KW 28: Unruhen in Äthiopien, Uganda öffnet kurzfristige Grenzen für kongolesische Geflohene, Demonstrationen gegen türkische Intervention in Libyen

– NEWS –

Unruhen in Äthiopien: Seit dem gewaltsamen Tod des Sängers Hachalu Hundessa am 29. Juni kommt es in Äthiopien zu Unruhen und Krawallen. Bisher sind mehr als 160 Menschen gestorben. Hundessa galt als Sprachrohr der Oromo, einer der vier größten Ethnien in dem ostafrikanischen Vielvölkerstaat. Noch sind die Hintergründe seines Todes nicht aufgeklärt, aber er hat den schwelenden Konflikt zwischen den Bevölkerungsgruppen wiederentfacht. Die Lage im Land ist angespannt, in vielen Teilen des Landes wurde das Internet abgeschaltet. Regierungschef Abiy Ahmed sprach von “orchestrierten Versuchen”, Äthiopien zu destabilisieren.
zeit.de, derstandard.at

Uganda öffnet kurzfristige Grenzen für kongolesische Geflohene: Rund 45.000 Menschen wurden bei Angriffen im Osten der Demokratischen Republik Kongo allein im Monat Mai vertrieben. Die Regierung in Uganda reagierte am Mittwoch mit der temporären Öffnung zweier Grenzübergangen bis zum 3. Juli 2020, um Geflüchteten Schutz und Hilfe zu gewähren.
allafrica.com

Demonstrationen gegen türkische Intervention in Libyen: In Benghazi demonstrierten am Sonntag tausende Menschen gegen die türkischen Interventionen in Libyen. Das Land ist seit 2011 vom Bürgerkrieg geplagt. Schon im Juni wurden Berichte über mögliche Waffenlieferungen der Türkei an Libyen laut. Es ist nicht das erste Mal, dass der Türkei vorgeworfen wird, gegen das verhängte UN-Waffenembargo zu verstoßen.
africanews.com, fr.de,

Elefantensterben in Botsuana gibt Rätsel auf: Im Okavango-Delta in Botswana wurden 275 Elefantenkadaver gefunden. Viele der Tiere sind direkt an den Wasserstellen verendet, doch bisher tappen Behörden und auch Tierschützer im Dunkel, wodurch das Massensterben ausgelöst worden sein könnte. Zwar konnte Wilderei ausgeschlossen werden, aber die Tatsache, dass nur Elefanten sterben und diese augenscheinlich sehr plötzlich verenden, gibt den Tierschützern ebenso Rätsel auf wie Grund zu Besorgnis. Nun sollen Blutuntersuchungen im Labor bald Licht ins Dunkel bringen.
tagesschau.de

Afrika soll große Rolle während deutscher EU-Ratspräsidentschaft spielen neuesruhrwort.de
Staatskrise im Libanon schürt Angst vor neuem Bürgerkrieg fr.de
Milliardenschäden für Tourismusindustrie tip-online.at
Welt-AIDS-Bericht: Kampf gegen HIV stockt tagesschau.de

– BACKGROUND –

Coronavirus in Afrika weniger schlimm als befürchtet: Noch im Frühjahr waren die Sorgen groß, dass der afrikanische Kontinent vom damals neuen Corona-Virus besonders betroffen sein könnte. Doch im bisherigen Verlauf zeigt sich, dass die Infektionszahlen vergleichsweise gering sind. Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen hätten die Regierungen schnell und besonnen reagiert. Aber auch der der Lockdown im Luftverkehr ein wichtiger Faktor gewesen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Hinzu kommt, dass viele afrikanische Länder nicht im selben Maße in den internationalen Luftverkehr eingebunden sind, wie die meisten Westeuropäischen. Außerdem seien einige afrikanische Gesellschaften eher wenig räumlich mobil, bewegten sich nur in einem kleineren Radius und würden in der Folge das Virus nicht so schnell verbreiten. Trotzdem warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO davor, zu schnell von den ergriffenen Schutzmaßnahmen abzukehren.
deutschlandfunk.de

