KW 05: Waffenstillstand und Waffenembarbo in Libyen mehrfach gebrochen, Heuschreckenplage in Ostafrika, Angriff auf Regierungstruppen in Mali

– NEWS –

Waffenstillstand und Waffenembarbo in Libyen mehrfach gebrochen: Der auf der Libyen-Konferenz in Berlin beschlossene Waffenstillstand wurde laut UN in der letzten Woche mehrfach gebrochen. General Haftar rücke laut der international anerkannten Regierung Lybiens auf die Stadt Misrata vor. Der türkische Präsident Erdogan sagte über Haftar unter anderem: “Von jemandem wie ihm kann man bei dem Waffenstillstand keine Gnade und Verständnis erwarten.” Auch in der Hauptstadt Tripolis soll es zu kämpfen gekommen sein. Das auf der Konferenz beschlossene Waffenembargo wurde laut UN ebenfalls gebrochen. Zwar nennt der Bericht Unterstützungsmission der Vereinten Nationen für Libyen (UNSMIL) keine konkreten Verantwortlichen, bei den Lieferanten soll es sich jedoch auch um Gipfelteilnehmer handeln. Mehrere Flugzeuge seien in Libyen gelandet und hätten neben Waffen und weiterer Kriegsausrüstung auch Kämpfer und Kriegsberater in das Land gebracht.
tagesschau.de, sueddeutsche.de, zeit.de

Heuschreckenplage in Ostafrika: Eine Heuschreckenplage von verheerendem Ausmaß könnte laut Experten eine Hungersnot in Ostafrika auslösen. Betroffen sind vor allem Regionen in Äthiopien, Kenia und Somalia. Die UN-Landwirtschaftsorganisation (FAO) nannte die Insektenschwärme “beispiellos in ihrer Größe und ihrem Zerstörungspotenzial”. In Kenia gebe es einen Schwarm mit einer Größe von etwa 2400 Quadratkilometern. Wie viel die Heuschrecken bei ihrem Zug über die Länder dabei essen, ist unter Experten umstritten. Schätzungen reichen von so viel Ernte, wie 2500 Menschen in einem Jahr essen könnten bis zu einem Nahrungsbedarf von 84 Millionen Menschen täglich. Grund für die Ausbreitung der Heuschrecken ist das gleiche Wetterphänomen, dass in Australien für die Waldbrände verantwortlich ist. Der Indische-Ozean-Dipol, eine Schwankung der Wassertemperatur, sorgte für heftige Regenfälle in Ostafrika, die ideale Bedingungen für die Vermehrung der Heuschrecken schufen. Laut dem Klimazentrum der ostafrikanischen Regionalgemeinschaft IGAD ist eine der einzigen effektiven Methoden zur Bekämpfung der Heuschreckenplage das Sprühen von Pestiziden aus der Luft. Forscher warnen, dass die Größe der Schwärme bis Juni um das 500-fache anwachsen könnte, sollte die Plage nicht bald unter Kontrolle gebracht werden.
tagesschau.de

Angriff auf Regierungstruppen in Mali: Bei einem Angriff auf Regierungstruppen wurden in Mali in der Stadt Sokolo mindestens 19 Soldaten getötet und fünf weitere verletzt. Bereits am Mittwoch letzter Woche wurden nahe der Grenze zu Burkina Faso sieben Soldaten getötet worden. Die Täter blieben unerkannt, es werden jedoch islamistische Millizen hinter dem Angriff vermutet. Am Donnerstag wurden französche Soldaten durch einen Sprengsatz verletzt. In Mali sind zur Zeit 4500 französische Soldaten und 13000 Blauhelm-Soldaten der UN stationiert. Der Einsatz in Mali steht in Frankreich seit längerer Zeit in der Kritik, auch wegen Ereignissen wie der Hubschrauber-Kollision im November, bei der 13 französische Soldaten starben. Laut einer Studie des Africa Center for Strategic Studies steigt die Zahl der Anschläge in der gesamten Sahelzone stark an. Im Jahr 2019 gab es etwa 700.
dw.com, derstandard.de

