KW 27: Ein Gipfel für Afrika ohne Afrika, Warum Europa Afrika entdeckt, Afrikas Medienrevolution

– NEWS –

Ein Gipfel für Afrika ohne Afrika: Die G20 diskutiert über die zukünftige Ausrichtung ihrer Afrika-Politik. Vom „Marshallplan für Afrika“ oder dem „Compact with Africa“ ist die Rede. Im Juni hat Deutschland Investitionspartnerschaften mit Tunesien, Ghana und Elfenbeinküste, sogenannte „reformbereite Länder“ geschlossen. Das G20-Land China investiert schon seit langem in Afrika – ohne lange Fragen nach Meinungsfreiheit oder Menschenrechten zu stellen. Vielen Afrikanern ist das lieber als die belehrende Haltung Europas. Afrika brauche kein neoliberales Credo, schreibt Tobias Schwab in seinem Leitartikel für die Frankfurter Rundschau. Anstatt der ständigen Großprojekte müssten lokal und regional verankerte wirtschaftliche Aktivitäten gefördert werden.
tagesschau.de, fr.de, faz.net

Warum Europa Afrika entdeckt: Fast das gesamte Bevölkerungswachstum geht auf das Konto Afrikas. Von heute 1,3 Milliarden wird die Bevölkerung dort bis zum Jahr 2100 auf dann 4,5 Milliarden Menschen anwachsen. Wenn man Migration unterbinden will, muss die Wirtschaft gestärkt werden. Nur mit einer ernsthaften Industrieansiedlung ist eine wirtschaftliche Entwicklung auf Dauer möglich. “Compact with Africa” nennt das Finanzminister Schäuble. Die Idee dahinter: Jedes G20-Land übernimmt eine Patenschaft für ein afrikanisches Land, kontrolliert die Entwicklungen für gutes Regieren und sucht Investoren.
faz.net

Bill Gates: Viel erreicht und viel zu tun: Microsoft-Gründer Bill Gates, der mit seiner Stiftung Millionen für nachhaltige Projekte in Afrika ausgibt, betont vor allem die Fortschritte. Es gebe Geldgeber, innovative Ansätze und messbare Erfolge. Klar müsse man auch die Probleme sehen, um Menschen zu motivieren brauche man aber die Fortschritte. Auch wenn die Kindersterblichkeit um die Hälfte abgenommen habe und die landwirtschaftliche Produktion gesteigert werden konnte, so gebe es doch nach wie vor unfassbares Leid, politische Instabilität, Krankheiten und Hunger. Es bestehe also noch viel Arbeit.
tagesspiegel.de

Europa muss Korruption bekämpfen: Der amtierende nigerianische Präsident Yemi Osinbajo hat in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel das Afrika-Engagement der Bundeskanzlerin gelobt. Er fordert aber mehr als Absichtserklärungen. Jetzt müssten konkrete Schritte folgen. Ein erster wichtiger Schritt wäre das schnelle Inkrafttreten der neuen EU-Geldwäsche-Richtlinie, für die sich Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien als europäische G20-Mitgliedstaaten einsetzen sollten. Denn Europa würde die Korruption in Afrika fördern und unterstützen. Ein solches Register würde Justiz- und Steuerbehörden in Nigeria und andernorts den unkomplizierten Zugang zu diesen Informationen garantieren und im Verdachtsfall die Ermittlungen erleichtern.
tagesspiegel.de

South African Airways benötigt Staatshilfen: In Südafrika springt die Regierung der angeschlagenen Fluggesellschaft South African Airways (SAA) mit Finanzhilfen bei. Damit solle die Airline in die Lage versetzt werden, einen Kredit im Volumen von rund 154 Millionen Euro an die Bank Standard Chartered zurückzuzahlen, teilte das Finanzministerium am Samstag mit. Insgesamt hätte die SAA per Ende Juni rund neun Milliarden Rand an mehrere Geldgeber zurückzahlen müssen.
tagesspiegel.de

Sambias Präsident ruft nach mehreren Brandanschlägen Ausnahmezustand aus derstandard.at
Koma? Weiterhin Spekulationen um Benins abwesenden Präsidenten Patrice Talon taz.de
Mindestens drei Tote bei Angriff auf Polizeistation an Kenias Küste derstandard.at

