KW 11: Äthiopien wehrt sich gegen US-Vorwurf, ethnische Säuberungen in Tigray zu begehen, Ägypten und Türkei normalisieren Verhältnis, Libysches Parlament bestätigt Übergangsregierung

– NEWS –

Äthiopien wehrt sich gegen US-Vorwurf, ethnische Säuberungen in Tigray zu begehen: Nachdem im Februar unter anderem Berichte der Menschenrechtsorganisation Amnesty International den Truppen der äthiopischen Regierung und denen des Nachbarlandes Eritrea Massaker an der Zivilbevölkerung in der abtrünnigen Region Tigray vorgeworfen hatten, berichtete der neue Außenminister der Vereinigten Staaten, Anthony Blinken, vor dem US-Senat von Fällen „ethnischer Säuberungen“ in Tigray und forderte, die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Die äthiopische Zentralregierung unter Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed weist die Vorwürfe Blinkens nun von sich. „Nichts während oder nach dem Ende des Einsatzes der Sicherheitskräfte in Tigray“ könne als „gezielte oder absichtliche ethnische Säuberung gegen irgendjemanden in der Region“ interpretiert werden, ließ das Außenministerium des ostafrikanischen Staates verlauten. Es handele sich um „völlig unbegründete“ Vorwürfe.
derstandard.de

Ägypten und Türkei normalisieren Verhältnis: Seit dem ägyptischen Militärputsch von 2013 ist das Verhältnis zwischen Kairo und Ankara angespannt. Erhebliche Differenzen über die Ausbeutung von mutmaßlichen Erdgasfeldern im Mittelmeer und die Unterstützung verschiedener Akteure im libyschen Bürgerkrieg hatten die Beziehungen zwischen der Türkei und Ägypten im vergangenen Jahr weiter belastet. Am Freitag verkündete der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu die Wiederaufnahme vollwertiger diplomatischer Beziehungen beider Länder. Ankara erhofft sich davon weitere diplomatische Erfolge im arabischen Raum, vor allem zu den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien.
faz.net

Libysches Parlament bestätigt Übergangsregierung: Das gespaltene libysche Parlament hat am vergangenen Mittwoch in der Hafenstadt Sirte der von Ministerpräsident Abdul Hamid Dbaiba vorgeschlagenen Übergangsregierung der „Nationalen Einheit“ zugestimmt. Auch die sich feindlich gegenüberstehenden Regierungen in Tripolis und dem ostlibyschen Tobruk stimmten der Machtübergabe zu. Nach einem jahrelangen, von außen angefachten, blutigen Bürgerkrieg könnte das Land damit Kurs auf die ersten landesweiten Wahlen seit 2014 nehmen. Diese sollen am 24. Dezember stattfinden und von der jetzigen Übergangsregierung unter Dbaiba vorbereitet werden. Darauf einigten sich ausgewählte Vertreter der konkurrierenden Fraktionen des Landes unter UN-Vermittlung Anfang Februar in Genf.
spiegel.de

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Gastronomie nach Corona: Ob Restaurant oder Hotel, das Gastgewerbe leidet stark unter der Coronakrise. Umso wichtiger ist es, sich heute schon Gedanken über den Neustart nach dem Lockdown zu machen: Wie müssen sich Betriebe neu aufstellen? Wann gilt es, das eigene Portfolio zu überarbeiten – und wie? Wir treffen Erich Nagl, den Leiter der ETL ADHOGA, der Expertin in Sachen Steuern, Recht und Unternehmensführung für Hoteliers und Gastronomie zum Gespräch. youtube.com

Proteste gegen Regierung in Senegal eskalieren: Nach der vorübergehenden Verhaftung des Oppositionspolitikers Ousmane Sonko weiten sich die Proteste gegen die Regierung im Senegal aus. Laut Amnesty International kamen bei Straßenschlachten zwischen Demonstrierenden und der Polizei mindestens acht Menschen ums Leben. Präsident Macky Sall äußerte sein Verständnis ob der Unzufriedenheit, die aufgrund der wirtschaftlichen Krise des Landes, die von der Corona-Pandemie verstärkt werde, bei den Protesten zum Ausdruck komme. Dabei übergeht Sall jedoch die vor allem von der Jugend des Landes getragene Forderung nach mehr Demokratie und Rechtstaatlichkeit, die der Regierung Korruption vorwerfen, während den Menschen im krisengebeutelten Land die ökonomischen Perspektiven fehlten.
tagesschau.de

