KW 27: EU will mit Afrika über Aufnahmezentren verhandeln, AU-Gipfel setzt auf Zusammenarbeit, VW eröffnet Werk in Kigali

– NEWS –

EU will mit Afrika über Aufnahmezentren verhandeln: Die EU will mit nordafrikanischen Staaten über die Errichtung von Aufnahmezentren außerhalb Europas verhandeln. „Das erfordert Partnerschaftsabkommen mit Ländern im Norden Afrikas, die entweder direkt am Mittelmeer liegen oder in der Sahelzone“, so EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger. Man brauche ein faires Konzept. Ziel sei das Treiben der Schlepper zu unterbinden. Die Belastungen für die afrikanischen Partner müssten zumutbar sein. Für Verhandlungen kommen Libyen, Mali, Niger und Nigeria infrage. Ein klare Absage kommt hingegen aus Ägypten. „EU-Aufnahmeeinrichtungen für Migranten in Ägypten würden gegen die Gesetze und die Verfassung unseres Landes verstoßen“, sagte dort Parlamentspräsident Ali Abd al-Aal.
spiegel.de, faz.net

Geflüchtete vor Libyen vermisst: Libyens Küstenwache befürchtet, dass im Mittelmeer erneut Dutzende Flüchtlinge ertrunken sind. Ein Offizier der Küstenwache erklärte am Sonntag, es seien rund 40 Menschen gerettet worden, nachdem vor der Hauptstadt Tripolis im Westen des Landes ein Boot gesunken sei. Mehr als 60 Flüchtlinge werden vermisst. Nach einem Unglück am Freitag werden bereits mehr als 100 Flüchtlinge im Mittelmeer vermisst. Es wird befürchtet, dass sie ebenfalls ertrunken sind. Die Küstenwache entdeckte am Sonntag nahe Tripolis sechs weitere Leichen. Bereits zuvor hatte sie drei tote Babys geborgen, deren Bilder einen Schock auslösten. Der Küstenwache zufolge waren auf einem alten und völlig überfüllten Holzboot bis zu 125 Menschen vor allem aus Afrika unterwegs, als der Motor Feuer fing. 16 Menschen konnten demnach gerettet werden.
tagesspiegel.de

AU-Gipfel setzt auf Zusammenarbeit: Auf dem 31. Gipfeltreffen der Afrikanischen Union in Mauretanien hat der AU-Vorsitzende und ruandische Staatschef Paul Kagame Afrikas Regierungen auffordert, „als Einheitsfront aufzutreten und die Interessen unserer Völker und unseres Kontinents zu verteidigen“. Sicherlich auch ein Seitenhieb auf Europa, wo gerade Aufnahmezentren in Afrika diskutiert werden. Man müsse einzelne Mitglieder vor „Druck und Manipulation“ schützen. Afrikas Antwort auf die Migration müsse „verstärkte Koordinierung und Kooperation“ sein. Insbesondere die Chancen für Jugendliche müssten verbessert werden. Natürlich müsse man zum Schutz der Leben von Afrikanern mit der EU und der Nato zusammenarbeiten. Afrikas Sorge: Europa will sein Flüchtlingsproblem lösen, indem es die Bewegungsfreiheit innerhalb Afrikas einschränkt. Dabei wolle man in der „Agenda 2063“ eigentlich das Gegenteil: Visafreiheit und Freihandel auf dem gesamten Kontinent.
taz.de

Südsudan hofft auf Frieden: Zwar haben die Konfliktparteien haben am Mittwoch in Khartum einen Friedensvertrag unterzeichnet. Doch dieser umfasst nur zwei Seiten und enthält fast nichts. Immerhin werden ein Waffenstillstand, die Bildung einer Übergangsregierung, die Reform der Sicherheitskräfte und die Wiederaufnahme der Ölförderung vereinbart. Ansonsten beruft sich das Dokument auf einen Vertrag, der bereits vor drei Jahren ausgehandelt worden war. Beobachter sind skeptisch, dass der brüchige Frieden diesmal halten wird.
derstandard.at, nzz.ch

Knallharte Abschiebung: Algerien setzt Flüchtlinge in Wüste aus nzz.ch
Mali: Mindestens sechs Tote bei Anschlag auf Anti-Terror-Gruppe der Sahelzone derstandard.at
Kongo will wegen Erdöl Nationalparks schrumpfen taz.de