Tabak-Schwarzmarkt in Südafrika boomt: Durch das seit Beginn der Corona-Pandemie in Südafrika geltende Tabak-Verbot kommt es nun zu einem regelrechten Boom auf dem Schwarzmarkt. Das Verbot trat in Kraft, um Raucher als besondere Risikogruppe vor dem damals neuartigen Virus zu schützen. Während die Regierung hofft, die Bevölkerung so nachhaltig zu einem gesunderen Lebensstil motivieren zu können, bangt die Tabakwirtschaft um ihre Existenz, während das Geschäft mit Roiboos-Zigaretten und ähnlichem boomt.
zdf.de

Erneuter Zwischenfall in iranischer Atomanalage: Zwei Zwischenfälle innerhalb einer Woche bringen die iranische Regierung in Erklärungsnot. Am Dienstag brach in der Atomanlage in Natanz ein Feuer aus, bereits Ende Juni kam es östlich von Teheran zu einer Explosion. Hier zeigten Satellitenbilder, dass es in der Anlage Khojir, einer der größten Anlagen zur Herstellung von Raketen, eine Explosion gegeben hatte. Über die Ursache der Zwischenfälle schweigt sich die Regierung bisher aus. Experten wie der ehemalige Waffeninspektor und Präsident des Institute for Science and International Security, David Albright, schließen einen Sabotageakt nicht aus. Die Anlage in Natanz hat größte Wichtigkeit für Irans Atomprogramm. Dort wird sowohl Uran angereichert als auch Zentrifugen gebaut und getestet. Befürchtungen, der Iran könnte gegen die Verpflichtungen aus dem internationalen Atomabkommen verstoßen, werden lauter.
nzz.ch

Corona contra Gleichberechtigung: Auch hierzulande wird spürbar, dass die Corona-Pandemie gerade für Frauen mit Einschränkungen verbunden war: Homeschooling, Care-Arbeit und nebenbei noch Homeoffice, das war hier in vielen Familien wochenlang Gang und Gäbe. Ein Bericht der Vereinten Nationen mahnt, dass die Pandemie möglicherweise alle bislang erreichten Erfolge der Gleichberechtigung relativieren könnte. So habe durch Lockdowns weltweit die Anzahl der Fälle von häuslicher Gewalt zugenommen. Durch die Ausgangsbeschränkungen werden häufig Fälle von sexuellem Missbrauch oder Misshandlungen weniger sichtbar. Besonders problematisch ist die Lage für den menstruierenden Teil der Weltbevölkerung. Vielerorts ist die Periode schambehaftetes Tabuthema und selten Geld für Hygieneprodukte vorhanden. Während ihrer Regel bleiben Mädchen dann zuhause statt zur Schule zu gehen. Durch Corona hat sich der Zugang zu Menstruationsprodukten noch verschlechtert: Es gibt Lieferengpässe, Ladenschließungen, Entlassungswellen. Bei einer Umfrage von Plan International, bei der 61 Gesundheitsfachkräfte in 24 Ländern befragt wurden, erklärten 81 Prozent der Befragten, dass Frauen durch die Pandemie kaum mehr Zugang zu Hygieneprodukten hätten.
spiegel.de

– ANGEZÄHLT –

Eine Million Menschen aus der Demokratischen Republik Kongo sind laut UNO seit Anfang 2020 in die Flucht getrieben worden.
dw.com

– ZITAT –

“(…) Bilder haben Macht, sie können zu festen Annahmen werden. Wie zum Beispiel, dass ganz Afrika unterentwickelt ist. Natürlich gibt es Krankheiten und Unterernährung. Doch warum sieht man nur das? Wann sieht man zum Beispiel mal Städte? (…) Afrikanische Metropolen sind faszinierende Orte”
Autor Ekow Eshun über die Motivation zu seinem Bildband “Africa State Of Mind: Contemporary Photography Reimagines a Continent”.
nzz.ch

– ZULETZT –

Tabansi-Wiederveröffentlichung: Das britische Label BBE (Barely Breaking Even) hat eine Wiederveröffentlichung der Werke des nigerianischen Labels Tabansi angekündigt. Sechzig Alben sollen neu lizensiert werden.
taz.de

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