Erneute Entführung von Schüler in Nigeria: Die Welle von Kindesentführungen in Nigeria reißt nicht ab. Bei einem Angriff auf eine Schule im Norden des Landes wurden erneut mindestens 39 Schüler von bewaffneten verschleppt. Bereits im Februar hatte es drei Massenentführungen in der Region gegeben. Noch gibt es keine gesicherten Informationen über die dahinterstehende Gruppierung. In der Gegend Nigerias ist unter anderem die islamistische Miliz Bodo Haram aktiv, die in der Vergangenheit mehrfach durch Entführungen aufgefallen ist. Etliche der in den letzten Jahren verschleppten Heranwachsenden werden noch immer vermisst.
spiegel.de

Massaker bei mutmaßlich islamistischem Angriff im Kongo: In der Demokratischen Republik Kongo ist es zu einem Massaker an Dorfbewohnern in der Gemeinde Bulongo durch mutmaßlich islamistische Angreifer gekommen. Dabei sollen mindestens zwölf Menschen ermordet worden sein. Für den Angriff wird die ADF-Gruppierung verantwortlich gemacht, ein Ableger des Islamischen Staates in der Region. Nach UN-Angaben hat sie allein im vergangenen Jahr bei ähnlichen Angriffen bis zu 850 Zivilisten getötet.
berliner-zeitung.de

Mangelwirtschaft trotz Rohstoffreichtum in Mosambik dw.com
Neue Heuschreckenplage in Ostafrika erwartet berliner-zeitung.de
„König der Zulu“ Goodwill Zwelithini in Südafrika gestorben dw.com
Spektakulärer Klosterruinen-Fund aus fünftem Jahrhundert in Ägypten n-tv.de

– BACKGROUND –

Die Hintergründe der Grenzstreitigkeiten zwischen Kenia und Somalia: Am Montag wird ein Urteil des Internationale Strafgerichtshofes über die seit elf Jahren anhaltenden Grenzstreitigkeiten zwischen Kenia und Somalia im Indischen Ozean erwartet. Dabei geht es um ein Areal von 150.000 Quadratkilometern, in dem reiche Ölvorkommen vermutet werden und auf das beide Staaten Anspruch erheben. Die derzeitige Grenzregelung, wonach die diagonal verlaufende Grenze an Land zwischen beiden Staaten auf dem Meer linear verlängert wird, begünstigt Kenia. Dagegen klagte Somalia 2014. Doch nicht nur der Grenzverlauf im Indischen Ozean sorgt für Ärger zwischen den Staaten. Kenia hat als Teil der afrikanischen Militärmission in Somalia Truppen in der wirtschaftlich attraktiven Grenzregion Jubaland stationiert und sieht die Region als Pufferzone zu den von der islamistischen Al-Shabaab-Miliz kontrollierten Gebieten des nördlichen Nachbarn. Die somalische Regierung wirft Kenia immer wieder vor, sich damit unzulässig in die Innenpolitik Somalias einzumischen und überdies in Schmuggelgeschäfte in Jubaland involviert zu sein.
deutschlandfunk.de

Südafrika und Indien scheitern erneut mit Initiativ vor WTO: Seit Beginn der Corona-Pandemie treiben Indien und Südafrika Initiativen voran, die darauf abzielen, die Patente der Impfstoffhersteller zeitweise auszusetzen und so für eine faire globale Verteilung der Vakzine zu sorgen. Dafür haben sie die Unterstützung von 80 Entwicklungsländern, auch China steht dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber. Am Mittwoch scheiterte ein entsprechender Versuch bei der Welthandelsorganisation (WTO) allerdings zum wiederholten Mal überwiegend am Veto der reichen Länder des globalen Nordens, darunter Deutschland. Ihnen zufolge würde eine Freigabe der Patente den Schutz des geistigen Eigentums verletzen und darüber hinaus zu keinem plötzlichen Anstieg des Impfstoffangebots führen. Südafrika verwies dagegen auf die momentan unhaltbare Ungleichverteilung der Impfstoffe und ähnliche Erfahrungen während der HIV/AIDS-Pandemie, in deren Zuge mindestens elf Millionen Menschen in Afrika an fehlendem Zugang zu Medikamenten wegen Patentrechten gestorben seien.
euractiv.de