US-Bürger in ägyptischem Gefängnis gestorben: Der US-Bürger Mustafa Kassem ist am vergangenen Montag in einem ägyptischen Gefängnis gestorben. Nachdem sich die US-Regierung zunächst nicht zu dem Fall geäußert hatte, sprach Außenminister Mike Pompeo auf der Libyen-Konferenz in Berlin mit Ägyptens Präsidenten Abdel Fattah el-Sisi und äußerte dort seine “Empörung über den sinnlosen und tragischen Tod”. Kassem, der in New York lebte, wurde im August 2013 festgenommen, als er Verwandte in seiner Geburtsstadt Kairo besuchte. Die Verhaftung geschah im Zuge der Unruhen, die damals aufgrund der Kämpfe zwischen Anhängern Präsidenten Mursi und der Armee herrschte. 2018 wurde Kassem in einem Massenprozess zusammen mit 700 weiteren Beschuldigten wegen Beteiligung am Umsturz zu 15 Jahren Haft verurteilt. Die USA haben ein gespaltenes Verhältnis zu der ägyptischen Regierung. Einerseitz sitzen derzeit mindestens sechs weitere US-Bürger in ägyptischen Gefängnissen, andererseits unterstützen die USA Ägypten mit Militärhilfen im Wert von 1,3 Milliarden Dollar. Ägypten wird als wertvoller Partner bei der Bekämpfung von Islamisten in der Region angesehen.
spiegel.de

Erdogan will Öl in Somalia fördern: Der Staatsprädient der Türkei, Recep Tayip Erdogan, hat offenbar ein Angebot aus Somalia bekommen, die Erdöl-Lagerstätten vor dessen Küste zu erkunden. Die Türkei wolle das Angebot annehmen. Experten zufolge ist das Potenzial, dort Öl zu finden groß. Die Verteilung von Lizenzen zur Öl-Förderung ist aufgrund der politischen Struktur Somalias jedoch unklar. Einige der Teilstaaten Somalias lehnen das vom Unterhaus beschlossene Ölgesetz ab und verteilen eigenständig Lizenzen, beispielsweise an die Unternehmen Genel Energy und RAK Gas. Die Türkei unterstützt Somalia nicht nur durch Infrastrukturprojekte, sondern lässt dort auch Soldaten in einer eigenen Kaserne ausbilden.
heise.de

Mindestens 24 Tote durch Lassafieber in Nigeria deutschlandfunk.de
Kabeldefekt legt Internet in weiten Teilen Afrikas lahm t-online.de
Sudan: UN verurteilen Massaker sueddeutsche.de
Nigeria: Islamisten ermorden Pfarrer und greifen dessen Heimatstadt an welt.de

– BACKGROUND –

Burkina Faso beschließt Bewaffnung von Zivilisten: Das Parlament von Burkina Faso beschloss am Dienstag vegangener Woche, künftig die Zusammenarbeit von Zivilisten und Sicherheitskräften bei der Bekämpfung von Islamisten zu verstärken. Freiwillige sollen nun leichte Waffen erhalten. Wenige Tage zuvor waren bei einem Angriff von Dschihadisten auf einen Marktplatz 36 Menschen getötet worden. Die Attacke ist kein Einzelfall. Islamistische Gruppen verüben seit einigen Jahren ständige, schwerwiegende Anschläge in Burkina Faso. Allein 2019 seien etwa 859 Menschen getötet worden. Grund für die Gewalt ist vor allem das Nachbarland Mali, das seit etwa 2011 umkämpft wird. Seit 2015 ist auch Burkina Faso Ziel der verschiedenen islamistischen Gruppierungen, die das Grenzgebiet nutzen, um sich vor französischen Truppen in Mali zurückzuziehen. Vor allem christliche Dörfer sind in Burkina Faso von Angriffen betroffen. Laut Präsident Roch Marc Christian Kaboré sei der “Islamische Staat in der größeren Sahara” der Hauptfeind des Landes.
faz.net

