KW 19: Islamisten gewinnen bei tunesischer Kommunalwahl, Mosambiks Oppositionsführer Dhlakama verstorben, Außenminister Maas in Tansania

– NEWS –

Islamisten gewinnen bei tunesischer Kommunalwahl: Zum ersten Mal seit dem Arabischen Frühling von 2011 finden in Tunesien Kommunalwahlen statt. Doch vom einstigen Aufbruch ist wenig übrig. Die Wahlbeteiligung lag nur bei knapp über 30 Prozent. Umfragen sahen die islamisch-konservative Partei Ennahda mit 27,5 Prozent der Stimmen vorne. Die Partei von Staatspräsident Beji Caid Essebsi und Regierungschef Youssef Chahed folgte dahinter mit 22,5 Prozent. Weitere Parteien traten nicht in allen Gemeinden an und bleiben landesweit abgeschlagen. In vielen Gemeinden traten unabhängige Listen gegen die Etablierten an. Die Unzufriedenheit und Enttäuschung ist groß. Trotz demokratischer Reformen kämpft das Land mit wirtschaftlichen Problemen. Immer wieder kam es zu landesweiten Protesten und Ausschreitungen. Die Kommunalwahl sollte eigentlich Teil der demokratischen Erneuerung sein und zur Dezentralisierung beitragen.
derstandard.at, taz.de

Mosambiks Oppositionsführer Dhlakama verstorben: Alfonso Dhlakama, langjähriger Oppositionspolitiker und ehemaliger Rebellenführer ist am Donnerstag im Alter von 65 Jahren an einem Herzinfarkt in den Gorongosa-Bergen verstorben. Eigentlich sollte Dhlakama mit dem Hubschrauber zu einer ärztlichen Behandlung nach Südafrika gebracht werden. Dazu kam es aber nicht mehr. In den 80er Jahren führte Dhlakama einen erbitterten Widerstand gegen die damalige Zentralregierung an. 1992 kam es zu einem Friedensvertrag, seitdem führte er die politische Opposition im Lande, seine Truppen blieben aber bewaffnet. Eigentlich wollte Dhlakama 2019 bei den Präsidentschaftswahlen gegen den regierenden Präsidenten Filipe Nyusi antreten.
derstandard.at

Außenminister Maas in Tansania: Deutschlands Außenminister Heiko Maas hat bei einem Besuch in der tansanischen Hauptstadt Daressalam den afrikanischen Opfern des Ersten Weltkriegs gedacht. Er beklagte, „dass 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg den afrikanischen Opfern zu wenig Erinnerung zugutekommt“. Am Denkmal für die Askari, den afrikanischen Kämpfern in den Kolonialtruppen, legte er einen Kranz nieder. Im Ersten Weltkriegs starben Tausende Askari an der Seite des deutschen Kaiserreichs. Von 1885 bis 1918 gehörte Tansania zu Deutsch-Ostafrika, der größten und bevölkerungsreichsten deutschen Kolonie in Afrika. Die Kolonialvergangenheit spielt in der Gegenwart Tansanias allerdings kaum eine Rolle. „Wir wollen aus der Vergangenheit eine Brücke über die Gegenwart in die Zukunft schlagen“, warb Maas dafür, nach vorne zu schauen, ohne die Vergangenheit zu verdrängen.
derstandard.at

Mali: Neue islamistische Gruppe nimmt Zivilbevölkerung ins Visier: Im Südosten Malis nehmen gezielte Angriffe auf die Zivilbevölkerung zu. Ende April, Anfang Mai kam es zu mehreren Massakern. Damit ist ein Strategiewechsel verbunden. Statt gezielte Angriffe auf militärische Einrichtungen, stehen jetzt möglichst hohe Opferzahlen im Fokus. Die Angriffe gehen nach Augenzeugenberichten von einer neuen bewaffneten Gruppe aus. Der „Islamische Staat der Großen Sahara“ ist nach Ansicht von Experten eine Nachfolgerin der „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“, der radikalsten islamistische Gruppe, die von 2012 bis zu Frankreichs Intervention 2013 die Nordhälfte Malis kontrollierte.
taz.de

Tschads neue Verfassung erweitert die Macht des Präsidenten: Das Parlament im Tschad hat letzte Woche eine neue Verfassung beschlossen. Sie soll mit Ablauf der gegenwärtigen Amtszeit von Präsident Idriss Déby 2021 beginnen. Kernstück der Reform ist die Änderung bei der Amtszeit des Präsidenten, der für zweimal sechs Jahre gewählt werden kann. Damit soll die Regentschaft von Déby, der das Land seit 28 Jahren regiert, bis 2033 gesichert werden. Da es aber eine Begrenzung der Amtszeit ohnehin nicht mehr gab, richtet sich Kritik vor allem gegen die Machtfülle des Präsidenten. Kabinettsmitglieder sind zukünftig dem Präsidenten direkt unterstellt, ebenso die Justiz. Für die vier im Parlament vertretenen Oppositionsparteien ein Rückschritt, der die Freiheit, die Gewaltenteilung, den Fortschritt und den Frieden töten würde.
taz.de

