniger. Für einen UN-Hilfsappell für die Demokratische Republik Kongo in Höhe von 748 Millionen US-Dollar sind bisher nur 25 Prozent der Mittel aufgetrieben. Wegen der autoritären Tendenzen der Regierung wollen internationale Geldgeber das Land derzeit nicht unterstützen.
taz.de

– ANGEZÄHLT –

Um 3,4 Prozent soll Afrikas Wirtschaft in diesem Jahr wachsen. 2018 dann sogar um 4,3 Prozent. Dennoch flohn bis Juni in diesem Jahr bereits 86.000 meist afrikanische Migranten über das Mittelmeer nach Italien. Weitere 2.200 Flüchtende starben im selben Zeitraum bei der Überfahrt.
aktiv-online.de

– ZITATE –

„In Afrika tut sich was. Selten waren die Chancen auf Fortschritte so gut wie heute. Wir laufen Gefahr, das zu übersehen! Seit der Jahrtausendwende lag das Wachstum im Schnitt dauerhaft über jenem in Europa.“
Tanja Gönner, Chefin der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), hält Afrika für ein Powerhouse und nicht für ein Pulverfass.
aktiv-online.de

Meuterei in der Elfenbeinküste: Wenige Stunden nach einer Kabinettsumbildung haben Polizisten in der ivorischen Wirtschaftsmetropole Abidjan wahllos Autofahrer angehalten und ihre Wägen beschlagnahmt. „Sie halten die Autos und Taxis an und nehmen sich die Wagen“, berichtet ein Taxifahrer. Die Männer würden ihre „Rechte“ fordern. Bei der Kabinettsumbildung wurde Hamed Bakayoko, ein Vertrauter von Staatschef Alassame Ouattara zum Verteidigungsminister ernannt. Im Vorfeld hatte er angekündigt, die Moral in der Truppe stärken und rücksichtslos gegen Meutereien vorgehen zu wollen.
derstandard.at

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