KW 18: Dos Santos gibt auch Parteiführung ab, Chef der libyschen Gegenregierung im Krankenhaus, Ermittlungen gegen französischen Industriellen

– NEWS –

Dos Santos gibt auch Parteiführung ab: Ex-Präsident José Eduardo dos Santos wird nach fast vier Jahrzehnten an der Spitze der Regierungspartei MPLA sein Amt als Parteichef abgeben. Der derzeitige Staatschef João Lourenço wird aller Voraussicht nach das Amt im September übernehmen. Dos Santos hatte das südwestafrikanische Land knapp 38 Jahre lang eisern regiert. Bei der Präsidentenwahl im vergangenen Jahr trat er nicht mehr an. Das Land gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und das, obwohl es neben Nigeria Afrikas größter Erdölproduzent ist.
derstandard.at

Chef der libyschen Gegenregierung im Krankenhaus: Der selbsternannte Feldmarschall Chalifa Haftar, der eine ostlibyschen Gegenregierung betreibt, die der international anerkannten Regierung in Tripolis Paroli bietet und von Ägypten, Russland und einigen Golfstaaten unterstützt wird, liegt seit zwei Wochen in einem Militärkrankenhaus bei Paris. Laut französischen Medien erlitt der 75-Jährige einen Schlaganfall und musste mit Hirnblutungen operiert werden. Als er kurzfristig von der Bildfläche verschwand, kam das Gerücht auf, er sei tot. Seine Anhänger hoffen auf eine Rückkehr, angeblich sei sein Gesundheitszustand vielversprechend. Sollte Haftar allerdings nicht zurückkehren, droht in Libyen ein politisches Ungleichgewicht und radikale Islamisten könnten versuchen Kontrolle über die Ölfelder zu gelangen.
taz.de

Ermittlungen gegen französischen Industriellen: Der französische Industrielle Vincent Bolloré gehört zu den einflussreichsten Männern in Afrika. Er kontrolliert in 41 von 54 Staaten Infrastruktur wie Häfen und Eisenbahnlinien. Dazu kommen Palmölplantagen, Minen und mehrere Medienunternehmen. Er steht für „Francafrique“, jenes System aus informellen Verbindungen zwischen Ministerien, Firmen und afrikanischen Potentaten, dessen Name eine Chiffre für das Fortbestehen kolonialer Verbindungen ist. Kein Wunder, dass es dabei nicht immer legal zugeht. Letzten Dienstag hat die französische Polizei Bolloré zur Befragung abgeführt. Er steht im Verdacht, Ende der 2000er-Jahre die Präsidenten von Guinea und Togo bei der Vergabe von Hafenprojekten bestochen und dort in die Wahlen eingegriffen zu haben.
derstandard.at, de.euronews.com, welt.de

Beziehungen zwischen EU und Afrika auf dem Prüftand: In Venedig stand Ende April das Verhältnis zwischen Afrika und der EU auf dem Prüfstand. Beim Workshop „Afropean Bridges – Identity, Representation, Opportunities“ wurde sowohl der Status quo der Partnerschaft diskutiert und Ziele einer gemeinsamen wirtschaftlichen und politischen Zukunft formuliert. Es ging aber auch um das Leben von Afrikanern in Europa. Unter dem Schlagwort „Afrophobia“ wurden Ausgrenzung und Diskriminierung diskutiert. Gäste waren unter anderem Cécile Kyenge, Mitglied im EU-Parlament und Bruder Mussie Zerai, der 2015 für den Friedensnobelpreis nominiert war. Der Workshop fand im Rahmen der Internationalen Dekade der Vereinten Nationen für Menschen afrikanischer Abstammung statt und wurde von der Ca’ Foscari University of Venice in Zusammenarbeit mit der NGO Progressi organisiert.
afropeanbridges.org , facebook.com, progressi.org