Peking finanziert Ägyptens neue Hauptstadt: Ägyptens Machthaber Abdel Fattah al Sisi lässt derzeit östlich von Kairo entsteht auf 700 Quadratkilometern eine neue Hauptstadt für Ägyptens Regierung und Verwaltung bauen. Das gigantische Infrastrukturprojekt wurde 2015 ins Leben gerufen und beschäftigt rund 250.000 Menschen. Zukünftig sollen bis zu 6,5 Millionen Menschen in der Stadt leben und die 20 Millionen Einwohner-Metropole Kairo entlasten. Wichtigster Finanzier des Vorhabens ist China. Bis 2027 will Peking das Projekt mit rund 9,3 Milliarden Euro unterstützen und damit etwa 20 Prozent der Gesamtkosten tragen. Die Finanzierung des ägyptischen Großprojektes ist dabei nur ein kleiner Baustein einer umfassenden Investitionsoffensive, die China im arabischen Raum und Nordostafrika vornimmt. Ägypten und der Nahe Osten bilden schließlich ein Scharnier der chinesischen „Belt and Road Initiative“ (BRI).
tagesspiegel.de

Deutschland schiebt trotz Corona weiter nach Afrika ab: Die Bundesrepublik Deutschland zeigt auch ob der angespannten Gesundheitslage auf dem afrikanischen Kontinent durch die Corona-Pandemie kein Pardon beim Abschieben. 2020 wurden mehr als 750 Personen von Deutschland auf den Kontinent abgeschoben, darunter Menschen, die nach herkömmlicher Definition als gut integriert gelten sollten. Die meisten Abschiebungen erfolgten nach Tunesien, Marokko und Algerien, aber auch nach Nigeria, Ghana oder Gambia. Kritik an der Praxis äußert zum Beispiel Flüchtlingsaktivist Rex Osa von der Initiative „Refugees 4 Refugees“. Es sei, als ob Corona exportiert würde. „Die Bundesregierung empfiehlt, dass wir alle 1,50 Meter Abstand voneinander halten. Dann packt man Menschen für sechs, sieben Stunden in ein Flugzeug. Wenn da eine infizierte Person in der Nähe ist, bekommt man es schnell ebenfalls“.
dw.com

– ANGEZÄHLT –

Ein Jahr nachdem die Weltgesundheitsorganisation am 11. März 2020 die weltweite Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 zur Pandemie erklärte, verzeichnet der afrikanische Kontinent rund 106.000 Todesfälle in Verbindung mit dem Coronavirus.
dw.com

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Auf female-leader.net gibt es mehr als Klischees.

– ZITAT –

„Er strebt nach dem alten System in Äthiopien: eine Sprache, eine Tradition, eine Religion. Das funktioniert jedoch in diesem Vielvölkerstaat nicht. Wenn er so weitermacht, stürzt das Land in einen Bürgerkrieg.“
Fetiya Schubert, Gründerin der Nichtregierungsorganisation FAS AID Ethiopia, über die Politik des äthiopischen Staatschefs und Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed.
jungewelt.de

– ZULETZT –

Afrikas bekanntester „Querdenker“ an Corona erkrankt? Tansanias Präsident John Magufuli dürfte in Sachen Corona-Verharmlosung die unangefochtene Nummer Eins unter den Staatschefs der Welt sein. Seit einem Jahr behauptet der christliche Nationalist, sein Land werde durch die Hilfe Gottes vom Virus komplett verschont bleiben. Eine Impfkampagne in der Bevölkerung lehnt er ab, seine Landsleute seien keine „Versuchskaninchen“ für Impfstoffe. Nun gehen im Land Gerüchte um, Magufuli selbst sei an Corona erkrankt. Seit dem 24. Februar trat der ansonsten ganz und gar nicht kamerascheue Präsident nicht mehr in der Öffentlichkeit auf. Zudem behauptet Oppositionsführer Tundu Lissu, gesicherte Informationen zu haben, wonach Magufuli am Montag nach Kenya ausgeflogen worden sei, wo er in einem Spital in Nairobi behandelt werde. Gesicherte Erkenntnisse gibt es nicht, doch die Geschichte ist schließlich für ihre zahlreichen Treppenwitze bekannt.
nzz.ch

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