– BACKGROUND –

Afrikas Medienrevolution: Vor zehn Jahren war das Internet in Afrika noch kaum verbreitet. Doch das hat sich rasant verändert. In Kenia, Südafrika oder Nigeria sind die Datenverbindungen per Mobilfunk teils besser als in vielen Europäischen Ländern. Afrika ist der am schnellsten wachsende Markt, was Digitalisierung anbelangt. Und die neuen Medien genießen mehr Vertrauen als traditionelle Zeitungen und das Fernsehen. Die Menschen bekommen ihre Nachrichten jetzt direkt auf Handy. Das Start-up Nigeria Frontiersnews verschickt täglich 500.000 Emails mit seinem Newsletter. Traditionelle Medien hätten da oft keinen Platz, sagt Gründer Horatius Egua. „Vor allem Freiheit und Geschwindigkeit“ würden, sagt der Medienunternehmer Nigel Mugamu aus Simbabwe, seine Follower schätzen.
deutschlandfunk.de

HIV-Tests in der Kneipe: In Südafrika könnten sich Kneipenbesucher möglicherweise bald einem HIV-Schnelltest unterziehen. Die Untersuchung in sogenannten „shebeens“, also heruntergekommenen, meist illegalen Kneipen, soll dabei helfen, die verheerende Aids-Epidemie zu bekämpfen. Das Ergebnis einer Studie in den Kneipen: Von 503 befragten Besuchern stimmten mehr als 90 Prozent spontan einem Test zu. Das Ergebnis ihrer Studie stellten die Wissenschaftler vor Kurzem bei der südafrikanischen Aids-Konferenz in Durban vor. Südafrikanische Medien bezeichnen das Land manchmal als „Epizentrum der weltweiten Aids-Pandemie“. Jeder achte Südafrikaner lebt mit dem HI-Virus.
tagesspiegel.de

Modewoche in Dakar: Afrika ist nicht gerade bekannt für “Haute Couture”. Auf der Modewoche im senegalesischen Dakar ließ sich aber dieser Tage beobachten, dass es vieles gibt, das entdeckt werden will. “Kreativität, Fantasie ist alles da, aber es hapert an der Organisation”, fasst der senegalesische Designer Lahad Gueye die Situation zusammen. “Ich glaube an den African Dream. Das heißt, dass wir unsere eigene Werbung machen. Ich habe den Fernsehkanal für afrikanische Mode ins Leben gerufen. Wir müssen unsere eigenen Modemagazine machen”, fordert Designerin Adama Ndiaye.
de.euronews.com

– ANGEZÄHLT –

170 Millionen von 180 Millionen Einwohnern Nigerias haben ein Telefon. Die Hälfte davon ein Smartphone.
deutschlandfunk.de

– ZITATE –

„Afrika braucht keine Patenschaft. Wir brauchen gute Partner. Eine Patenschaft fördert die Denkweise der ständigen Hilfeleistungen, aber Afrika will nicht mehr auf diese Hilfe angewiesen sein. Dieser einschläfernde Rhythmus der ständigen Hilfen hindert afrikanische Unternehmern und Regierungen daran, ein stabiles Umfeld zu schaffen, weil sie wissen, dass sowieso immer wieder Geld vom europäischen Vormund geschickt wird.“
Der Kameruner Nj Ajuk gehört einer wachsenden Mittel- und Oberschicht in seinem Heimatland an. Das „Forbes Magazine“ hatten den Anwalt 2015 zu einem der einflussreichsten Menschen in Afrika gekürt.
bild.de

„Stirnrunzelnde Frösche werden Kühe nicht davon abhalten, aus dem Weiher Wasser zu saufen.“
Afrikanisches Sprichwort.
fr.de

Eine unheimliche Begegnung in Dakar: Von einer fast unheimlich Begegnung berichtet NZZ-Korrespondent David Signer aus Dakar. In seinem Quartierladen wurde ihm sein Baguette immer schön in Papier eingewickelt. Doch dieses Papier wirkte von Mal zu Mal vertrauter: Es begann mit einer alten Ausgabe der NZZ, seltsam, aber noch erklärbar. Doch dann wurde das Brot eines Tages in einem alten Kontoauszug des Redakteurs, ein anderes Mal in einem alten Text des Autors, den er vor Jahren über die Begegnung mit einer Opernsängerin geschrieben hatte, eingewickelt. Doch die Geschichte entstammt nicht einem Horrorfilm, sondern hat sogar eine simple Erklärung: In bestimmten Stadtteilen Dakars, ist es mangels Müllabfuhr üblich, Abfälle und Sperrmüll einem sogenannten „poubellier“ zu überantworten. Dieser verkauft, was noch verwertbar ist und entsorgt den Rest und so gelangte das Altpapier des Redakteurs als Packpapier in den Quartierladen.
nzz.ch

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