Kakao-Konferenz in Berlin: 60 Prozent des weltweiten Kakaobedarfs kommt aus der Elfenbeinküste und Ghana, weitere Anbaugebiete liegen in Mittel- und Südamerika und Südostasien. Den Rohstoff importieren vor allem die USA, die Niederlande und Deutschland. Deutschland ist dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zufolge der weltweit größte Exporteur von Schokoladenprodukten: 2016 waren das 804.000 Tonnen Waren im Wert von 3,9 Milliarden Euro. Letzte Woche kam die Branche zu ihrem weltweit größten Treffen, der World Cocoa Conference, in Berlin zusammen. Nicht nur Unternehmensvertreter waren vor Ort, auch Politiker und Nichtregierungsorganisationen. Die beklagen vehement die schlechten Lebensbedingungen der Bauern und die Umweltschäden durch den Kakaoanbau.
tagesspiegel.de

Polizei in Uganda befreit 94 entführte Kinder und 18 Frauen derstandard.at
Bundestag verlängert Afrika-Einsätze der Bundeswehr mdr.de
Dschihadisten töten in Mali 40 Tuareg dw.com

– BACKGROUND –

Wie Hilfsorganisationen den lokalen Arbeitsmarkt beeinflussen: In der Demokratischen Republik Kongo kann Einheimischen fast nichts Besseres passieren, als einen Job bei einen der Hilfsorganisationen oder bei der UN-Mission Monusco zu bekommen. Es herrscht Massenarbeitslosigkeit. Zwei Drittel der 80 Millionen Einwohner leben in Armut. Daher ist der internationale Arbeitsmarkt sehr attraktiv. Das UN-Koordinationsbüro registriert allein für die ostkongolesische Provinz Nord Kivu 610 Organisationen. Monusco beschäftigt 3313 Zivilangestellte. 2522 davon sind Einheimische. Ein Nachteil auch für die lokale Wirtschaft, denn den heimischen Unternehmen geht das hochqualifizierte Personal aus.
sueddeutsche.de

Stoppt Zucht bedrohter Arten die Wilderei? Um die Wilderei in den Griff zu bekommen und das Aussterben bedrohter Arten zu verhindern, befürworten einige Experten die Zucht von Nashörnern und anderen bedrohten Arten. Die begehrten Körperteile könnten dann legal und kontrolliert verkauft und die Ausrottung der frei lebenden Tiere verhindert werden. Doch das ist sehr umstritten. „Es kann aus unserer Sicht niemals genug Nashorn-Horn produziert werden, um die Nachfrage zu decken“, sagt Artenschützerin Katharina Trump vom WWF.
fr.de

– ANGEZÄHLT –

Bis zu 3.000 Schauspieler will Nollywood-Veteran Zack Orji pro Jahr für den afrikanischen Markt ausbilden. Der Bedarf ist riesig. In Nigeria werden mittlerweile mehr Filme produziert als in Hollywood und auch in Ländern wie Kamerun, ist die Filmproduktion auf dem Vormarsch.
dw.com

– ZITAT –

„Es wäre eine Schande, wenn Länder, die wir immer unterstützen, nun Lobbyarbeit gegen uns leisteten. Warum sollten wir diese Länder unterstützen, wenn sie uns nicht unterstützen (ebenfalls nicht bei den Vereinten Nationen)?“
US-Präsident Trump ist außer sich. Marokko will sich für die Fußball-WM 2026 bewerben und der Kandidatur der USA mit Kanada Konkurrenz machen.
dw.com

„Trump beherrscht die Sprache von Einschüchterung und Drohung, doch wir Marokkaner sollten vor der Logik des Dschungels keine Angst haben.“
Generalsekretärin der marokkanischen Sozialisten, Nabila Mounib, empört sich wie viele ihrer Landsleute gegen den Trump-Tweet.
dw.com

– ZULETZT –

Esel sind die neuen Elefanten! In China explodiert die Nachfrage nach Eselshaut. In vielen afrikanischen Ländern nimmt die Esel-Population rapide ab. So hat sich der Bestand in Kenia seit 2009 auf 90.000 halbiert. Ursache ist nicht eine Krankheit oder die sinkende Nachfrage nach Eseln, sondern das aufkeimende Interesse nach Eselshaut. In China ist ein aus Eselshaut gewonnenes Elixier als Heilmittel gegen alles gerade der letzte Schrei. So ist der Preis für einen Esel in Kenia innerhalb eines halben Jahres um 325 Prozent gestiegen.
economist.com

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