Umstrittene Kunst in deutschen Museen: Seit der französische Präsidenten Emmanuel Macron an der Universität von Ouagadougou in Burkina Faso im Jahr 2017 eine Rede hielt und versprach, viele aus Afrika stammende Kunstwerke an die Herkunftsländer zurückzugeben, werden Stimmen laut, die ähnliches auch von Deutschland fordern. Der Senegalese Felwine Sarr, Professor für Ökonomie, hatte zusammen mit einer französischen Kunsthistorikerin für Macron einen Bericht verfasst, in dem er die Rückgabe von Kunstwerken fordert. Für Deutschland gibt es zwar ähnliche Forderungen, die Institutionen und die Politik reagieren jedoch eher verhalten. So soll zum Beispiel im neuen Humboldt-Forum in Berlin ein Thron des Königreichs Bamum ausgestellt werden, dass nur durch Druck des Kaiserreichs im Jahr 1908 in den Besitz Deutschlands kam, was offiziell als “Geschenk” bezeichnet wurde. Auch die 3000 sogenannten “Benin-Bronzen” stellen einen sensiblen Fall dar. Diese wurden 1897 von Großbritannien aus dem Königs-Palast von Benin-Stadt geraubt. Inzwischen befinden sich die meisten der berühmten Werke jedoch in Berlin. Inzwischen gibt es Vorschläge, diese künftig zwischen Berlin und Benin zirkulieren zu lassen.
br.de

EU finanziert Projekt mit eritreischen Zwangsarbeitern: In Eritrea subventioniert die EU ein Straßenbauprojekt, in dem Zwangsarbeiter arbeiten. Die Straße verbindet die äthiopische Grenze mit zwei Häfen in Eritrea. Insgesamt hat die EU bereits 80 Millionen Euro für Baumaschinen und weiteres Material gezahlt, um die Straße wieder in Stand zu setzen. Human Rights Watch kritisierte das Projekt nun: In dem Projekt würden vor allem Menschen im eritreischen Nationaldienst arbeiten, zu dem alle Männer und Frauen des Landes lebenslang verpflichtet werden. Die EU streitet nicht ab, dass das Projekt durch Zwangsarbeit gestemmt wird. Ana Pisonero, Sprecherin der EU-Kommission, verurteilt zwar einerseits die Verletzungen der Menschenrechte, betont jedoch auf der anderen Seite, “dass die vergangene Politik der Isolation Eritreas nicht funktioniert hat.” Auch werde das Geld nicht für die Zwangsarbeiter direkt gezahlt, sondern nur für die Baumaterialien und Gerätschaften. Eritrea gilt als eine der restriktivsten Diktaturen der Welt. Zahlreiche Menschen flüchten aus dem Land, wobei die Regierung selbst daran noch verdient. Inofiziell kooperieren Behörden mit Fluchthelfern und kassieren dabei die hohen Summen, die die Flüchtlinge bereit sind zu zahlen, um über die stark bewachte Grenze zu kommen.
deutschlandfunk.de

– ANGEZÄHLT –

Die Zahl der Flüchtlinge, die durch Niger ziehen, hat sich in den ersten zehn Monaten 2019 von 267.000 auf 540.000 verdoppelt.
aerzteblatt.de

– ZITAT –

“Libyen ist ein afrikanischer Staat und noch dazu ein Gründungsmitglied der Afrikanischen Union.”
Dénis Sassou-Nguesso, der Präsident der Republik Kongo kritisiert, dass der afrikanische Standpunkt bei der Lösung des Libyien-Konflikts zu kurz komme.
dw.com

– ZULETZT –

Vom Brennpunkt zur Touristenattraktion: Der Ponte-Tower in Südafrika: Der 173 Meter hohe Ponte-Tower im südafrikanischen Johannesburg galt lange als besonders gefährlich und als Ort der Kriminalität und Gewalt. Gangs hatten das Gebäude fest im Griff. Im Zuge der Fußball-Weltmeisterschaft Südafrikas im Jahr 2010 wurde der Turm jedoch renoviert, von Müll befreit und die Sicherheit stark verbessert. Inzwischen ist das Gebäude eine beliebte Touristenattraktion, die 2018 sogar von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht wurde. In dem Turm, der Kulisse vieler Filme ist, werden nun auch Führungen angeboten.
ksta.de

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