KW 20: Massaker in Burundi, Ägypten: Aktivistin wegen Facebook-Video verhaftet, Ruanda schafft die alten Kleider ab

– NEWS –

Massaker in Burundi: In Burundi wurden wenige Tage vor einem Verfassungsreferendum 26 Menschen bei einem Massaker getötet. Dabei soll eine Gruppe Bewaffneter in der Gemeinde Buganda im Nordwesten des Landes Bewohner erschossen, mit der Machete getötet, Häuser angezündet und mit Granaten beworfen haben. Sicherheitsminister Albert-Guillaume Bunyonyi sprach am Samstag von einem „Terrorangriff“. Der ehemalige Hutu-Rebellenführer Präsident Nkurunziza hatte 2015 entgegen der Verfassung eine dritte Amtszeit angetreten und einen Putschversuch aus den eigenen Reihen niedergeschlagen. Seitdem kommt es immer weider zu Spannungen. Vor allem das harte Durchgreifen des Polizeiapparats sind seitdem 1.200 Menschen getötet worden und 400.000 Menschen geflüchtet. Kritiker werfen der Regierung vor, den Angriff selbst inszeniert zu haben. Gegner des Referendums sollten eingeschüchtert werden.
taz.de

Ägypten: Aktivistin wegen Facebook-Video verhaftet: Die ägyptische Menschenrechtsaktivistin Amal Fathi ist letzte Woche verhaftet worden, nachdem sie eine Kampagne gegen sexuelle Belästigung von Frauen im Staatsapparat gestartet hatte. der 33-Jährigen wird Anstiftung zum Umsturz und die Verbreitung falscher Gerüchte vorgeworfen. Die Aktivistin wurde für 15 Tage in Untersuchungshaft genommen. Stein des Anstoßes war ein Video, in dem Fathi den Sicherheitskräften der Staatsbank Bank Misr vorwarf, sie massiv belästigt zu haben. Sie sprach von „Schmutzigen Typen“ und einer „Schande des Volkes“. „Es ist ein trauriger Tag, wenn sich die ägyptischen Behörden darum bemühen, eine Frau zum Schweigen zu bringen, weil sie über sexuelle Belästigung spricht, anstatt Maßnahmen zu ergreifen, um das Problem an der Wurzel zu packen“, erklärte die Amnesty-Nordafrikaexpertin Najia Bounaim.
derstandard.at

Terror in südafrikanischer Moschee: In einer Moschee nahe der südafrikanischen Stadt Durban ist am Sonntag eine Bombe entdeckt worden. Sie war unter dem Sessel des Predigers deponiert worden. Die schiitische Imam-Hussain-Moschee in Verulam war bereits am Donnerstag von drei Männern mit Schusswaffen und Messern überfallen worden, dabei wurden der Muezzin und ein Prediger schwer verletzt, ein weiterer Mann wurde getötet, die religiösen Schriften der Moschee angezündet. Wenige Stunden vor dem Bombenfund hatte der südafrikanische Polizeiminister Bheki Cele die Moschee besucht. Mullah Sayed Afthab Haider von der Ahlul-Bait-Foundation, einer Plattform schiitischer Moscheen in Südafrika, machte die Terrororganisation Islamischer Staat für die Angriffe verantwortlich. Die Polizei geht von „Hass auf die Gläubigen“ als Tatmotiv aus.
derstandard.at

Überlebende eines Bootsunglücks klagen gegen Italien: Wegen der Unterstützung der libyschen Küstenwache beim Aufspüren von Migranten im Mittelmeer ist gegen den italienischen Staat beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) Klage eingereicht worden. Mit Hilfe von Menschenrechtsanwälten aus Italien und Großbritannien ziehen 17 Überlebende eines Bootsunglücks vom November vor den EGMR, die nach ihrer Rettung zurück nach Libyen gebracht wurden. Die Praxis der EU und Italiens, die libysche Küstenwache für illegale Pull-Backs einzuspannen, müsse endlich ein Ende haben, forderte die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch am Dienstag. Sie war an der Rettung der Migranten am 6. November beteiligt. Nach Angaben der Seenotretter hatten die Libyer die Rettung von 130 Menschen von einem sinkenden Boot behindert, mindestens 20 Menschen seien ums Leben gekommen. Das Boot der Küstenwache sei von Italien gespendet worden.
tagesspiegel.de