Beziehungen zwischen EU und Afrika auf dem Prüftand: In Venedig stand Ende April das Verhältnis zwischen Afrika und der EU auf dem Prüfstand. Beim Workshop „Afropean Bridges – Identity, Representation, Opportunities“ wurde sowohl der Status quo der Partnerschaft diskutiert und Ziele einer gemeinsamen wirtschaftlichen und politischen Zukunft formuliert. Es ging aber auch um das Leben von Afrikanern in Europa. Unter dem Schlagwort „Afrophobia“ wurden Ausgrenzung und Diskriminierung diskutiert. Gäste waren unter anderem Cécile Kyenge, Mitglied im EU-Parlament und Bruder Mussie Zerai, der 2015 für den Friedensnobelpreis nominiert war. Der Workshop fand im Rahmen der Internationalen Dekade der Vereinten Nationen für Menschen afrikanischer Abstammung statt und wurde von der Ca’ Foscari University of Venice in Zusammenarbeit mit der NGO Progressi organisiert.
afropeanbridges.org , facebook.com, progressi.org

Afrikanischer Milliardär: Geld, das in Afrika verdient wird, soll in Afrika bleiben daily.spiegel.de
Bis zu 60 Tote bei Terroranschlag in Nigeria taz.de
Überraschung: Mehr frei lebende Gorillas und Schimpansen in Zentralafrika als gedacht  spiegel.de

– BACKGROUND –

Stiftungen treiben Erneuerbare voran: Viele europäische Stiftungen betreiben Projekte zur Verbreitung erneuerbarer Energien in Afrika. So verbreitet die Stiftung We-Hubs Water-Energy-Hubs in Kenia. Dabei handelt es sich um Kiosks für Wasser und Strom. Es lassen sich Solarlampen ausleihen und Batterien aufladen. Doch nicht jedes Projekt ist von Erfolg gekrönt. Vor allem, wenn soziale Standards nicht eingehalten werden, kommt ein Vorhaben schnell in Misskredit. Zwar sind die Stiftungen sensibilisiert und wenden bei der Durchführung vor Ort strenge Kriterien an, doch nicht alles lässt sich kontrollieren und eine Garantie ist auch strenge Vorsicht am Ende nicht.
bizz-energy.com

Afrikanische Literatur positioniert sich neu: Literatur aus Afrika hat in Deutschland noch immer einen schweren Stand. Keine Nation des Kontinents war jemals Gastland der Frankfurter Buchmesse. Nur 1980 war es „Schwarzafrika“. Doch es gibt viel zu entdecken: die wunderbare Afrika-Reihe im Verlag Wunderhorn, die jedes Jahr drei Romane von Autoren mit Bezug zu Afrika herausbringt. Die Frankfurter Buchmesse hat den Verein Litprom gegründet, der auch Events zu afrikanischer Literatur veranstaltet. Das African Book Festival, das Ende April zum ersten Mal im Berliner Babylon Kino stattfand, will jährlich eine andere geografische Region in den Vordergrund rücken. Bei der Premiere lag der Fokus auf Westafrika und Nigeria. Das Land ist Teil einer spannenden Neupositionierung der Literaturszene. Verlage nehmen die Produktionsmittel selbst in die Hand, mit Außenbüros in den Vereinigten Staaten und Großbritannien.
tagesspiegel.de

Wasserkraft geht den Bach runter: Die Wasserkraft deckt weltweit 15 Prozent der Stromversorgung ab. Doch Dürreperioden sorgen dafür, dass in manchen Regionen Wasserspeicher austrocknen. Betroffen sind vor allem süd- und ostafrikanische Länder. So bezieht zum Beispiel Malawai 98 Prozent seiner Stromerzeugung aus Wasserkraft. In Sambia sind es 95 Prozent. „Der Klimawandel hat einen bemerkenswerten Einfluss auf die Wasserkrafterzeugung, er stellt eine große Herausforderung für alle Wasserkraftwerke dar“, sagt Clemente Prieto vom spanischen Komitee für Staudämme.
dw.com

– ANGEZÄHLT –

330 Millionen Euro Entschädigungen bekommen etwa 100.000 ehemalige Minenarbeiter und deren Angehörige. Weil die Quarzstaub einatmen mussten, litten die Betroffenen an der Lungenkrankheit Silikose. Über drei Jahre zog sich der Prozess gegen sechs Bergbauunternehmen hin.
spiegel.de

– ZITAT –

„Es gibt eine große Erwartungshaltung, die bei den Freunden in Afrika geweckt wurde. Wir haben den Eindruck, dass man auch in Afrika gemerkt hat: Es ist noch nichts davon umgesetzt worden.“
Nach dem fulminanten Afrikajahr 2017 ist die deutsche Afrikapolitik etwas ermattet, kritisiert Stefan Liebig, Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft, einem Lobbyverbund von in Afrika engagierten Unternehmen.
dw.com

– ZULETZT –

Marx in Afrika: Am 05. Mai wurde der 200. Geburtstag von Karl Marx mit zahlreichen Gedenkveranstaltungen begannen. Auch in Afrika hat der Co-Auto des „Kommunistischen Manifest“ seine Spuren hinterlassen. Im Kampf um Unabhängigkeit wurde von afrikanischen Intellektuellen eigenen Modelle des Sozialismus entwickelt. Während in Äthiopien das Derg-Regime den Marxismus dazu benutzte, ein brutales Regime aufzubauen, strebten andere afrikanische Denker tatsächlich politische Reformen nach dem Vorbild des europäischen Sozialismus an. Beispiel Tansania, dort setzte Staatsgründer Julius Nyerere den afrikanischen Sozialismus am weitesten durch. Aber was ist von der sozialistischen Idee in Afrika geblieben? Nicht viel. „Die Menschen sind mehr an dem materiellen Fortschritt interessiert als an Ideen, die mit Sozialismus konform gehen“, sagt Afrikaexperte Ahmed Rajab aus Sansibar.
dw.com

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