– BACKGROUND –

VW eröffnet Werk in Kigali: Der Autohersteller VW hat letzten Mittwoch in der Nähe von Kigali in Ruanda ein Werk eröffnet, dort werden jetzt VW-Polos zusammengeschraubt. Als „neues Kapitel in der wirtschaftlichen Transformation des Landes“ bezeichnet Präsident Kagame die 16 Millionen Euro Investition. Das Land will sich langfristig von der Landwirtschaft unabhängig machen und baut Industrie und Dienstleistungssektor aus. Doch warum investiert Volkswagen in einem Land, in dem sich kaum einer einen VW leisten kann? „Wir wollen in erster Linie Mobilität verkaufen“, erklärt VW-Afrika-Chef Thomas Schäfer im Interview mit der taz. Das bedeutet: Eine Firma, eine Botschaft oder ein Ministerium bekommt eine Flotte Fahrzeuge zur Verfügung gestellt. Daneben will VW Fahrdienstleister werden: Der Kunde bestellt per Smartphone-App ein Taxi, wird abgeholt und irgendwo abgesetzt, „so ähnlich wie Uber“, sagt Schäfer.
taz.de

Oxfam-Supermarkt-Check: Ausbeutung im Kühlregal. Unsere billigen Lebensmittel sind so billig, weil sie auf Ausbeutung und unwürdigen Arbeitsbedingungen beruhen. Ein Beispiel: Weinplantagen in Südafrika. Colette Solomon von der Organisation „Women on Farms“ hat Hunderte Arbeiterinnen zu ihrem Arbeitsalltag befragt. Das Ergebnis: Es fehlen Toiletten und die Arbeiterinnen sind ohne Schutzkleidung Chemikalien ausgesetzt. „Meist werden die Arbeiterinnen sogar nur noch von Monat zu Monat beschäftigt, sie wissen nie, ob sie genug Geld verdienen werden“, so Solomon. Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel gilt mit einem ständigen Wetteifern um die billigsten Preise als der Härteste der Welt. Weil mit Edeka, Lidl, Rewe und Aldi vier große Ketten den Markt beherrschen, können sie Preise praktisch diktieren. Die Organisation Oxfam kommt in einem „Supermarkt-Check“ zu dem Ergebnis: Keine dieser Ketten werde der Verantwortung gerecht, das Risiko von Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten zu identifizieren.
spiegel.de

– ANGEZÄHLT –

Fast eine Million Menschen sind im Süden Äthiopiens auf der Flucht. Seit Anfang Juni sind laut UN-Nothilfebüro in der Region Gedeo rund 793.000 Vertriebene registriert worden, in West Guji weitere 185.000. Hintergrund sind Konflikte unterschiedlicher ethnischer Gruppen. Die Hilfsorganisation Norwegischer Flüchtlingsrat warnt vor einer „schwerwiegenden humanitären Krise“.
derstandard.at

– ZITAT –

„Man sollte heute nicht den Eindruck geben, als dass es hier Neokolonialismus geben würde.“
EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will den Eindruck einer Bevormundung von afrikanischen Staaten vermeiden.
spiegel.de

– ZULETZT –

Afrika wird Weltmeister – irgendwann: Auch bei der diesjährigen WM waren die afrikanischen Teams vom Pech verfolgt und schieden alle bereits in der Vorrunde aus. Seit Jahrzehnten träumen die Afrikaner davon, dass einmal eines ihrer  Teams den Weltmeistertitel gewinnt. Die brasilianische Fußball-Ikone Pele hat vor 28 Jahren einst gesagt: „Bald wird der Weltmeister aus Afrika kommen“. Vielleicht war diese Einschätzung mehr Fluch als Segen. Immer wieder gab es Teams auf der Überholspur: Nigeria holte 1996 Olympiagold. Senegal kam 2002 ins Viertelfinale, Ghana kam 2010 in die Runde der letzten Acht und schied im Achtelfinale erst im Elfmeterschießen gegen Uruguay aus. Senegals aktuellem Trainer Aliou Cissé lässt sich auch durch das aktuelle Ergebnis nicht beirren. „Ein paar Mannschaften werden irgendwann in der Lage sein, Weltmeister zu werden“ – „irgendwann“.
sueddeutsche.de

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