Zwei in der Demokratischen Republik Kongo entführte britische Touristen sind wieder frei derstandard.at
Mehr als 40 Tote bei Überschwemmungen im Westen Kenias tagesschau.de
Neuer Ebola-Ausbruch im Kongo fordert erstes Todesopfer deutschlandfunk.de

– BACKGROUND –

Woran Afrikas Luftfahrt krankt: Zwar könnte Afrika einer der größten Zukunftsmärkte der Luftfahrt sein, doch die Fluggesellschaften des Kontinents kommen nicht voran. Airlines wie Air Namibia und South African Airways sind nicht wirtschaftlich und werden mit Steuergeldern am Leben gehalten. Vor allem an den fehlenden innerafrikanischen Verbindungen krankt der Markt. „Tarife innerhalb Afrikas sind zu teuer, es ist oft billiger von Afrika nach Europa zu fliegen als von einem afrikanischen Staat ins Nachbarland“, sagt Mandi Samson, Acting Managing Director von Air Namibia. Dringend benötigt wird ein einheitlicher afrikanischer Luftraum. 2018 gibt es nach 1988 und 1999 den dritten Anlauf, die Umsetzung der Vereinbarung steht aber noch aus. Die internationale Luftfahrtagentur IATA betont, dass selbst wenn nur zwölf afrikanische Länder ihren Himmel öffneten, 155.000 neue Jobs und 1,3 Milliarden US-Dollar an Bruttosozialprodukt in diesen Ländern entstehen würden.
aero.de

Ruanda schafft die alten Kleider ab: Millionen Kleidungsstück werden jedes Jahr von Europa nach Afrika exportiert. In Ruanda ist die Einfuhr von Altkleidern jetzt aber verboten worden. „Für uns hat es höchste Priorität, unsere eigenen Produkte herzustellen“, sagt Präsident Paul Kagame. Drei Viertel aller in Ruanda verkauften Kleider waren bislang gebrauchte Importe. Mit Textilfabriken soll jetzt der Aufstieg Afrikas gelingen. Zwei gibt es bisher in Ruanda, die eine hat vor allem Polizeiuniformen im Angebot. Dutzende Fabriken sollen es bald werden. Kagame regiert Ruanda mit eiserner Hand und ökonomisch erfolgreich. Die Wirtschaft wächst konstant um etwa acht Prozent. In der Hauptstadt Kigali wurden Slums einfach verboten, genauso wie Plastiktüten und Strohhalme, weil sie umweltschädlich sind. Jetzt also Altkleider, weil sie Afrikas Wirtschaft schaden und weil Afrika endlich aufhören soll alles aufzubrauchen, was in Europa nicht mehr gebraucht wird.
sueddeutsche.de

– ANGEZÄHLT –

Mehr als 770.000 Kinder sind in der Kasaï-Region im Kongo einem Unicef-Bericht zufolge unterernährt und benötigen humanitäre Hilfe. 400.000 von ihnen seien stark gefährdet und müssten dringend behandelt werden.
taz.de

– ZITAT –

„Nach Jahrhunderten der Fremdbestimmung sollen nun wie auf einen Knopfdruck plötzlich alle Unternehmer werden und super regieren und alles ganz toll machen. Da sind langfristige Schäden entstanden.“
Bundeskanzlerin Angela Merkel betont auf dem Katholikentag in Münster die Verantwortung Europas für Afrika. Der Kolonialismus habe dort viel Schaden angerichtet und über Generationen verhindert, dass Menschen Verantwortung für ihr Land übernehmen könnten.
zeit.de

– ZULETZT –

Gefangene im Paradies: Kongos Gefängnisse sind eigentlich die Hölle. Wer von außen keine Hilfe hat, bekommt kein Essen, keine Ernährung und wird wahrscheinlich bald sterben. Es regiert das Faustrecht. Um so überraschter war Gérard Kombozi, Leiter der Justizabteilung der ostkongolesischen Provinz Tshopo, als kürzlich Häftlinge eines der schlimmsten Gefängnisse des Landes sich weigerten nach Abbüßen ihrer Haft das Gefängnis zu verlassen. Des Rätsels Lösung: Auf dem weitläufigen Waldgelände wurden Diamanten gefunden und Dorfbewohner, Häftlinge und Gefängniswärter taten sich zusammen und betrieben eine gemeinsame Minensiedlung. „Wir essen jeden Tag, es ist wie im Paradies“, sagte einer der Häftlinge gegenüber Journalisten. Doch der Staat schreitet nun ein, die Miene wird aufgelöst, die Gefangenen in andere Gefängnisse gebracht.
taz.de

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